LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

Akute Verschlechterung (Exazerbation)

Als Komplikationen können Atemwegsinfekte durch Viren oder Bakterien, Lungenentzündungen, PneumothoraxPneumothorax
Darunter versteht man eine krankhafte Luftansammlung im Brustkorb, genauer zwischen dem inneren Lungenfell (Pleura visceralis) und dem äußeren Lungenfell (Pleura parietalis), wo sich normalerweise keine Luft befinden sollte. Dies führt zu einem in sich Zusammensinken eines Lungenflügels (Kollaps) und dadurch zu einer unzureichenden Atemfunktion der Lunge.
  und Verschlechterungen eines bereits bestehenden Cor pulmonaleCor pulmonale
Der Begriff stammt aus dem Lateinischen (cor = Herz, pulmo = Lunge). Ein Cor pulmonale entwickelt sich auf Grund einer dauerhaften Erhöhung des Blutdrucks im Lungenkreislauf. Ursache sind chronische Lungenerkrankungen (zum Beispiel Lungenfibrose, Lungenemphysem, COPD). Um den Blutkreislauf dennoch aufrechtzuerhalten, muss das Herz folglich einen noch höheren Druck aufbauen. Dies führt zunächst kompensatorisch zu einer Stärkung der Muskulatur der rechten Herzkammer. In fortgeschrittenen Stadien kann die erforderliche Pumpleistung allerdings nicht mehr ausgeglichen werden, so dass sich eine verminderte Herzleistung (Rechtsherzinsuffizienz) als Ausdruck eines Cor pulmonale einstellt.
auftreten. Bestimmte (bronchienverengende) Medikamente, selten auch starke Luftverschmutzung können ebenfalls Auslöser sein. Die Folge ist eine plötzliche Verschlechterung mit zunehmenden Beschwerden (Atemnot, Husten, ggf. Auswurf mit starker, teilweise eitriger Schleimbildung), die eine Änderung der Behandlung erforderlich machen. In schweren Fällen treten Hechelatmung, Bewusstseinstrübung, beschleunigter oder unregelmäßiger Herzschlag und Sauerstoffmangel mit bläulicher Verfärbung der Lippen und Nagelbetten (ZyanoseZyanose
Bläuliche Verfärbung der Haut und Fingernägel infolge von akutem oder chronischem Sauerstoffmangel.
) auf.

Die Behandlung richtet sich nach dem jeweils vorliegenden Schweregrad der Verschlechterung. Dazu können die bereits genannten Medikamente miteinander kombiniert und in gesteigerten Dosen eingesetzt werden. Bei einer bakteriellen Superinfektion mit verfärbtem Auswurf ist die Verabreichung von Antibiotika und CortisonCortison
Dies ist ein Hormon, das der Körper in der Nebenniere auch selber herstellt. Es wird vor allem in Stresssituationen gebildet, reguliert aber auch das Immunsystem und kann überschießende Entzündungsreaktionen abschwächen. Cortison bewirkt ein Abschwellen der Bronchialschleimhaut, verringert die Schleimproduktion, hemmt die allergische Reaktion und vermindert die Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) der Bronchien. Während Cortisontabletten in Abhängigkeit von der Dauer der Einnahme und der Dosis schwere Nebenwirkungen haben können, ist die Inhalation moderner Cortisonsprays auch in der Langzeitanwendung unproblematisch, auch wenn immer wieder in den Medien das Gegenteil behauptet wird.
in Tablettenform wichtig. In schweren Fällen ist auch die Gabe von Sauerstoff und eine nicht-invasive Beatmung über eine Nasen- oder Gesichtsmaske erforderlich. Dagegen sollte eine invasive Beatmung mittels Tubus möglichst vermieden werden, da dadurch das Risiko einer zusätzlichen Verschlechterung (Exazerbation) stark ansteigt. Fall dennoch notwendig, muss die letztgenannte Therapie in einer Klinik durchgeführt werden - es sei denn, der Patient hat bereits ein Beatmungsgerät zu Hause. In manchen Fällen ist zur Entfernung übermäßigen Schleims eine bronchoskopische Bronchialtoilette erforderlich.

Auch wenn es zu einer bakteriellen Superinfektion  kommt, kann sich der Gesundheitszustand des Emphysem-Patienten so stark verschlechtern, dass er lebensbedrohlich wird. Daher sollte unbedingt ein Facharzt (Pneumologe) hinzugezogen werden. Die Wirkung von Antibiotika wird verstärkt, wenn kurzzeitig (für etwa 7 bis 10 Tage) hochdosiert entzündungshemmende Glucocorticosteroid-Tabletten eingenommen werden. Diese führen zu einem Abschwellen der Schleimhaut, so dass der ansteckende und Abfallstoffe enthaltende Schleim wieder besser abtransportiert werden kann.

Wenn sich der Auswurf während der Antibiotika-Behandlung nach 3 bis 4 Tagen nicht wieder entfärbt, hat das gewählte Antibiotikum offenbar keine Wirkung und sollte durch ein Kombinationspräparat (zum Beispiel ein Makrolid-Antibiotikum kombiniert mit Chinolon oder Amoxicillin kombiniert mit Clavulansäure) ersetzt werden. Falls ein Patient auch auf die zweite Antibiotika-Behandlung nicht anspricht, sollte man überlegen, den Patienten in eine Klinik einzuweisen.