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Verschiedene Asthmaformen

Der genaue Grund, warum Menschen Asthma entwickeln, ist noch nicht bis in alle Einzelheiten durchschaut. Man weiß aber, dass sowohl Gene als auch Umgebungsfaktoren eine Rolle spielen. So neigen diejenigen Menschen vermehrt zu Asthma, die aus einer Allergiker-Familie stammen und auch selbst auf bestimmte Stoffe allergisch reagieren. Andere entwickeln Asthma aufgrund ihres Berufes, weil sie dort bestimmten Stoffen ausgesetzt sind.

Je nach Auslöser unterscheidet man die folgenden Asthma-Formen, die allergisch oder nicht-allergisch sein können, aber auch miteinander kombiniert auftreten und dann als gemischtförmig bezeichnet werden:

  • Allergisches (extrinsisches) Asthma
  • Nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma
  • Gemischtförmiges Asthma
  • Berufsbedingtes Asthma
  • Auslösung des Asthmas durch Infekte
  • Auslösung des Asthmas durch Arzneimittel.
  • Anstrengungsasthma (Belastungsasthma)
  • Asthma mit gastroösophagealem Reflux
  • Brittle-Asthma
  • Variant-Asthma
  • Asthma-Formen mit Übergang zur COPD

Allergisches (extrinsisches) Asthma

Diese Asthmaform wird durch AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
ausgelöst und führt zur so genannten allergischen Frühreaktion mit einer vermehrten Bildung von Immunglobulin EImmunglobulin E
Das sind Antikörper der Klasse E, die gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an bestimmte Antigene andocken können und dann durch eine Brückenbindung an so genannte Mastzellen zu einer Ausschüttung von Histamin führen (siehe auch Allergie vom Soforttyp, Allergietyp I). Dies verursacht eine Entzündungsreaktion. Erhöhte Ig E-Spiegel im Blut treten vor allem bei allergischen und parasitären Krankheiten auf. 
(und damit erhöhten Ig E-Spiegeln im Blut-Serum). Auf diese Frühreaktion folgt häufig dann die so genannte allergische Spätreaktion, die asthmatypische Beschwerden hervorruft. Allergisches Asthma tritt in manchen Familien gehäuft auf, ist also genetisch bedingt und beginnt oft in der Kindheit oder im Jugendalter. Zur allergischen Asthmaform zählt auch das saisonale Asthma, das aufgrund einer Allergie gegen bestimmte Pollen auftritt und entsprechend vom jeweiligen Pollenflug abhängt. Hierunter leiden häufig Heuschnupfen-Patienten, deren Pollenallergie einen Etagenwechsel gemacht hat von den oberen in die unteren Atemwege, so dass sie neben Heuschnupfen auch asthmatische Beschwerden haben. Außerhalb der Pollensaison treten hingegen keine Beschwerden auf und auch die Lungenfunktion ist wieder normal.

Nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma

Beim nicht-allergischen Asthma laufen zwar ebenfalls Abwehrreaktionen im Körper ab, diese werden aber nachgewiesenermaßen nicht durch ein Allergen (sondern durch einen anderen Auslöser) hervorgerufen, denn es kommt seltener zu einem Anstieg von ImmunglobulinImmunglobulin
Das sind Antikörper in Form von Eiweißstoffen (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der so genannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden und die so entstehenden Immunkomplexe unschädlich gemacht werden.
Erhöhte Ig-Mengen weisen auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
E. Das heißt die allergische Frühreaktion findet nicht statt, sondern nur die asthmatische Spätreaktion. Siehe auch Video-Clips (rechts) über Granulozyten und MastzellenMastzellen
Mastzellen sind basophile Granulozyten, die im Gewebe vorkommen und den allergieauslösenden Botenstoff Histamin in einer Speicherform (Granula) enthalten, den sie bei Kontakt mit einem Allergen freisetzen. Auf ihrer Oberfläche sind Antikörper (Immunglobuline der Klasse E) gebunden.
.

Diese Spätreaktion versetzt die Entzündungszellen ebenfalls lang anhaltend in Abwehrbereitschaft und führt so zu den asthmatypischen Beschwerden. Typischerweise sind beim nicht-allergischen Asthma nahezu immer die Nasennebenhöhlen chronisch mit entzündet. Später kommt es zu polypenartigen Schleimhautwucherungen (nasale Polyposis), die das Atmen durch die Nase erheblich behindern können.

