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Stufenschema bei der Behandlung von Asthma

Ein Stufenschema ist ein Behandlungsplan, der – je nach Schweregrad Ihrer Erkrankung – unterschiedliche Medikamente, einzeln oder in Kombination vorsieht. Er dient sowohl dem Arzt als auch seinem Patienten als Orientierungshilfe, also als eine Art Behandlungswegweiser. Als Asthmatiker bleibt man ja in der Regel nicht lebenslang auf einer Krankheitsstufe stehen, sondern wechselt häufig in eine höhere oder niedrigere Stufe, je nach Krankheitsaktivität, also Stärke und Häufigkeit Ihrer Beschwerden.

Der Stufenplan beruht auf den folgenden Prinzipien:

  • Die Behandlung richtet sich nach dem aktuellen Schweregrad der Erkrankung.
  • Ist das Therapieziel erreicht, wird die Behandlung auf der nächst tieferen Stufe eingestellt.
  • Kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika sollen nur bei Bedarf eingenommen werden.
  • Eine alleinige Behandlung mit Beta-2-Sympathomimetika wird nicht empfohlen – außer bei gelegentlichen, leichten Beschwerden (Stufe 1).
  • Die Dauertherapie wird mit Entzündungshemmern durchgeführt (Stufe 2 bis 4).
  • Die Inhalation der Medikamente ist der Einnahme von Tabletten vorzuziehen.

Je nach Schweregrad der Erkrankung, also je nach der jeweiligen Krankheitsstufe, auf der sich der Patient gerade befindet, werden die Medikamente nach einem bestimmten Stufenplan eingenommen. Die Behandlung beginnt entweder auf der Stufe, die dem augenblicklichen Schweregrad der Erkrankung entspricht. Falls die hier vorgeschriebenen Medikamente die Krankheit nicht unter Kontrolle bringen, muss auf die nächsthöhere Stufe übergegangen werden („Step-up“-Prinzip). Eine andere Möglichkeit ist die, den Einsatz der Medikamente gleich von Anfang an auf der nächsthöheren Stufe über dem derzeitigen Schweregrad auszurichten – zum Beispiel, wenn eine möglichst rasche Asthma-Kontrolle erreicht werden soll. Sobald die Medikamente greifen, kann dann der Behandlungsplan auf die nächsttiefere Stufe wechseln („Step-down“-Prinzip).

Als Grundprinzip gilt: So wenig Medikamente, wie zur bestmöglichen Asthma-Kontrolle nötig. Deshalb sollte die Behandlung auch stufenweise zurückgeschraubt werden, nachdem die Erkrankung über längere Zeit stabil geblieben ist. Andererseits reicht bereits ein einziges Kriterium eines höheren Schweregrads aus (siehe Krankheitsbild: Vier Krankheitsstufen), um den Patienten der nächst höheren Behandlungsstufe zuzuordnen. Falls nach einer 4-wöchigen Behandlung keine Besserung erreicht wird, das Asthma also nicht ausreichend kontrolliert werden kann, muss der Patient erneut und mit erweiterten Methoden untersucht werden.

Wenn sich Ihre Krankheitsaktivität verändert, Ihre Beschwerden sich also verbessert oder verschlechtert haben, können Sie entsprechend reagieren und den Einsatz Ihrer Medikamente anhand des mit dem Arzt abgesprochenen Stufenplans abändern (vereinfachte Version, die sich nach der Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Asthma richtet, die von der Deutschen Atemwegsliga e.V. und der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
2005 herausgegeben wurde). Bei einer Verschlechterung muss zuvor allerdings sichergestellt sein, dass Sie die Inhalation richtig durchgeführt, ihre Medikamente zuverlässig eingenommen und ausreichend auf das Vermeiden allergieauslösender Stoffe geachtet haben, bevor Ihre Medikamente auf eine höhere Stufe umgestellt werden.

Zusammenfassend lässt sich zur Behandlung nach Stufenplan sagen:

