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Tipps zur Vorbeugung
Voraussetzung für eine effektive Behandlung von Asthma und einen günstigen Verlauf der Erkrankung ist, dass Sie sich als betroffener Patient an den Vorsorgemaßnahmen beteiligen und aktiv etwas für sich tun. Sie sollten:

Etwa die Hälfte aller asthmatischen Erkrankungen könnten vermieden werden, wenn betroffene Patienten das vorhandene Wissen über die Risikofaktoren von Asthma konsequent umsetzen würden. Dazu kann zum Beispiel gehören, sich von einem Haustier zu trennen, einen Heuschnupfen frühzeitig mit einer spezifischen Immuntherapie (HyposensibilisierungHyposensibilisierung
Behandlungsform von Allergien, bei der dem Körper das Allergen in steigender Dosis injiziert wird, um die Allergieempfindlichkeit herabzusetzen bzw. ganz auszuschalten; erstreckt sich über mehrere Jahre.
Man spricht auch von spezifischer Immuntherapie mit Allergenen (SIT), Allergen-Immuntherapie, Allergie-Impfung oder Desensibilisierung.
) zu behandeln oder das Rauchen aufzugeben. Bei der Vorbeugung geht es darum, akute Asthmaanfälle zu vermeiden, und die Langzeitschäden von Asthma bronchiale einzugrenzen. Dazu gehört:

Zur Anfallsvorbeugung ist eine gute ärztliche Behandlung Grundbedingung. Dazu gehört, dass Sie Ihre Asthma-Medikamente zuverlässig und regelmäßig einnehmen, aber auch dass Sie den Erfolg der Behandlung regelmäßig überwachen und die Therapie falls nötig entsprechend anpassen. So sollten Patienten mit Problemen mehrmals täglich ihre Atemfunktion mit dem Peak-Flow-Meter zu Hause messen, um Erkrankungsverlauf und Therapie selbständig zu kontrollieren und im Griff zu behalten (siehe auch Patientenschulung). Hier können Sie sich ein Peak-Flow-Protokoll oder Asthma-Tagebuch (als pdf) ausdrucken.

Die wichtigste Maßnahme besteht darin, bekannte und weitere mögliche Auslöser zu vermeiden. Jeder Patient sollte Experte für seine Krankheit werden. Dazu gehört auch, herauszufinden, welche Auslöser für ihn problematisch sind. Viele Asthmatiker entwickeln zum Beispiel eine Tierhaarallergie, wenn sie in engem Kontakt mit Tieren leben. Daher sind Haustiere (auch Vogelhaltung) denkbar ungünstig. Falls sich die Auslöser (AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
) nicht vermeiden lassen, ist gegebenenfalls auch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung ) notwendig.

Vermeidung von Auslösern und Triggern
Wenn Sie herausgefunden haben, was Ihre Asthma-Beschwerden hervorruft oder verstärkt, sollten Sie diese Auslöser und Trigger so weit wie möglich vermeiden. Das ist im Alltag aber nicht immer leicht: Umwelteinflüssen wie Temperaturschwankungen oder Ozonsmog, Pollenflug oder Hausstaub kann man ja nicht einfach aus dem Weg gehen. Trotzdem können Sie selbst etwas dafür tun, sich Ihr Leben mit allergischem Asthma möglichst frei von Beschwerden zu gestalten, indem Sie die folgenden Tipps beherzigen. Bevor Sie allerdings Ihre Wohnung mitunter teuer sanieren, sollte auf jeden Fall eine der im Folgenden erwähnten Asthmaursachen feststehen. Dazu reicht ein Haut- oder Bluttest in der Regel nicht aus. Besser lässt man den Verdacht auf das in Frage stehende Allergen mittels Provokationstests nachweisen.

