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Krankheitsbilder

Silikose

In der Regel vergeht oft eine lange LatenzzeitLatenzzeit
Sie bezeichnet den Zeitraum, der zwischen dem Beginn der Belastung mit einem Schadstoff und dem ersten Auftreten krank¬heitsbe¬dingter Beschwerden liegt. Die Latenzzeit kann bei Asbestose zwischen 10 und 40 Jahren liegen, im Mittel beträgt sie 17 Jahre. Für Tumor-Erkrankungen, die durch Asbest verursacht werden, fällt sie in der Regel noch wesentlich länger aus.
von 10-30 Jahren nach der ersten Belastung mit silikogenen Stäube Stäuben, bis eine Silikose entdeckt wird. Diese Verlaufsform wird auch als chronische Silikose bezeichnet. Dabei kann die Erkrankung über Jahrzehnte symptomfrei verlaufen und tritt nicht selten erst lange nach Beendigung der Staubbelastung in Erscheinung. Bis dahin können auch die Auskultations- und Lungenfunktionsbefunde ganz normal aussehen.

Auftretende Atemwegsbeschwerden (wie Husten mit oder ohne Auswurf) sind uncharakteristisch und vor allem schwer gegenüber einer chronisch-obstruktiven Bronchitis (COPD) bei Nikotinabusus abzugrenzen. Gelegentlich werden Brustschmerzen, in fortgeschrittenen Fällen regelmäßig Atemnot bei körperlicher Anstrengung, angegeben.

Besondere Verlaufsformen der Silkose
Generell ist die Gefahr einer Silikose umso größer,

  • je höher die Staubkonzentration in der Atemluft,
  • je größer der Anteil der alveolargängigen StaubfraktionStaubfraktion
    Je nach Größe und Form der Staubteilchen werden die folgenden wichtigen Staubpartikel-Fraktionen unterschieden: (1) Einatembarer Anteil (früher „Gesamtstaub“) (2) Thoraxgängiger Anteil: Staubteilchen mit einem aerodynamischen Durchmesser <10 theta-meter, die in den Brustkorb (Thorax) gelangen (3) Alveolengängiger Anteil (früher „Feinstaub“) mit einem aerodynamischen Durchmesser < 5 theta-meter, der bis in die Lungenbläschen (Alveolen) vordringt. 
    ,
  • je größer der Gehalt an kristallinem SiO2 (Kieselsäure) und
  • je länger die Belastungsdauer ausfällt.

Hieraus können sich zwei besondere Verlaufsformen einer Silikose ergeben:

Beschleunigte (akzelerierte) Silikose
Es handelt sich um eine weniger häufige Verlaufsform, die sich infolge einer recht hohen inhalativen Belastung mit silikogenen Stäuben in einem Zeitraum von 4-9 Jahren nach der ersten Belastung bemerkbar macht. Dabei ist das Risiko für die Entwicklung von Komplikationen und einer schweren, fortschreitenden   Lungenfibrose (progressive massive Fibrose = PMF) deutlich erhöht. 

Akute Silikose
Diese seltene Verlaufsform entwickelt sich nach wenigen Wochen oder Jahren bei einer Belastung mit großen Mengen an alveolargängigen, silikogenen Stäube . Aufgrund der wesentlich verbesserten Arbeitsschutzmaßnahmen kommt die Erkrankung heute in Deutschland nicht mehr vor.

Andere durch Quarzstaub bedingte Erkrankungen

Anthrakosilikose
Diese Erkrankung ist eine Sonderform der Silikose bei Bergleuten, die durch quarzhaltigen Kohlengrubenstaub hervorgerufen wird. Durch die zahlenmäßig überwiegenden Kohlepartikel erscheint die Lunge bei der makroskopischen Untersuchung schwarz. (Häufig auftretende Bezeichnungen mit synonymer Bedeutung: coal workers, pneumoconiosis.)

Silikotuberkulose
Menschen, die unter einer Silikose leiden,  haben ein erhöhtes Risiko, zusätzlich an einer Tuberkulose zu erkranken. Dieses Krankheitsbild wird als Silikotuberkulose bezeichnet. Die dabei auftretenden Beschwerden unterscheiden sich meist kaum von denen der Silikose.