  • Keine antientzündliche Grundbehandlung benötigen nur Patienten mit gelegentlichen oder seltenen Beschwerden (also bei intermittierendem Asthma, Stufe 1) – zum Beispiel nach versehentlichem Allergenkontakt. Allerdings ist zu beachten, dass selbst auf dieser ersten Stufe durchaus auch schwere Verschlechterungsschübe auftreten können.
  • Das schwere anhaltende Asthma (Stufe 4) kann in der Regel nicht vollständig kontrolliert werden. Hier ist die bestmögliche Asthma-Kontrolle das Therapieziel. Für Betroffenen kann das Medikament MontelukastMontelukast
    Gehört zu den so genannten Leukotrienhemmern (Anti-Leukotrienen oder Leukotrien-Antagonisten) und wird in Form von Tabletten eingenommen. Es verhindert die Verengung der Bronchien und wirkt gegen Entzündungen in den Atemwegen, indem es die Aktivität bestimmter körpereigener Entzündungsstoffe (Leukotriene) unterdrückt. So hemmt es die allergische Früh- und Spätreaktion und dämpft die Überempfindlichkeit der Bronchien.
    zusätzliche Wirkungen erzielen. Es ist bereits in anderen Ländern für Patienten mit schwerem Asthma zugelassen, allerdings noch nicht in Deutschland.
  • Die Behandlung wird einen Stufe höher gesetzt, wenn:
    • trotz Therapie Beschwerden auftreten
    • die Einnahme der Bedarfsmedikamente häufiger als 3-4x am Tag erforderlich ist
    • die Lungenfunktion trotz Therapie eingeschränkt ist
  • Die Dauertherapie mit Medikamenten wird verringert, wenn mit der Behandlung über drei Monate lang eine optimale Asthma-Kontrolle erreicht und aufrechterhalten werden konnte. Dann sollte eine stufenweise Verringerung der Medikamente erfolgen, wobei der Arzt den Verlauf engmaschig zu überwachen hat hinsichtlich auftretender Beschwerden, LungenfunktionLungenfunktion
    und anderer Untersuchungsergebnisse.
  • Bei einer Verschlechterung ist das Überspringen mehrerer Stufen möglich.

Hinweise auf eine schlecht eingestellte Behandlung

Wenn ein Patient zu häufig nach den rasch wirksamen Beta-2-Sympathomimetika greift, ist das ein Hinweis, dass seine Asthmatherapie nicht optimal eingestellt ist. Möglicherweise wurde das vorbeugende Medikament (Cortisonspray) vernachlässigt. Schließlich wird die wichtige Dauertherapie mit ICS oft vernachlässigt, wenn der Patient sich beschwerdefrei fühlt. Allerdings kann nur die regelmäßige und zuverlässige Einnahme von Glucocorticosteroiden erreichen, dass sich die Entzündung in den Atemwegen langsam (erst nach Wochen bis Monaten) zurückbildet. Auch die Lungenfunktion lässt sich nur mit einer konsequenten Therapie langfristig normalisieren.

Auch das Auftreten von Anstrengungsasthma kann darauf hinweisen, dass die Asthma-Kontrolle nicht optimal eingestellt ist. Dann sollte die Dauertherapie gesteigert werden. Bei saisonalem Asthma ist eine Behandlung nur während der betreffenden Pollensaison erforderlich - wenn der Pollenflug vorbei ist, in der Regel also nicht mehr. Treten bei einem ganzjährigen Asthma jahreszeitlich bedingte Verschlechterungsschübe auf, kann eine allergenspezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) zur Abhilfe in Erwägung gezogen werden.

Wann sollte man zum Facharzt zu gehen?

Zur Behandlung Ihres Asthmas ist ein Facharzt - entweder von Ihrem Arzt oder von Ihnen selbst - zu Rate zu ziehen, wenn:

  • sich kein Behandlungserfolg einstellt – auch nicht nach verschärften Therapie-Maßnahmen
  • eine Dauerbehandlung mit Steroiden in Tablettenform (oralen Glucocorticosteroiden = OCS) erforderlich wird
  • eine Notfallbehandlung vorausgegangen ist
  • eine antientzündliche Dauertherapie beendet wird
  • Begleiterkrankungen auftreten
  • Verdacht auf berufsbedingtes Asthma besteht
  • Asthma in der Schwangerschaft auftritt
  • die Diagnose unklar ist
  • sich komplizierte Fragen im Zusammenhang mit Allergien ergeben

Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist notwendig, wenn:

  • ein lebensbedrohlicher Asthma-Anfall auftritt 
  • sich ein Anfall nicht bessert, sondern über längere Zeit anhält (Status asthmatikus)
  • bei Schwangeren der Verdacht besteht, dass ihr ungeborenes Kind gefährdet ist
  • bei Kindern der Peak-Flow unter 33% vom persönlichen Bestwert liegt, Atemzüge öfter als 25x pro Minute erfolgen (allerdings altersabhängig, siehe Besonderheiten bei Kindern/Asthmaanfall beim Kind), Sprechen unmöglich ist und Lippen und Nagelbetten sich bläulich verfärben (ZyanoseZyanose
    Bläuliche Verfärbung der Haut und Fingernägel infolge von akutem oder chronischem Sauerstoffmangel.
    ). Bei Erwachsenen ist bei solchen Werten eine Einweisung ebenfalls zumindest zu prüfen.

Autor/Autoren: äin-red