Hausstaubmilbenkot
Hausstaubmilben gibt es in jeder Wohnung. Sie dürften die häufigste Ursache für allergisches Asthma sein. Das verursachende Allergen ist dabei nicht die Milbe selbst, sondern deren Ausscheidungen. Entfernen Sie unnötige „Milbenfänger" aus Ihrem Schlafzimmer wie Wollteppiche, Vorhänge, zusätzliche Kissen und Überdecken. Kunststoffteppichböden sind dagegen viel weniger problematisch als früher angenommen. Optimal ist ein glatter Boden (Fliesen, Kork, Laminat, Parkett etc.), der allerdings mindestens 3 mal pro Woche feucht gewischt werden muss. Benutzen Sie einen Staubsauger mit Feinfilter. Halten Sie den Raum kühl und trocken. Die Wirksamkeit von Milbensprays ist umstritten. Milbenundurchlässige Matrazenüberzüge (Encasings) wirken dagegen sicherer. Waschen Sie die Bettwäsche regelmäßig bei mindestens 60 Grad Celsius. Auch Oberbett und Kopfkissen sollten aus waschbarem Material bestehen und 4 mal pro Jahr bei 60°C komplett in der Maschine gewaschen werden. Bei Kindern sollten möglichst wenige Kuscheltiere im Bett „übernachten". Falls möglich sollten diese „Bettnachbarn"1 mal pro Monat bei 60°C gewaschen werden, oder 1 mal pro Monat für 12 Stunden im Eisfach gelagert werden (tötet die Milben ab) und anschließend gewaschen werden (entfernt das Allergen).

Hautschuppen von behaarten Haustieren (Katzen, Hunde, Pferde etc.)
Es ist sicherlich hart, sich wegen einer Allergie von einem geliebten Haustier trennen zu müssen. Aber gerade bei Kindern besteht die Chance, dass das allergische Asthma abklingt, sobald das Allergen nicht mehr einwirkt. Außerdem bestehen Allergien nicht unbedingt ein Leben lang. So kann die allergische Reaktion auf ein bestimmtes Tier wieder abnehmen und auch ganz verschwinden. Bei Risikokindern (ein Elternteil ist Allergiker) sollte die Haltung von Katzen und Nagetiere aber vermieden werden, wobei Hunde oft weniger problematisch sind. Bei Hochrisikokindern (beide Elternteile sind Allergiker) ist grundsätzlich auf jegliche Haustierhaltung zu verzichten.

Schimmelpilzsporen
Feuchte Wände müssen saniert werden. Duschräume und Bäder sollten nach Benutzung immer mit einem trockenen, sauberen Handtuch abgewischt und gut durchgelüftet werden. Kompostierbarer Abfall sollte nur möglichst kurzzeitig in einem geschlossenen Behälter in der Küche gelagert werden. Auf Pflanzen im Schlafzimmer verzichten.

Nahrungsmittel
Bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Kuhmilch, Hühnerei, Soja Nüsse u.a.), Zusatzstoffe (z.B. zur Konservierung) oder Nahrungsmittelbestandteile (z.B. Gluten) können bei Allergikern Atembeschwerden oder Asthmaanfälle hervorrufen. Bei Vermeidung bestimmter Grundnahrungsmittel, auf die man allergisch reagiert, ist eine Nahrungsumstellung auf ein vergleichbar nahrhaftes Ersatzlebensmittel notwendig (z.B. auf Milchprodukte von Ziege und Schaf bei einer Unverträglichkeit von Kuhmilch). Hier sollten Sie sich von Ihrem Arzt und gegebenenfalls von einer auf Allergien spezialisierten Ernährungsberaterin informieren lassen (Adressen bekommen Sie über den DAAB, Email: info@daab.de). Eine vielseitige, ausgewogene und vitaminreiche Ernährung ist nicht nur für Kinder wichtig. Allgemein nicht für Asthmatiker zu empfehlen sind ungezielte Diäten und teure Nahrungsergänzungen.

Medikamente
Eine Verschlechterung der Beschwerden tritt manchmal im Zusammenhang mit folgenden Arzneistoffen auf:

  • Antibiotika
  • Schmerzmittel wie Aspirin, Novalgin, Diclofenac oder Ibuprofen
  • Naturheilkundliche Mittel wie Gelee Royal oder Echinacea
  • Beta-Blocker (eingesetzt gegen BluthochdruckBluthochdruck
    Laut Hochdruckliga liegt der ideale Blutdruck bei 120/80 mmHg. Bluthochdruck ist eine krankhafte Steigerung des Blutdruckes in den Arterien auf einen systolischen Wert von über 140 mmHg und einen diastolischen Wert von über 90 mmHg. Bluthochdruck ist ein wichtiger Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, Nierenschwäche und Herzschwäche.
    und Herzinsuffizienz, sind aber auch in manchen Augentropfen enthalten!)