Caplan-Syndrom
Eine Silikose begünstigt offenbar auch die Entwicklung von Gelenkrheuma. Liegen beide Erkrankungen vor, bezeichnet man das als Caplan-Syndrom. Typischerweise sind dann auf der Rönt¬genaufnahme des Brustkorbs (Thorax) neben den typischen Silikoseknötchen so genannte Rheumaknoten nachweisbar.

LungenkrebsLungenkrebs
Das ist der im Brustkorb gelegene Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, in dem die Brusteingeweide untergebracht sind - also das Herz, zugehörige Nerven, Gefäße und Lymphknoten. Die Pleuren (Rippen- und Lungenfell), welche die beiden Brustfellhöhlen mit den Lungenflügeln auskleiden, bilden eine Trennwand zwischen Mediastinum und Lunge. Nach vorne und hinten wird dieser Raum vom Brustbein und der Brustwirbelsäule begrenzt, von oben und unten erstreckt er sich etwa ab Höhe des Schlüsselbeins bis hinunter zum Zwerchfell. 

Eingeatmeter Quarzstaub erhöht gering das Risiko an einem Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) zu erkranken. In solchen Fällen kann unter bestimmten Voraussetzungen eine entschädigungsplichtige Berufskrankheit vorliegen.

Asbestose

Eine Asbestose entsteht in der Regel erst nach langjähriger Belastung mit Asbeststaub. Die   Latenzzeit der Asbestose liegt zwischen 10 und 40 Jahren, im Mittel bei 17 Jahren. Meistens wird die Erkrankung erst 20 bis 30 Jahre nach Beginn der Belastung diagnostiziert. Diese Latenzzeit ist abhängig von der Dauer und dem Ausmaß der Asbestbelastung, das heißt sie verkürzt sich, je größer die Belastung mit Asbest gewesen ist.

Im Frühstadium der Erkrankung bemerken die Patienten eine langsam aber stetig zunehmende Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung (so genannte Belastungsdyspnoe), gelegentlich trockenen Husten und Schmerzen im Brustbereich. Husten mit Auswurf (ein so genannter produktiver Husten) ist weniger typisch und ist dann oft auf langjährigen Zigarettenkonsum bzw. eine beginnende COPD zurückzuführen. Ursache der Atembeschwerden bei der Asbestose ist eine fortschreitende Lungenfibrose.

Bei der körperlichen Untersuchung ist durch Abklopfen und Abhören (Auskultation ) über beiden Lungen ein feines Knisterrasseln nachweisbar. Dieser Befund ist kennzeichnend sowohl für eine Asbestose, als auch für eine Lungenfibrose, bei einer Silikose hingegen im Allgemeinen nicht nachweisbar. In fortgeschrittenen Erkrankungsfällen kommt es schon bei geringer körperlicher Anstren¬gung (zum Beispiel beim Ankleiden oder Sprechen) oder sogar in Ruhe zu Kurzatmigkeit. Dann treten häufig auch UhrglasnägelUhrglasnägel
Große, gewölbte Fingernägel in Folge eines chronischen Sauerstoffmangels.
und TrommelschlegelfingerTrommelschlegelfinger
Enden der Finger sind rundlich aufgetrieben, Fingerkuppen (Weichteile) sind verdickt in Folge eines chronischen Sauerstoffmangels.
als Folge des chronischen Sauerstoffmangels (ZyanoseZyanose
Bläuliche Verfärbung der Haut und Fingernägel infolge von akutem oder chronischem Sauerstoffmangel.
) auf.

Andere durch Asbest verursachte Erkrankungen

Bösartige Lungen- und Kehlkopftumoren (Karzinome)
Die inhalierten Asbestfasern erhöhen das Risiko, an bösartigem Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) zu erkranken. Im Vergleich zur nicht-rauchenden und nicht mit Asbest belasteten Bevölkerung haben Nichtraucher mit Asbestbelastung ein bis zu 6-fach erhöhtes Risiko, an einem Bronchialkarzinom zu erkranken, hingen Raucher ohne Asbestbelastung ein bis zu 11-fach und Raucher mit Asbestbelastung ein bis zu 59-fach erhöhtes relatives Risiko. Eine gleichzeitige Belastung mit Asbeststaub und Zigarettenrauch ist also besonders riskant und gesundheitschädigend.

