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Therapie

Eine unkomplizierte Bronchitis heilt zumeist ohne Behandlung ab. Wichtig ist allerdings der Verzicht auf Tabakrauch und bei Fieber das Einhalten von Bettruhe. Ansonsten erfolgt die Behandlung je nachdem, welche Beschwerden vorliegen.

Hausmittel

Brustwickel oder Einreibungen lindern erfahrungsgemäß recht gut die Beschwerden. Warum, ist nicht genau bekannt. Wahrscheinlich beschleunigt die Zunahme der Körperwärme, die diese Mittel bewirken, die Bildung von Antikörpern und steigert damit die ImmunabwehrImmunabwehr
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
. Aus diesem Grund sollte bei ansonsten gesunden Menschen vorhandenes Fieber auch nicht gesenkt werden. Denn wenn sie die Fieberphase durchstehen, ist die Bronchitis aller Erfahrung nach viel schneller überstanden.

Zu empfehlen sind Dampfbäder oder Dampfsaunen, da der eingeatmete Wasserdampf ziemlich große Wärmemengen an die Schleimhaut der Atemwege bringt. Gerade am Anfang einer Erkrankung können manche Viren damit abgetötet werden. Ein Zusatz von Kamille sollte allerdings mit Vorsicht verwendet werden: Dieser mag zwar der Nase schmeicheln und wirkt in geringem Maß auch keimabtötend, kann aber in seltenen Fällen auch Allergien auslösen.

Hustenblocker

Husten hat den sinnvollen Zweck unsere Atemwege zu reinigen. Manchmal kann er aber zu heftig werden und schädigt dann durch häufige Attacken die Schleimhaut noch zusätzlich. Daher sind hustenstillende Mittel zum Beispiel bei einer schweren akuten Bronchitis sehr hilfreich, wenn der Husten überhand nimmt und sowieso unproduktiv (trocken, ohne Auswurf) ist.

Auch bei quälendem Reizhusten in der Nacht können Hustenblocker eingesetzt werden, um dem Patienten eine erholsame Nachtruhe zu ermöglichen. Diese sogenannten Antitussiva, wie etwa Codein, dämpfen das Hustenzentrum im Gehirn und unterdrücken dadurch den Hustenreiz. Sie sollten nicht länger als eine Woche verwendet werden, und auf jeden Fall nur so lange der Husten noch trocken und quälend ist. Sobald sich Schleim in den Bronchien gebildet hat und abgehustet werden kann, verliert auch der Husten meistens seinen quälenden Charakter.

Hustenlöser

Bei einer Bronchitis mit produktivem (eitrigem oder nicht-eitrigem) Husten werden oft Hustenlöser verschrieben. Selbst wenn ihre Wirksamkeit bisher nur in wenigen Studien wissenschaftlich nachgewiesen wurde, können Hustenlöser im individuellen Fall zweifellos hilfreich sein, indem sie die Reinigung der Atemwege beschleunigen. In der Praxis muss man oft verschiedene Substanzen ausprobieren, um herauszufinden, welche hilft.

Die sogenannten Sekretolytika oder Mukolytika (wie etwa N-Acetylcystein oder Ambroxol) verflüssigen den Schleim, so dass er leichter abgehustet werden kann. Sogenannte Sekretomotorika (zum Beispiel ätherische Öle aus Thymian, Menthol oder Efeu und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme durch reichliches Trinken) können außerdem den Abtransport des Schleims fördern. Grundsätzlich sollten hustenlösende (chemische und pflanzliche) Präparate nur in Tablettenform eingenommen werden. Das Inhalieren dieser Medikamente kann hingegen die Schleimhäute reizen und - bei Patienten mit bronchialer Überempfindlichkeit -Asthmaanfälle auslösen.

Inhalationstherapie

Das Inhalieren von neutralen Inhalationslösungen ist bei einer akuten Bronchitis zwar nicht zwingend erforderlich, kann aber aufgrund der schleimlösenden Wirkung Beschwerden deutlich lindern. Zu empfehlen ist eine physiologische Kochsalzlösung oder Emser Salz Fertiginhalat, wobei letzteres zusätzlich noch den Vorteil hat, den Abtransport von Schleim über die Flimmerhärchen (bronchiale Clearance) zu beschleunigen.

Antibiotika

Gegen eine bakterielle Superinfektion (s.a. "Krankheitsbild & Verlauf") werden Antibiotika (Tetracycline oder Cephalosporin-Tabletten) eingesetzt. Spätestens wenn das Sputum (der ausgespuckte Husten-Auswurf) länger als 10 bis 14 Tage durch Eiter gelblich oder grünlich verfärbt ist, sollte auf jeden Fall ein Antibiotikum verordnet werden. Gegen eine Infektion mit Erregern von Haemophilus influenzae, die nicht selten eine Virus-Grippe komplizieren, ist auch Co-trimoxazol mitunter recht gut wirksam, obgleich es von den Fachgesellschaften nicht mehr offiziell empfohlen wird.

Die Wirkung von Antibiotika wird verstärkt, wenn kurzzeitig (für etwa 7 bis 10 Tage) entzündungshemmende Steroid-Tabletten eingenommen werden. Dieses gilt insbesondere dann, wenn eine Verengung der Bronchien (Obstruktion) hinzukommt. Diese führen zu einem Abschwellen der Schleimhaut, so dass der ansteckende und Abfallstoffe enthaltende Schleim wieder besser abtransportiert werden kann. Wenn sich der Auswurf während der Antibiotika-Behandlung nach 3 bis 4 Tagen nicht wieder entfärbt, hat das gewählte Antibiotikum offenbar keine Wirkung und sollte durch ein Kombinationspräperat (zum Beispiel ein Makrolid-Antibiotikum kombiniert mit Chinolon oder Amoxicillin kombiniert mit Clavulansäure) ersetzt werden. Das gilt vor allem bei Risikopatienten. Dazu zählen: Patienten ab dem 65. Lebensjahr, und Patienten mit chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel einer chronisch obstruktiven Bronchitis  mit deutlicher Einschränkung der LungenfunktionLungenfunktion
oder mit einer MukoviszidoseMukoviszidose
Bei der Erbkrankheit Mukosviszidose, an der in Deutschland rund 8.000 Menschen leiden, führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass der Salz- und Wassertransport der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen verändert ist und dadurch ein abnormal zähflüssiger Schleim in Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gebildet wird, der die Bronchien und Verdauungswege verstopft. Atemnot, chronischer Husten, aber auch eine gestörte Verdauung und Infektanfälligkeit sind die Folgen. 
 
. Falls ein Patient auch auf die zweite Antibiotika-Behandlung nicht anspricht, sollte unbedingt ein Facharzt (Pneumologe) eingeschaltet werden, der neben einer Röntgenaufnahme und einer Lungenfunktionsprüfung eventuell auch eine Bronchoskopie mit Keimbestimmung veranlassen wird.