LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

Immunologische Einteilung

© fotoliaxrender - Fotolia.com

Die Medizin unterscheidet vier Allergietypen - je nachdem welche immunologischen Reaktionen das AllergenAllergen
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
hervorruft. Immunreaktionen laufen meistens in mehreren, komplizierten Schritten ab, die über so genannte MediatorenMediatoren
Der Begriff stammt aus dem Lateinischen (mediator = Mittler). Mediatoren sind Biomoleküle, die auf bestimmte Reize hin freigesetzt werden und dann eine bestimmte biochemische Reaktion in die Wege leiten, indem sie auf umliegende Zellen einwirken. Man könnte sie auch als Vermittler einer Zellreaktion bezeichnen.
gesteuert werden. Die ersten drei Allergietypen werden über die Körperflüssigkeiten und darin enthaltene AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
u.a. Faktoren (humoral) vermittelt, der vierte Allergietyp läuft hingegen zellvermittelt (über T-ZellenT-Zellen
T-Lymphozyten oder T-Zellen kommen hauptsächlich in der Lymphflüssigkeit vor und reifen im Thymus (daher das T) heran. Sie sorgen (wie die B-Lymphozyten auch) für die Immunabwehr und sind sogenannte „immunkompetente Zellen", weil sie die Fähigkeit besitzen, diejenigen Fremdstoffe (bzw. deren Antigene), mit denen sie in Kontakt kommen, individuell zu erkennen und speziell zu bekämpfen.
) ab. Es treten aber auch Mischbilder auf.

  • Typ I: Die Allergie vom Soforttyp
  • Typ II: Die zytotoxische Reaktion
  • Typ III: Die Immunkomplexbildung
  • Typ IV: Die zelluläre Immunantwort

Typ I: Die Allergie vom Soforttyp

Zum Typ I gehören zum Beispiel allergischer Schnupfen (allergische Rhinitis), Nesselausschlag (Urtikaria) oder auch Asthma -Symptome, aber auch Pollenallergien, Insektengiftallergien, einige Arzneimittel-oder Nahrungsmittelallergien. Allergische Reaktionen vom Soforttyp zeigen häufig einen schweren Verlauf. Bei besonders starker Reaktion auf ein Allergen kann durch eine massive Histaminfreisetzung auch ein anaphylaktischer Schock ausgelöst werden.

Beim Allergietyp I bildet der Körper unmittelbar nach Kontakt mit einem bestimmten Allergen passende Antikörper der Gruppe Ig E (Immunglobulin EImmunglobulin E
Das sind Antikörper der Klasse E, die gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an bestimmte Antigene andocken können und dann durch eine Brückenbindung an so genannte Mastzellen zu einer Ausschüttung von Histamin führen (siehe auch Allergie vom Soforttyp, Allergietyp I). Dies verursacht eine Entzündungsreaktion. Erhöhte Ig E-Spiegel im Blut treten vor allem bei allergischen und parasitären Krankheiten auf. 
) - das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
ist nun gegen diese AntigeneAntigene
Antigene sind bestimmte Oberflächenstrukturmerkmale (chemische Moleküle), die für jeden Erreger und jede Substanz charakteristisch sind, vom körpereigenen Abwehrsystem (Immunsystem) als fremd („not self") erkannt werden und eine Abwehrreaktion (Immunreaktion) auslösen.
sensibilisiert. Beim nächsten Allergen-Kontakt gehen die IgE-Antikörper eine Verbindung ein mit den so genannten MastzellenMastzellen
Mastzellen sind basophile Granulozyten, die im Gewebe vorkommen und den allergieauslösenden Botenstoff Histamin in einer Speicherform (Granula) enthalten, den sie bei Kontakt mit einem Allergen freisetzen. Auf ihrer Oberfläche sind Antikörper (Immunglobuline der Klasse E) gebunden.
, die in Haut und Schleimhäuten vorkommen. Anschließend binden sie die Antigene an sich. Diese Brückenbindung (zwischen Mastzelle, Antikörper und Antigen) bewirkt, dass die Mastzellen den Entzündungs- Mediator Histamin ausschütten (Mastzellendegranulation). Das Histamin und weitere freigesetzte Substanzen verursachen die Allergie-typischen, unangenehmen Symptome: In unmittelbarer Umgebung sorgt das freigesetzte Histamin für eine Erweiterung der Gefäße, so dass diese durchlässiger werden. Blut strömt vermehrt heran, um Fremd- und Abfallstoffe abtransportieren zu können. Daher kommt es zu einer Rötung und Schwellung der Haut bzw. Schleimhaut. Folge der Entzündungsreaktion sind außerdem Juckreiz und in den Schleimhäuten eine vermehrte Schleimbildung.