Bei der Verwendung von Medikamenten ist zu beachten, dass fiebersenkende Mittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure Asthma auslösen können. Insbesondere bei älteren Kindern ist eine Unverträglichkeit des Wirkstoffes bekannt. Daher sollten sie besser Paracetamol-haltige Präparate verwenden. Manchmal können auch die folgenden Wirkstoffe derselben Substanzklasse Ärger machen: Ibuprofen, Diclofenac, Indometacin. Ebenfalls nicht einnehmen sollten Asthmatiker blutdrucksenkende Mittel (Beta-Blocker). Denn Beta-Blocker sind Gegenspieler der bronchienerweiternden Asthma-Medikamente (Beta-2-Sympathimimetika): Sie verengen die Bronchien und sollten daher von Asthmatikern nicht eingenommen werden.

Tabakrauch
Das Rauchen muss unbedingt aufgegeben werden. Dazu kann man wenn nötig auch professionelle Unterstützung (Raucherentwöhnungsprogramme) in Anspruch nehmen. Rauchen verschlimmert die Asthmabeschwerden, da es die entzündete Schleimhaut der Bronchien zusätzlich reizt und schädigt. Das kann sowohl die Häufigkeit, mit der Asthma auftritt, als auch den Schweregrad der Erkrankung steigern.

Dies gilt auch für Passivrauchen, denn auch Passivrauchen erhöht die Allergiebereitschaft! Asthmatiker sollten Räume, in denen geraucht wird, meiden. Insbesondere in Gegenwart von asthmakranken Kindern darf nicht geraucht werden (vor allem nicht in der Wohnung, im Auto und generell in Innenräumen).

Schadstoffe
Zu Hause oder am Arbeitsplatz können Dämpfe (z.B. Farb-Dämpfe oder Dünste von Haushaltsreinigern und -Sprays) und Geruchsstoffe (z.B. in Kosmetika) auftreten, die für Asthmatiker gefährlich sein können und gegebenenfalls vermieden werden müssen.

Luftverschmutzung
Luftschadstoffe und FeinstaubFeinstaub
Feinstaub gilt als giftig und kostet nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich zahlreichen  Europäern das Leben. Mit einer Größe von weniger als 10 µm können Feinstäube in der Luft schweben (sog. Schwebstäube) und vom Menschen eingeatmet werden, so dass die Feinstaubteilchen in die Lunge gelangen und über die Lungenbläschen (Alveolen) in den Körper übergehen können. So stoßen sie u.a. bis in die Leber vor.
 
 
reizen die Atemwege und können diese auch schädigen. Der Verdacht, dass sie als Auslöser von Asthma wirksam sind, hat sich zwar noch nicht bestätigt. Dennoch zeichnet sich ab, dass Kinder, die in der Nähe einer vielbefahrenen Straße wohnen, ein etwas erhöhtes Asthmarisiko haben.

Ozon
Asthmaanfälle und Beschwerden häufen sich in sommerlichen Ozonsmogphasen. Daher ist es insbesondere für diejenigen Asthmatiker wichtig, die empfindlich auf Ozon reagieren, die aktuellen Hinweise auf Ozonsmog (in Radio, Zeitung oder Internet - zum Beispiel auf der Webseite des Bundesumweltamtes) ernst zu nehmen und sich in solchen Phasen möglichst nicht im Freien aufzuhalten. Das dürfte vor allem für Kinder manchmal schwer zu verstehen sein, sollte aber zu ihrem Wohl konsequent durchgehalten werden.

Pollen
Verfolgen Sie die regionalen Pollenflugvorhersagen über Telefondienste und Radio oder im Interntet. So können Sie sich auf die hauptsächlichen Flugzeiten derjenigen Pollen, auf die Sie allergisch reagieren, mit praktischen Maßnahmen oder Medikamenten einstellen. Lüften Sie außerdem in der Stadt nur am frühen Morgen oder nachts, auf dem Land hingegen vorzugsweise am Abend - zu diesen Zeiten gelangen weniger Pollen in die Wohnung. Mittlerweile gibt es auch Pollenfilter für die Fenster, die mindestens 85% der Pollen abfangen. Und denken Sie daran, auch einen Pollenfilter in Ihr Auto einzubauen!

