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Häufigkeit

In den 70er bis 90er Jahren hat Asthma weltweit an Häufigkeit zugenommen und betrifft - je nach Region - bis zu 30% der Bevölkerung. Man geht von rund 100 Millionen Asthma-Patienten auf der Welt aus. Am häufigsten kommt Asthma bei Neuseeländern und Australiern europäischer Herkunft vor, am seltensten bei südostasiatischen und pazifischen Eingeborenen. Interessanterweise gab es direkt nach der Wende in Ostdeutschland weniger Heuschnupfen und Asthma als in Westdeutschland. Seit 1996 hat sich dieser Unterschied verringert, wahrscheinlich weil sich die Lebensverhältnisse (insbesondere die Art der Luftschadstoffe und Ernährung) in der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik einander angenähert haben.

Warum das Auftreten von Asthma in den 70er bis 90er Jahren zugenommen hat, kann man sich derzeit noch nicht schlüssig erklären. Wenn auch genetische Faktoren bei der Entwicklung der Krankheit maßgeblich beteiligt sind, kommen für diesen zunehmenden Trend eigentlich nur Veränderungen in den Lebensbedingungen als Ursache in Frage. Dazu zählt paradoxerweise die zunehmende Hygienezunehmende Hygiene
Der Mensch war zum Beispiel über Jahrmillionen gewohnt, auch verderbliche Nahrung zu essen, die mit Bakterien und Pilzen belastet war. Außerdem war sein Wohnumfeld früher mit mehr Keimen verunreinigt als heutzutage. Dadurch wird das  Immunsystem quasi unterfordert, so dass es zu einer Überbewertung anderer, eigentlich harmloser Fremdstoffe kommen kann. Insofern dürften Allergie auslösende Stoffe (Allergene) im häuslichen und beruflichen Umfeld eine immer größere Rolle spielen. So beobachtet man, dass Asthma bei Kindern, die auf dem Land aufwachsen seltener auftritt, während sich die Asthma-Fälle in den Städten, vor allem in Wohngegenden mit stark befahrenen Straßen, häufen. 
 
, die zu einer völlig neuen Beanspruchung des Immunsystems führt. Schließlich war der Mensch über Jahrmillionen gewohnt, auch verderbliche Nahrung zu essen, die mit Bakterien und Pilzen belastet war. Auch seine Umgebung (zum Beispiel das Wohnumfeld) war früher mit mehr Keimen verunreinigt als heutzutage. Andererseits treten heute aber sehr viel mehr Virusinfekte auf, da infolge der ansteigenden Häufigkeit des Reisens in den letzten 100 Jahren die Kontakte mit fremdartigen Virusstämmen explosionsartig zugenommen haben. Die heutigen, verbesserten hygienischen Verhältnisse haben zwar die Infektionskrankheiten (zum Beispiel. Tuberkulose, Pest, Cholera usw.) eingedämmt, das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
wird dadurch aber quasi unterfordert, so dass es zu einer Überbewertung anderer Fremdstoffe kommen kann. Offenbar deshalb zeichnet sich in den letzten Jahrzehnten die Tendenz ab, dass Allergie auslösende Stoffe (AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
) im häuslichen und beruflichen Umfeld eine immer größere Rolle spielen.

In Deutschland erkranken etwa 10 bis 15% der Kinder und etwa 5-7% der Erwachsenen an Asthma - das sind rund 8 Millionen Menschen. Vor allem Kinder sind betroffen - Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter (siehe auch Asthma bei Kindern). Etwa jedes 8. Kind unter 10 Jahren und jedes 10. Kind unter 15 Jahren leidet in Deutschland unter Asthma. Dabei erkranken Jungen doppelt so häufig wie Mädchen. Mit zunehmendem Alter der Kinder verblasst dieser Geschlechtsunterschied allerdings wieder.

Im Erwachsenenalter überwiegt dann der Anteil Frauen, die an Asthma erkranken. Etwa 6% der Erwachsenen in Deutschland sind betroffen. Während bei Kindern Asthma überwiegend allergisch bedingt ist, tritt bei Erwachsenen (vor allem in der zweiten Lebenshälfte) häufiger auch eine nicht-allergische (intrinsische) Form der Erkrankung auf, und zwar bei 30-50% der erwachsenen Asthmatiker. So kann eine rein allergische Ursache ab dem zwanzigsten Lebensjahr nur noch in weniger als einem Fünftel der Fälle nachgewiesen werden.

Die Sterblichkeit ist glücklicherweise ziemlich gering: In Mitteleuropa sterben 1-8 Menschen von 100.000 Einwohnern pro Jahr an Asthma. Trotz Fortschritten in der Behandlung von Asthma haben sich diese Zahlen allerdings seit 30 Jahren nicht verändert. In Deutschland sind die Asthma-Todesfälle zwar seit den 80er Jahren zurückgegangen, dennoch ist im internationalen Vergleich die Sterblichkeit in Deutschland noch relativ hoch (4-8 Menschen pro 100.000 Einwohner und Jahr- siehe auch Auswirkungen & Prognose). Neben der zunehmenden Häufigkeit von Asthma in den 70er bis 90er Jahren ist einer der möglichen Gründe hierfür auch der, dass Patienten den Schweregrad ihrer Erkrankung oft unterschätzen und die Behandlungsanweisungen ihres Arztes nicht zuverlässig befolgen.

In den letzten Jahren (Stand 2015) sind dem Weißbuch Lunge 2014 zufolge sowohl die Häufigkeit als auch der Schweregrad bei Asthmaerkrankungen gestiegen. Es gibt viele Theorien, woran das liegen könnte. Möglicherweise sind die Pollen durch Umwelteinflüsse aggressiver geworden, was ein allergisch bedingtes Asthma verschlimmern kann. Nach Daten des Robert Koch-Instituts hat sich die Lebenszeitprävalenz bei Erwachsenen zwischen den Jahren 2003 und 2009 bei Frauen von 6,0 auf 10,1 Prozent und bei Männern von 5,2 auf 8,3 Prozent erhöht.