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Krankheitsbild

Grundsätzlich ist die COPD eine schwere, fortschreitende Lungenerkrankung. Atemnot tritt zunächst nur bei körperlicher Belastung, in fortgeschrittenen Stadien aber auch in Ruhe auf. Doch COPD ist nicht nur eine Lungenkrankheit - in fortgeschrittenen Stadien treten noch weitere Beschwerden auf, die darauf hinweisen, dass es sich bei COPD um eine so genannte Systemerkrankung handelt, die viele verschiedene Organe des Körpers betreffen kann. Ein vorrangiges Kennzeichen ist der zunehmende Leistungsverfall bei schnellem Gewichtsverlust (so genanntes „COPD-wasting“ – innerhalb von wenigen Wochen kann sich das Gewicht um mehrere kg verringern!). Zu den Beschwerden gehören auch Veränderungen der Muskelmasse und der Knochendichte sowie psychische Probleme. Unter Angst und Depression leiden 40-70% der Betroffenen. In schweren Fällen kommt es auch zu Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems. Das so genannte Cor pulmonaleCor pulmonale
Der Begriff stammt aus dem Lateinischen (cor = Herz, pulmo = Lunge). Ein Cor pulmonale entwickelt sich auf Grund einer dauerhaften Erhöhung des Blutdrucks im Lungenkreislauf. Ursache sind chronische Lungenerkrankungen (zum Beispiel Lungenfibrose, Lungenemphysem, COPD). Um den Blutkreislauf dennoch aufrechtzuerhalten, muss das Herz folglich einen noch höheren Druck aufbauen. Dies führt zunächst kompensatorisch zu einer Stärkung der Muskulatur der rechten Herzkammer. In fortgeschrittenen Stadien kann die erforderliche Pumpleistung allerdings nicht mehr ausgeglichen werden, so dass sich eine verminderte Herzleistung (Rechtsherzinsuffizienz) als Ausdruck eines Cor pulmonale einstellt.
entsteht durch akute oder chronische Drucksteigerungen im Lungenkreislauf infolge der Sauerstoffarmut (Hypoxämie). Auch ÖdemeÖdeme
Ein Ödem ist eine schmerzlose, nicht gerötete Schwellung der Haut durch Flüssigkeitsansammlung.
in den Beinen können sich aufgrund einer Überlastung der rechten Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz) bilden.

Mangel- bzw. Fehlernährung tritt in 20-60% der COPD-Fälle auf und kann auch bei Normalgewicht vorliegen. Sie macht beim ausgezehrten Pink Puffer einen spezielle Ernährungstherapie erforderlich, beim übergewichtigen Blue Bloater ist hingegen eine Gewichtsabnahme notwendig. Mangelernährung setzt außerdem die Abwehrkraft der Lunge herab – die Fresszellen in den Lungenbläschen (die so genannten AlveolarmakrophagenAlveolarmakrophagen
Fresszellen des Immunsystems, die in den Lungenbläschen (Alveolen) vielerlei Funktionen erfüllen, zum Beispiel die Reinigung der Lunge, indem sie sich Fremdpartikel (Erreger, Staub, Ruß etc.) einverleiben. Sie sind u.a. aber auch an Entzündungs- und Überempfindlichkeitsreaktionen beteiligt.
, die normalerweise eingedrungene Fremdstoffe „verdauen“) sind dann weniger aktiv, wie Untersuchungen gezeigt haben.

Neben einem Verlust an Muskelmasse kommt es im Rahmen der sich über den Körper ausbreitenden (systemischen) Entzündungen auch zu Veränderungen der Muskelstruktur mit erheblichem Funktionsverlust. Patienten mit einem Lungenemphysem zeigen im Vergleich zu Betroffenen mit chronisch-obstruktiver Bronchitis sehr viel deutlichere Einbußen an Muskelmasse. Dies erklärt, warum nicht nur Atemnot, sondern auch eine Erschöpfung der Muskelkraft die körperliche Leistungsfähigkeit der Betroffenen einschränkt, wobei körperliche Schonung bzw. Bewegungsmangel diesen Leistungsabfall zusätzlich vorantreibt und außerdem die Entwicklung einer Osteoporose (Abnahme der Knochendichte) stark fördert - übrigens deutlich stärker als zum Beispiel eine Cortisontherapie. Auch bestimmte Hormone (Testosteron und Wachstumshormon) werden bei COPD weniger gebildet, was sich ebenfalls auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirkt und eine Ursache für depressive Verstimmungen sein kann.