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Therapie von Lungeninfektionen mit Makrophagen

Bakterielle Lungenentzündungen lassen sich mit Fresszellen (Makrophagen) therapieren, wenn diese direkt an den Ort der Infektion gebracht werden. Das erspart den Einsatz von Antibiotika.

© Juan Gaertner_Fotolia.com

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Bakterielle Lungenentzündungen mit Fresszellen, die auch in der Lungen  vorkommen (Makrophagen), zu therapieren – das ist das Ziel des Teams um Prof. Dr. Nico Lachmann, Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Exzellenzcluster RESIST. Die Europäische Union (EU) hat sein Projekt „iMAClung“, mit dem er die nächsten Schritte in Richtung Anwendung der Immunzelltherapie geht, nun mit einem „ERC Proof-of-Concept Grant“ ausgezeichnet.
Bakterielle Lungenentzündungen werden bisher vor allem mit Antibiotika behandelt, die den Nachteil haben, dass sie den gesamten Körper beeinflussen. Darüber hinaus gibt es Krankheitserreger, die Resistenzen aufweisen und daher nur eingeschränkt behandelt werden können. Um nun neue Wege zu gehen, sollen sog. Makrophagen direkt in die Lunge gegeben werden und dort therapeutisch wirken.

Makrophagen können als Teil des Immunsystems Krankheitserreger beseitigen - man nennt sie daher auch Fresszellen. Sie gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind normalerweise auch in der Lunge vorhanden. Funktionieren die Makrophagen nicht oder nicht ausreichend, sind schwere Infektionen die Folge, die sogar tödlich enden können. Hier soll die Therapie mit gesunden Makrophagen helfen, die das Team von Prof. Lachmann im Labor aus Stammzellen (sog. induzierte pluripotente Stammzellen = iPS-Zellen) herstellt.

Die Fresszellen sollen, anders als Antibiotika oder andere Therapieverfahren, direkt an den Ort der Infektion gebracht werden, um somit effektiv zu wirken. Das nun von der EU geförderte Projekt „iMAClung“ dreht sich darum, ob die Bronchoskopie – eine Methode, bei der eine Sonde über den Rachenraum in die Luftröhre eingeführt wird – geeignet ist, um die gesunden Makrophagen in die Lunge zu bringen. Bleiben die Zellen dort, wo sie wirken sollen? Lösen sie unerwünschte Reaktionen aus und wenn ja, welche? Diese Fragen gilt es zu klären. Um solche Fragen der Sicherheit und Machbarkeit zu beantworten, nutzt das Team spezielles Lungengewebe, welches sich nicht für eine Transplantation eignet. In einem interdisziplinären Team unterschiedlicher Abteilungen der MHH verwenden die Forschenden das Organ Care System (OCS) der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (HTTG) – ein mobiles Gerät, in dem Lungengewebe körperwarm transportiert, von Blut durchflossen und mit Sauerstoff sowie Nährstoffen versorgt wird. Mit diesem Verfahren kann nun erstmals diese neue Immuntherapie nah am Menschen auf ihre Machbarkeit untersucht werden.

Die mit iPS-Technologie hergestellten Makrophagen erlauben neuste Einblicke in der Infektionsmedizin, welche auch andere Arbeitsgruppen nutzen. Dazu gehören auch Teams des Exzellenzclusters RESIST, die virale Infektionen erkunden – beispielsweise die von Prof. Dr. Abel Viejo-Borbolla, Prof. Dr. Thomas Werfel, Prof. Dr. Ulrich Kalinke und Prof. Dr. Dorothee Viemann.

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover