LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

Medikamente zum Inhalieren

Die meisten der in Asthma-Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe können heutzutage inhaliert (=eingeatmet) werden. Durch die Inhalation gelangt der Wirkstoff direkt in die Atemwege. Auf diesem Weg ist der Wirkstoff bereits in sehr geringen Mengen wirksam, so dass Inhalieren den Körper in der Regel weniger belastet als die Einnahme von Tabletten.

Inhalationsmanöver: Das Vorgehen bei der Inhalation ist abhängig vom jeweils verwendeten Inhalationssystem. Grundsätzlich gilt: Vor dem Inhalieren tief ausatmen, und nach dem Inhalieren den Atem eine Weile anhalten, um den Wirkstoffteilchen Zeit zu geben, sich in der Lunge abzusetzen. Dies gilt insbesondere für die Inhalation von Steroiden (CortisonCortison
Dies ist ein Hormon, das der Körper in der Nebenniere auch selber herstellt. Es wird vor allem in Stresssituationen gebildet, reguliert aber auch das Immunsystem und kann überschießende Entzündungsreaktionen abschwächen. Cortison bewirkt ein Abschwellen der Bronchialschleimhaut, verringert die Schleimproduktion, hemmt die allergische Reaktion und vermindert die Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) der Bronchien. Während Cortisontabletten in Abhängigkeit von der Dauer der Einnahme und der Dosis schwere Nebenwirkungen haben können, ist die Inhalation moderner Cortisonsprays auch in der Langzeitanwendung unproblematisch, auch wenn immer wieder in den Medien das Gegenteil behauptet wird.
).

Es gibt verschiedene Inhalationssysteme (englisch: device), das heißt Gerätetypen, die zum Inhalieren der Asthma-Medikamente notwendig sind. Treibgas getriebene Systeme und Pulversysteme enthalten bereits den Arznei-Wirkstoff, während Vernebler ausschließlich ohne Wirkstoff angeboten werden – das heißt der Wirkstoff muss für Vernebler separat verordnet werden. Alle Systeme haben ihre Vor- und Nachteile - sei es hinsichtlich ihrer Größe, Handhabung oder Eignung für den betreffenden Schweregrad der Erkrankung. Ihr Arzt wird mit Ihnen zusammen das Beste für Sie herausfinden.

Atemzug gesteuerte Inhalatoren: Hier wird das Medikament erst durch den Ansaugvorgang des Patienten als Spray freigesetzt. Damit wird ein sicheres Absetzen des Wirkstoffes in der Lunge erreicht, insbesondere bei Kindern und älteren Patienten. Zur Auslösung ist allerdings ein gewisser Mindest-Atemfluss erforderlich, was Kindern unter fünf Jahren Probleme bereiten kann.

Treibgas getriebene Systeme: Beim Dosieraerosol wird der Sprühstoß durch Drücken auf den Wirkstoffbehälter ausgelöst. Hier wird das Wirkstoff-Flüssigkeits-Gemisch bzw. die Wirkstoff-Lösung mit Hilfe von FCKW-freiem Treibgas durch ein Ventil gepresst und dabei in kleinste Tröpfchen auseinander gesprengt. Es bildet sich ein so genanntes AerosolAerosol
Unter Aerosolen versteht man allgemein ein Gemisch (bzw. ein mehrphasiges System) von Gasen (insbesondere Luft) mit unregelmäßig verteilten Feststoff-Teilchen (zum Beispiel Staub, Faserstaub, Rauch) oder mit Flüssigkeits-Anteilen. Stäube sind Gemische aus unregelmäßig verteilten festen Teilchen in Gasen, die durch mechanische Arbeiten oder Aufwirbelung entstehen. Faserstäube sind Gemische aus unregelmäßig verteilten Fasern (organischen oder anorganischen Ursprungs – zum Beispiel Asbest) in Gasen. Rauche sind feinste Gemische aus festen Teilchen in Gasen, die durch thermische Prozesse entstehen (zum Beispiel Schweißrauch oder Metalloxidrauch) oder bei Verbrennungsvorgängen (zum Beispiel Ruß oder Flugasche).
. Da das Treibgas direkt nach der Freisetzung aus dem Dosieraerosol nahezu verdunstet, gelangen beim Inhalieren meist nur die (festen) Wirkstoff-Teilchen in die Lunge. Zum Inhalieren müssen Drücken und Einatmen im selben Moment, also gleichzeitig ausgeführt und entsprechend koordiniert werden. Das fällt insbesondere Kindern und älteren Patienten schwer. Deshalb gibt es Inhalationshilfen, so genannte „Spacer“ (siehe unten). Der Sprühstoß aus Atemzug ausgelösten Dosieraerosolen kann bei manchen Systemen im Bedarfsfall auch von Hand ausgelöst werden. Beim Inhalieren aus diesen Dosierareosolen sollten Sie langsam tief einatmen. Sonst bleiben die Teilchen im Bereich des Kehlkopfs hängen, anstatt in die Lunge zu gelangen. Allerdings ist es bei diesem System unvermeidlich, dass sich auch eine gewisse Anzahl größerer Partikel an der Rachenhinterwand niederschlägt, da nicht alle Treibgaströpfchen verdampft sind.