Sehr typisch für diesen Allergietyp ist die Neurodermitis -Symptomatik mit geschwollener Nasenschleimhaut, vermehrter Bildung von Nasensekret und Tränenflüssigkeit, Niesen und Juckreiz in Nase und Augen sowie einer Schwellung der Augenlider. Bei einem atopischen EkzemEkzem
Auch Dermatitis genannt. Hierunter versteht man eine juckende, schuppende und teils nässende entzündliche Hautveränderung.
entwickeln sich infolge der Histamin-Ausschüttung Symptome an der Haut (Quaddelbildung Juckreiz und Rötung). Bläschenbildung, Nässen und die Vergrößerung der Ekzemherde sind hingegen Folge einer zusätzlichen zellvermittelten allergischen Reaktion). Bei Nahrungsmittelallergien wird durch Histamin und andere Mediatoren eine Entzündung der Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes ausgelöst. Die Folgen sind Juckreiz und Brennen im Mund, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Häufig tritt bei Nahrungsmittelallergien zusätzlich ein atopisches Ekzem (Neurodermitis) auf. Beim Asthma bronchiale findet die Typ-I-Reaktion in der Lunge statt: Es kommt zu einer vom Histamin verursachten Schwellung und übermäßigen Schleimbildung der Schleimhaut in den Atemwegen, die Bronchien verkrampfen und verengen sich, Atemnot stellt sich ein.

Typ II: Die zytotoxische Reaktion

Typ-II-Reaktionen sind selten. Ihre Folgen treten innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden auf. Ein Beispiel für eine Reaktion dieses Allergietyps ist die Zerstörung der roten Blutkörperchen nach einer Bluttransfusion mit einer unpassenden Blutgruppe. Weitere Auslöser für eine Typ II-Reaktion können Schmerzmittel, Antibiotika oder krampflösende Medikamente sein. Auch der Abstoßung von Organtransplantaten und einigen Auto-immunerkankungen (zum Beispiel Glomerulonephritis) liegen Reaktionen vom Typ II zugrunde.

Die Typ-II-Reaktion gehört ebenfalls zu den Immunsystem -vermittelten allergischen Reaktionen, wobei hier die Antikörpergruppen Ig G bzw. Ig M beteiligt sind. Diese werden auch bei nicht-allergischen Abwehrreaktionen des Organismus gegen Krankheitserreger gebildet. Bei der allergischen Typ-II-Reaktion bildet der Körper diese Antikörper allerdings gegen Antigene, die sich auf bestimmten körpereigenen Zellen oder Geweben befinden. Durch die Anbindung der Antikörper an diese Zellen werden größere Einheiten (Komplexe) gebildet, welche bestimmte Abwehrzellen (Fresszellen) anlocken. Fresszellen haben die Aufgabe, sich Eindringlinge einzuverleiben, zu verdauen und so zu beseitigen. Doch wegen der erheblichen Größe der entstandenen Komplexe können die Fresszellen ihre Aufgabe nicht erfüllen. Fatalerweise schicken sie daraufhin zusätzlich EnzymeEnzyme
Das sind (für den Stoffwechsel aller Lebewesen) unentbehrliche Eiweißkörper, die als Biokatalysatoren biochemische Vorgänge ermöglichen, sie beschleunigen und in eine gewünschte Richtung ablaufen lassen, ohne selbst dabei verändert zu werden. Es gibt eine große Anzahl verschiedener Enzyme, jedes ist für einen bestimmten Vorgang zuständig. Enzyme funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, das heißt jedes Enzym hat eine spezielle Eiweißstruktur, die es befähigt, den Stoff, dessen Reaktion es steuern soll, gezielt zu erkennen (Substratspezifität). So sind im Organismus gleichzeitig eine Vielfalt von unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen möglich. 
aus, welche die vermeintlichen Fremdlinge auflösen sollen. Da die Enzyme nun aber gegen körpereigene Zellen des Organismus wirksam werden, führt das zu weitreichenden Schädigungen, von denen auch umliegende, gesunde Gewebe betroffen sind.