Auch Kehlkopfkrebs kann durch Asbest verursacht werden. Die Erkrankung beginnt mit Heiserkeit, Schluckbeschwerden und einem Fremdkörpergefühl im Kehlkopfbereich. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es außerdem zu Luftnot und Halslymphknotenschwellungen. Beide Erkrankungen sind unter bestimmten Voraussetzungen als entschädigungspflichtige Berufskrankheit (BK Nr. 4104) anerkennungsfähig.

Bösartige Tumoren des Brustfells, Bauchfells und Herzbeutels (PleuraPleura
Die Lunge wird von den so genannten Pleuren (Lateinisch: Pleura), einer Doppelhaut (auch Brustfell genannt) umgeben. Die äußere Lage des Brustfells nennt man Rippenfell, sie kleidet die Innenfläche des Brustkorbs aus. Die innere Lage des Brustfells, das sogenannte Lungenfell, überzieht die Lungenoberfläche. Beide Häute – Rippen- und Lungenfell - sind glatt und feucht und können daher fast reibungslos gegeneinander gleiten. Der dünne Spalt zwischen ihnen (Pleuraspalt) ist mit etwas Flüssigkeit gefüllt, Luft ist hingegen keine enthalten. Deshalb haften die beiden Häute bei allen Atembewegungen wie zwei feuchte, aufeinander gelegte Glasplatten aneinander. Wegen dieses Flüssigkeitsfilmes kann sich die Lunge nicht von der Brustkorbwand ablösen, sondern gleitet bei allen Bewegungen an ihr entlang. Entsprechend ermöglichen die Pleuren (Rippen- und Lungenfell), dass die Lunge einerseits jede Bewegung des Brustkorbs mitmachen kann, andererseits aber auch Lunge und Brustkorb sich gegeneinander bewegen können - was notwendig ist, damit die Atembewegungen uneingeschränkt ablaufen können.
-, Peritoneal- und Perikard-Mesotheliome)
Pleuramesotheliome  sind besonders bösartige Tumoren. Durch Asbest verursachte Mesotheliome treten meist im Brustfell auf. Charakteristische Anzeichen sind immer wiederkehrende  PleuraergüssePleuraergüsse
Angesammelte Zell- und Gewebsflüssigkeiten ergießen sich in den Pleuraspalt zwischen Rippen- und Lungenfell, was die Lungenfunktion beeinträchtigt und damit das Atmen stark erschwert. 
Es kommt also zu einer abnormen Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb zwischen Lunge und Rippen. Der Begriff „Wasser in der Lunge“ ist somit nicht korrekt, es handelt sich vielmehr um eine Flüssigkeit, die sich „um die Lunge herum“ angesammelt hat.
 
 
, Schmerzen im Brustkorb und Husten. Außerdem treten, die für Tumoren typischen Allgemeinbeschwerden (so genannte B-Symptomatik) auf: Nachtschweiß, starke Gewichtsabnahme und Fieber (< 38?C).

Weitere Staublungenkrankheiten

Es gibt auch Pneumokoniosen, die nicht durch Quarz oder Asbest, sondern durch   Aerosole mit anderen anorganischen Staubpartikeln verursacht werden. Hinsichtlich ihrer Häufigkeit und ihres Schweregrads kommt dieser Gruppe von Erkrankungen aber eine deutlich geringere Bedeutung zu. In Einzelfällen, vor allem bei außergewöhnlich langer und starker Belastung, wie sie fast ausschließlich im beruflichen Umfeld vorkommt, können sie allerdings ebenfalls sehr schwere Lungenerkrankungen hervorrufen. Als Beispiel seien zwei anerkennungsfähige Berufskrankheiten aufgeführt: die Berylliose (BK Nr. 1110) und die Hartmetallfibrose (BK Nr. 4107):