Insektenstiche
Asthmatiker, die überempfindlich auf Stiche von Insekten (z.B. Wespen oder Bienen) reagieren, sollten immer ein Notfallmedikament bei sich haben und eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) durchführen lassen - denn bei dieser Allergieform liegt die Erfolgsquote bei über 95%!

Klima
Da trockene Raumluft einen Reizfaktor für die Bronchien darstellt, sollte man auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit im Raum achten. Auch die klimatische Reizbarkeit unterscheidet sich individuell und sollte bei der Wahl des Urlaubsortes berücksichtigt werden. Generell sind im Hochgebirge und an der See weniger Allergene in der Luft enthalten. Bei Pollenallergie kann es hilfreich sein, den Urlaubsort nach dem zu erwartenden Pollenflug auszuwählen (wobei Meer und Hochgebirge besonders pollenarm sind).

Wetter
Schnelle und ausgeprägte Temperaturwechsel, besonders der Wechsel von Wärme zu Kälte (z.B. aus geheizten Räumen in die kalte Außenluft im Winter) oder Nebel (Kälte und Feuchtigkeit) können bei manchen Menschen Atembeschwerden bis hin zu Asthmaanfällen verursachen.

Erreger von Atemwegserkrankungen
Bakterien und Viren, die eine Entzündung der Bronchien oder der Lunge auslösen, aber auch ein gewöhnlicher Schnupfen verstärken bei vielen Asthmatikern die Beschwerden. Eine Impfung gegen PneumokokkenPneumokokken
Das sind kugelförmige Bakterien, die (im Gegensatz zu Legionellen) mit dem Antibiotikum Penicillin meistens gut in den Griff zu bekommen sind. Gegen die von Pneumokokken verursachte Lungenentzündung gibt es auch eine vorbeugende Impfung.
und Grippe ist daher bei vielen Asthmatikern sinnvoll und angebracht. Tritt dennoch eine bakterielle Entzündung der Nasennebenhöhlen oder eine von Bakterien verursachte Bronchitis ein, sollten frühzeitig und konsequent Antibiotika eingenommen werden.

Körperliche Belastung
Obwohl körperliche Anstrengung Asthma auslösen kann, ist es wichtig, dass Asthmapatienten Sport treiben. Bei vier von fünf Asthmatikern treten Beschwerden wie Kurzatmigkeit oder Husten während oder nach sportlicher Belastung auf. Um dennoch Sport treiben zu können, ist es wichtig vor dem Sport bronchienerweiternde Medikamente zu inhalieren sowie auf Warnsignale des Körpers zu hören und ggf. zu reagieren. Bei einer entsprechenden medizinischen Begleitung ist das gefahrlos möglich. In manchen Städten gibt es auch Sportgruppen, die speziell für Asthmapatienten angeboten werden (Lungensportgruppen). Geeignet sind Ausdauersportarten wie Walking, Radfahren, Dauerlaufen und vor allem Schwimmen. Da kalte und trockene Luft Anfälle begünstigen, ist Schwimmen eventuell vorzuziehen.

Psychische Belastung
Eine große Rolle bei Asthma spielen zweifellos auch psychische Faktoren: Sie beeinflussen, wie ein Patient seine Krankheit bewältigt und bestimmen damit auch das Ausmaß des Krankheitsgeschehens. Zeitdruck und Stress, Aufregung und Angst können zu Husten und Luftnot führen. Da sich Ärger und Anspannung nicht immer vermeiden lassen, ist das Erlernen spezieller Entspannungstechniken wie z.B. progressive Muskelentspannung nach Jakobson, autogenes Training und Yoga hilfreich.

Persönliches Dokument
Asthmatiker sollten ein Dokument bei sich tragen, aus dem hervorgeht, welche Erkrankung sie haben, welche Auslöser bekannt sind, welche Medikamente sie einnehmen müssen, wer zu informieren und was im Notfall zu tun ist.