Bei etwa 30 bis 50% der Erwachsenen mit Asthma ist eine Allergie (mit Bildung von Ig E-Antikörpern gegen Umgebungs-Allergene) nicht nachweisbar. Das nicht-allergische Asthma beginnt oft erst spät im 4. Lebensjahrzehnt und zwar typischerweise nach einer Virusinfektion der Atemwege. Das heißt, diese Form des Asthmas wird oft durch Infektionen der Atemwege ausgelöst oder verstärkt (getriggert). Schwankungen im Schweregrad der Erkrankung sind geringer ausgeprägt als beim allergischen Asthma. Dafür zeigt das intrinsische Asthma häufig gleich von Anfang an eine schwere Verlaufsform.

Gemischtförmiges Asthma

Bei Asthma liegen häufig Mischformen zwischen der allergischen und der nicht-allergischen Form der Erkrankung vor. Meistens entwickelt sich das gemischtförmige Asthma aus einem ursprünglich allergischen Asthma. Im zeitlichen Verlauf gewinnen dann - oft durch wiederholte Infekte - nicht-allergische (intrinsische) Ursachen die Oberhand. Andererseits zeigen beide Asthmaformen in gleicher Weise asthmatische Reaktionen auf unspezifische Auslöser wie kalte Luft, Nebel, Rauch, Küchendünste, Parfüm usw. Diese Reizstoffe verursachen aber nicht das Asthma, sie stoßen es nur an.

Berufsbedingtes Asthma

Bestimmte Berufe, bei denen es zum täglichen Kontakt mit potenziellen Allergenen kommt, sind mit einem erhöhten Asthmarisiko verbunden. Hierzu zählen zum Beispiel Bäcker (Mehlstauballergie), Frisör (Nickel- und Pflegemittelallergie), Schreiner (Holzstauballergie) und Druckereiarbeiter (Farb- und Lösungsmittel). Menschen mit bekannter Allergieneigung sollten ihre Berufswahl entsprechend bedenken.

Ein berufsbedingtes Asthma ist aber nicht immer Folge einer Allergie. Bestimmte chemische Stoffe können das Bronchialsystem so stark reizen, dass Asthma entsteht, ohne dass eine allergische Reaktion zugrunde liegt. Zum Beispiel kann das Einatmen von Chlorgas (zum Beispiel bei Unfällen) oder von so genannten Isozyanaten (die u.a. zur Herstellung von Kunststoffen, Lacken und Klebstoffen oder als Härter eingesetzt werden) zu entzündlichen Reaktionen führen.

Erste Krankheitsanzeichen am Arbeitsplatz treten oft erst nach jahrelangem Kontakt mit dem Auslöser auf. Typisch für Berufsasthma ist, dass sich die Beschwerden am Arbeitsplatz verstärken, während sie sich an den Wochenenden und im Urlaub wieder bessern.

Berufliche Asthma-Allergene

Allergen

Risikoberuf

AcrylatKlebstoffverarbeiter
AmineSchellack- und Lackverarbeiter
AnhydrideVerarbeitung von Kunststoffen und Epoxyharzen
Chloramin-THausmeister, Reinigungskräfte
Dämpfe durch elektrischen StromElektromonteure, Lötarbeiter
EnzymeEnzyme
Das sind (für den Stoffwechsel aller Lebewesen) unentbehrliche Eiweißkörper, die als Biokatalysatoren biochemische Vorgänge ermöglichen, sie beschleunigen und in eine gewünschte Richtung ablaufen lassen, ohne selbst dabei verändert zu werden. Es gibt eine große Anzahl verschiedener Enzyme, jedes ist für einen bestimmten Vorgang zuständig. Enzyme funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, das heißt jedes Enzym hat eine spezielle Eiweißstruktur, die es befähigt, den Stoff, dessen Reaktion es steuern soll, gezielt zu erkennen (Substratspezifität). So sind im Organismus gleichzeitig eine Vielfalt von unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen möglich. 
Bäcker, Detergentienhersteller
FarbenTextilarbeiter, Maler, Lackierer
Fisch, SchalentiereFischverarbeiter, -Verkäufer
Formaldehyde, GlutaraldehydBeschäftigte im Krankenhaus
GetreideMüller, Bäcker, Landwirt
HolzstaubWaldarbeiter, Schreiner, Tischler, Zimmerleute
IsozyanateDämmstoffverarbeiter, Maler (Sprühfarben),
Hersteller von Kunststoff, Schaum und Gummi
KlebstoffePharmazeuten, Teppichknüpfer
LatexMedizinische Berufe, Laboranten
MedikamenteMedizinische Berufe, Pharmazeuten
Metalle (Platin, Vanadium)Lötarbeiter, Raffineure
PersulfateFriseur
Tierhaare, -Kot, -UrinTierhändler, Tierarzt, -Tierarzthelferin

Auslösung des Asthmas durch Infekte

Virusinfektionen führen oft zu Entzündungen der Atemwege und lösen dann oft einen Asthmaanfall aus. Dies gilt für alle Asthmaformen.

