Viele Menschen in Deutschland haben – ohne es zu wissen - eine so genannte Schlafapnoe . Das ist eine Neigung zum Verschluss der Atemwege im Schlaf, die zu wiederholtem Atemstillstand führt. Darauf weist der Berufsverband der Pneumologen (BdP) hin. „Betroffene leiden unter übermäßiger Tagesmüdigkeit und sind häufig unkonzentriert, was ihre Leistungsfähigkeit stark einschränkt“, erläutert Dr. Thomas Hering, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BdP und niedergelassener Facharzt für Lungen-, Bronchialheilkunde und Allergologie in der Lungenarztpraxis Berlin-Tegel. „Ihre Atmung während des nächtlichen Schlafs ist nicht nur deutlich erschwert, sondern setzt sogar mehrfach und längerfristig aus – und zwar laut Definition mindestens 5 mal innerhalb einer Stunde für mehr als 10 Sekunden. Dabei wechseln sich Phasen mit heftigem Luftschnappen und lautem Schnarchen mit stillen Atempausen ab. Das bei der Schlafapnoe auftretende Schnarchen kann in manchen Fällen eine Lautstärke von bis zu 90 Dezibel erreichen, was in etwa der Lautstärke eines Presslufthammers entspricht.“
Atemaussetzer führen zu gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen
Jede länger anhaltende Atempause erzwingt physiologisch eine Weckreaktion, die dem Schlafenden aber meist gar nicht bewusst wird. Daher wird der Schlaf der Betroffenen oft unterbrochen und ist stark gestört und damit nicht hinreichend erholsam. Die Atmungsunterbrechnungen haben darüber hinaus ernsthafte gesundheitliche Auswirkungen: Vor allem die unzureichende Sauerstoffversorgung gefährdet die Kranken. „Die nächtlichen Atemaussetzer während des Schlafs können auch zu Herzinfarkt oder Schlaganfall und sogar zum Tod führen“, erklärt Hering. „So ist die Sterblichkeit von Schlafapnoe-Patienten gegenüber gleichaltrigen Gesunden viermal höher. Gleichzeitig ist ihre Lebenserwartung um etwa 10 Jahre verringert, falls die Erkrankung unbehandelt bleibt. Das Schlafapnoe-Syndrom ist also eine ernst zu nehmende Krankheit und sollte unbedingt fachärztlich therapiert werden.“ Etwa 2 bis 3% der erwachsenen Deutschen leidet an dieser Erkrankung. Auch nimmt mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit zu, eine Schlafapnoe zu bekommen „Das betrifft vor allem Männer, wobei allerdings den wenigsten überhaupt bewusst ist, dass sie eine Schlafapnoe haben, zumal sie subjektiv oft meinen, sie würden gar nicht schnarchen, hätten keine Schlafprobleme und seien tagsüber auch nicht übermäßig schläfrig“, warnt Hering.
Atemwegstherapie kann Leiden lindern
Vor allem wenn bereits Begleiterkrankungen aufgetreten sind, sollte eine Atemtherapie eingeleitet werden. „Die effektivste Methode ist dabei eine Atemwegsüberdruckbehandlung, die so genannte CPAP -Therapie“, betont Hering. „Für mindestens 70% der Patienten kann dadurch die Lebensqualität deutlich verbessert werden: Sie fühlen sich beim morgendlichen Aufwachen frisch und ausgeschlafen und neigen auch tagsüber weniger zu Schläfrigkeit. In einigen Fällen können auch operative Eingriffe Abhilfe schaffen. Bei leichteren Fällen kann eine sogenannte „Schnarchschiene“, die nachts im Mund getragen wird, helfen: Durch eine Vorverlagerung des Unterkiefers und der Zunge kann der Luftweg besser offen gehalten werden. Auch eine ergänzende Behandlung mit Sauerstoff ist möglich, wird aber eher bei gleichzeitig bestehenden Lungengewebsschäden eingesetzt.“
Online-Test zur Einschätzung des persönlichen Risikos
Einen Online-Test zur Einschätzung Ihrer persönlichen Tagesmüdigkeit und damit Ihres Risikos, unter einer Schlafapnoe zu leiden, können Sie hier machen.