Die Berylliose wird durch das Einatmen von Beryllium-Stäuben und -Dämpfen hervorgerufen. Beryllium ist ein Leichtmetall, das in der Nuklear- und Raumfahrtindustrie eingesetzt wird (früher auch in dentalen Werkstoffen). Beryllium ruft bei chronischer Belastung geschwulstähnliche (so genannte diffuse, granulomatöse) Lungenveränderungen hervor, die feingeweblich, röntgenologisch und klinisch große Ähnlichkeit mit der Sarkoidose aufweisen. Nach Belastung mit großen Staub-Mengen (zum Beispiel bei Unfällen) kann sich eine Beryllium-Pneumonie entwickeln. Beryllium ist kanzerogen und kann Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) verursachen. Laborchemisch kann zum Nachweis der  LymphozytentransformationstestLymphozytentransformationstest
Der Lymphozytentransformationstest (LTT) ist ein Allergietest, der mit Patientenblut durchgeführt wird. Da die Testung also nicht direkt am Patienten erfolgt, wird er auch zu den so genannten in-vitro-Allergietests gezählt. Für den Test werden Lymphozyten verwendet. Sie sind wichtige Zellen für Abwehrreaktionen des Körpers gegen Antigene. T- Zellen, die sich mit einem Antigen auseinandergesetzt haben, das heißt sensibilisiert sind, merken sich dies, um bei einem erneuten Kontakt effektiver (durch rasche Reifung und Zellteilung) zum Einsatz kommen zu können. Diese "Transformation" geht notwendigerweise mit einer Verdopplung des Erbguts der Zelle (DNA) einher, wozu die Zellen u.a. den DNA-Baustein Thymidin benötigen. Das Grundprinzip des LTT besteht nun darin, dass die Lymphozyten mit dem zu testenden Antigen in Verbindung gebracht werden und dann nachgewiesen wird, wie viel radioaktiv markiertes Thymidin die Zellen aufgenommen haben – was das Ausmaß der Stimulation der Lymphozyten im Sinne einer Allergiebereitschaft gegenüber der Testsubstanz anzeigt. 
eingesetzt werden.

Die Hartmetallfibrose wird durch das Einatmen von Metallstäuben bei der Herstellung oder Verarbeitung von Hartmetallen verursacht. Als Gefahrenquelle gilt neben der Herstellung vor allem die Bearbeitung von Hartmetallwerkzeugen (durch Schleifen, Bohren, Sägen etc.). Auslöser sind Stäube, Rauche und Dämpfe von  Karbiden . Das Krankheitsbild entspricht klinisch, röntgenologisch und lungenfunktionsanalytisch dem einer  Lungenfibrose . Die oben genannten Elemente können qualitativ durch RöntgenmikroanalyseRöntgenmikroanalyse
Das ist eine elektronenmikroskopische Untersuchung zur qualitativen Analyse, bei der die von den Staubpartikeln der Gewebeprobe ausgesendeten Röntgenstrahlen spektral zerlegt werden und somit Informationen über deren stoffliche Zusammensetzung liefern. Jedes chemische Element in den Staubablagerungen weist nämlich charakteristische Röntgenlinien auf, an Hand derer es identifiziert werden kann.
der Staubpartikel im Lungengewebe oder durchnBronchoalveoläre Lavage (BALBAL
Der Begriff "Bronchoalveoläre Lavage" stammt aus dem Französischen (lavage = Wäsche) und bezeichnet ein im Rahmen einer Bronchoskopie eingesetztes Verfahren. Dabei werden ca. 20 ml 0,9%ige Kochsalzlösung tropfenweise in die Bronchien eingebracht, um Zellen abzulösen, die dann durch ein Bronchoskop wieder abgesaugt werden. Die abgesaugte Lösung kann daraufhin im Labor und mikroskopisch auf bestimmte „Marker“ hin untersucht werden - um beispielsweise das Vorliegen eines Bronchialkarzinoms nachzuweisen.
Es sich um ein komplikationsarmes Untersuchungsverfahren zur Untersuchung randständiger (peripherer) Lungenabschnitte im Rahmen einer Fiberglasbronchoskopie, häufig zusammen mit einer transbronchialen Lungenbiopsie. I.a. wird ein Lungensubsegment mit 100-300 ml Kochsalzlösung gespült. Die Spülflüssigkeit wird lichtmikroskopisch untersucht und färberisch sowie mit immunologischen Methoden (Lymphozytensubpopulationen) weiter aufgearbeitet. Ergänzend können eingeatmete Fremdkörperpartikel (z.B. Asbestfasern, Kohlestaub) nachgewiesen und bakteriologische Untersuchungen durchgeführt werden. Die Methode hat auch eine große differentialdiagnostische Bedeutung bei allen interstitiellen Lungenkrankheiten, dient also zur Erkennung und Abgrenzung von einander ähnlichen Krankheiten.
 
 
 
) in der Lungenspülflüssigkeit nachgewiesen werden.