Auslösung des Asthmas durch Arzneimittel

Etwa 10-20% der Asthmatiker - insbesondere die mit der nicht-allergischen Form - reagieren auf bestimmte Medikamente überempfindlich. Besonders häufig betrifft das Frauen im mittleren Lebensalter. Auslöser sind hauptsächlich Schmerzmittel (mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure) und Entzündungshemmer (so genannte nicht-steroidale Antiphlogistika), aber auch chemisch verwandte Anti-Rheumamittel (so genannte nicht-steroidale Antirheumatika) können einen Asthmaanfall auslösen.

Hier liegt keine ursächliche Allergie zugrunde, sondern eine (wahrscheinlich erblich bedingte) Arzneimittelunverträglichkeit. Es handelt sich also um eine nicht-allergische (intrinsische) Asthma-Form. Dabei tritt Medikamentenasthma oft auch in Kombination mit anderen, meist allergischen Asthmaformen auf. Diese Form des Asthmas äußert sich häufig mit Niesen und wässrigem Nasenfluss.

Eine weitere Medikamentengruppe, die Betablocker, sind für Asthmatiker problematisch, denn sie verstärken oft ein Asthma. Manche, besonders empfindliche Patienten bekommen sogar einen schweren Asthmaanfall nach Tabletteneinahme. Aber selbst wenn die Patienten diese (meist zur Behandlung eines Bluthochdrucks oder einer Herzschwäche) eingesetzten Medikamente gut zu vertragen scheinen, wird die Ausprägung von Asthmaanfällen, wenn sie zum Beispiel durch einen Infekt verursacht werden, dennoch verstärkt.

Anstrengungsasthma (Belastungsasthma)

Insbesondere zu Beginn von und nach körperlicher Anstrengung kommt es bei den meisten von Asthma betroffenen Kindern und bei etwa jedem dritten asthmakranken Erwachsenen zu asthmatischen Beschwerden. Bei vielen Kindern treten Asthmaanfälle überwiegend nur beim Sporttreiben auf, während sie (solange sie keinen Infekt bekommen) keinerlei Anzeichen der Krankheit haben. Die asthmatische Entzündung wird durch Auskühlung und Austrocknung der Bronchialschleimhäute (vor allem in kalter Luft) infolge der gesteigerten Atmung bei körperlicher Belastung hervorgerufen.

Asthma mit gastroösophagealem Reflux

Hier kommt es zur Verstärkung des Asthmas, weil Magensaft in die Speiseröhre übertritt. Es kommt zu einer reflexartigen Verkrampfung der Bronchien. Unter Umständen wird diese Asthma-Form durch bestimmte Asthma-Medikamente (wie TheophyllinTheophyllin
Dieser Wirkstoff entspannt die Bronchialmuskulatur, wirkt aber nur mäßig bronchienerweiternd. Andererseits hat er auch entzündungshemmende und abwehrdämpfende Effekte (schwächt die asthmatische Spätreaktion ab) und schützt die Bronchien vor Reizen, die zu einer Verkrampfung führen.
und andere adrenalinartigen Arzneiwirkstoffe, so genannte Beta-2-Sympathomimetika) verstärkt, weil diese die Bewegungsvorgänge der Speiseröhre lähmen können.

Brittle-Asthma

Das ist eine sehr seltene Verlaufsform mit immer wieder einsetzenden, schweren und lebensbedrohlichen Asthmaanfällen ohne vorausgehende Anzeichen einer Verschlechterung des Krankheitszustands. Dieser Asthma-Variante liegen offenbar ganz andere Entzündungsmechanismen zugrunde als den übrigen Asthma-Formen.

Variant-Asthma

Dies ist eine milde Asthma-Form, bei der hauptsächlich Reizhusten aber keine Luftnot als Beschwerden auftreten. Sie geht meist einem späteren Asthma voraus.

Asthma-Formen mit Übergang zur COPD

Nicht selten (in etwa. 20-30% der Asthma-Erkrankungen) gibt es auch Formen, die später Übergänge zu einer chronisch-obstruktiven Bronchits (COPD) entwickeln. Diese Übergangsformen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Patienten nicht nur während des Asthmaanfalls oder Infekts, sondern ständig Husten und Auswurf haben.