Typ III: Die Immunkomplexbildung

Zum Typ III gehört zum Beispiel die als landwirtschaftliche Berufskrankheit anerkannte Farmerlunge und die Taubenzüchterlunge.

Allergische Reaktionen vom Typ III können bereits Stunden oder Tage, manchmal aber auch erst Monate nach der Allergen-Einwirkung auftreten. Wie beim Typ II kommt es unter bestimmten Bedingungen zu einem "Verkleben" von Allergenen und Antikörpern. Die Antigene sind im Fall des Typ III jedoch frei löslich und befinden sich nicht wie bei Typ II auf der Oberfläche von körpereigenen Zellen. Die bei der Bindung der Antikörper an die Antigene entstehenden größeren Einheiten werden Immunkomplexe genannt. Angelockte Abwehrzellen versuchen, die Komplexe mit Enzymen aufzulösen. Gelingt dies nicht, können sich diese Komplexe in Organen oder an Gelenken ablagern und dort Entzündungen hervorrufen. Neben Abwehrzellen werden auch Blutplättchen (ThrombozytenThrombozyten
Das sind bestimmte Blutzellen, die bei der Blutgerinnung eine wesentliche Rolle spielen.
) angelockt und gelangen über die gesteigerte Blutzufuhr durch die erweiterten Gefäßen vermehrt ins Entzündungsgebiet. Lagern sich die Blutplättchen an die Immunkomplexe an, bilden sich kleinste Blutgerinnsel (Mikrothromben), welche die kleinen Blutgefäße verstopfen können - was zum Absterben der von der Versorgung abgeschnittenen Gewebe führen, Funktionsstörungen und im schlimmsten Fall den Verlust des betreffenden Organs bedeuten kann.

Als Ursache kommen chronische Infektionen (zum Beispiel mit Streptokokken, bestimmten Parasiten oder Viren), Autoimmunprozesse (zum Beispiel systemischer Lupus erythematodes: SLE) sowie die Belastung mit bestimmten Umwelt- Allergenen (Schimmelpilze, Taubenantigene) in Betracht. Die Symptome sind vielfältig und davon abhängig, wo sich die Immunkomplexe ablagern, wobei sich an den betroffenen Organen oder Gewebetypen mehr oder minder schmerzhafte Funktionseinschränkungen entwickeln - bei der Taubenzüchter- oder Farmerlunge geschieht dies zum Beispiel in der Lunge.

Typ IV: Die zelluläre Immunantwort

Vom Typ IV, der auch Spättyp genannt wird, werden überwiegend Allergiesymptome auf der Haut ausgelöst, wie zum Beispiel bei der Nickel-Allergie. Kontaktallergien sind allgemein für einen Großteil der Fälle mit Berufsunfähigkeit verantwortlich.

Allergien dieses Typs können sich unbemerkt über Jahre entwickeln, dann aber plötzlich sehr heftige Immunreaktionen auslösen. Hierbei greifen T-LymphozytenLymphozyten
Diese Zellen sorgen für die Immunabwehr und sind sogenannte „immunkompetente Zellen“, weil sie die Fähigkeit besitzen, diejenigen Antigene, mit denen sie in Kontakt kommen, individuell zu erkennen und speziell zu bekämpfen. Man unterscheidet B- und T-Lymphozyten
 
gemeinsam mit Helferzellen eingedrungene Fremdkörper direkt an. Es handelt sich um eine zellvermittelte Reaktion. Antikörper wie das IgE spielen keine Rolle.

Stattdessen setzen die T-Lymphozyten in ihrem Abwehrkampf als Mediatoren so genannte Lymphokine ein, welche entzündungsfördernd wirken. Zusätzlich werden von angelockten Fresszellen zellschädigende Enzyme freigesetzt. All dies führt zwar letztendlich zu einer Beseitigung des körperfremden Stoffes (des Allergens), aber - sozusagen als Nebenwirkung - auch zu einer verstärkten und heftigen allergischen Reaktion.