Pulverinhalator: Auch aus diesem Gerät wird ein Aerosol inhaliert, das jedoch erst durch die Kraft des Atemzugs gebildet wird. Das Pulver muss also im Zuge des Inhaliervorgangs in kleine Teilchen aufgesprengt werden. Das funktioniert umso besser, je kräftiger Sie einatmen und das Pulver dadurch beschleunigen. Zur Anwendung atmen Sie deshalb möglichst rasch tief ein. Kinder unter vier Jahren können meist noch nicht kräftig genug einatmen, um einen Pulverinhalator auszulösen. Da Pulver grundsätzlich feuchtigkeitsempfindlich ist, ist es hier besonders wichtig, auszuatmen, bevor Sie das Gerät zum Mund führen. Außerdem müssen Sie darauf achten, dass das Gerät nach dem Gebrauch immer wieder luftdicht verschlossen wird.

Vernebler: Vernebelt mit Hilfe von Druck (durch Düsen oder mechanischen Schwingungen) Wirkstofflösungen in ein aus feinsten Tröpfchen bestehendes Aerosol, das inhaliert wird. Innerhalb dieser Gerätegruppe gibt es Unterschiede hinsichtlich Größe, Energieverbrauch und der verwendbaren Wirkstoffe. Da der Nebel bzw. das Aerosol bei Verneblern grundsätzlich langsamer aus dem Gerät austritt als bei Dosieraerosolen, steht zum Einatmen grundsätzlich mehr Zeit zur Verfügung. Zur Anwendung atmen Sie langsam tief ein. Die Ausatmung kann normal bzw. entspannt erfolgen.

Inhalierhilfen (Spacer): Vermindert bei Verwendung eines einfachen Dosieraerosols die Menge an Medikamententeilchen, die im Rachen an der Mundschleimhaut hängen bleiben und ist unerlässlich, wenn ein Patient Koordinierungsprobleme mit dem gleichzeitigen Drücken und Einatmen hat. Zur Anwendung stecken Sie den Spacer (eine Art Mundstück mit einer Luftkammer) auf Ihr Dosieraerosol. Nach dem Sprühstoß füllt sich die Luftkammer mit dem Aerosol, das sich nun wie gewohnt einatmen lässt. Größere Medikamententeilchen, welche die tiefer gelegenen Atemwege sowieso nicht erreichen können, bleiben auf diese Weise am Spacer hängen und nicht an Ihrer Mundschleimhaut. Der Effekt des Spacers wird übrigens besser, wenn sie ihn vor dem Gebrauch mit Wasser plus Geschirrspülmittel waschen und dann trocknen lassen, damit ein Rest des Spülmittels an der Wand verbleibt. Das verringert die elektrostatische Aufladung des Spacers und verbessert damit erheblich seine Funktion.