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Die COPD betrifft den ganzen Körper: Bei der COPD bestehen nicht nur Veränderungen der Lunge, sondern u.a. auch des Stoffwechsels, der Muskeln und der Knochen sowie des Herz-Kreislaufsystems. In einer wissenschaftlichen Studie mit über 6.000 Patienten mit leichter bis mäßiger COPD starben mehr Patienten an Herz-Kreislauferkrankungen (insbesondere Herzinfarkte und SchlaganfälleSchlaganfälle
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
) als an der COPD. Tatsächlich ist eine eingeschränkte Lungenfunktion ein Risikofaktor für eine Herz-Kreislauferkrankung. Dies ist wahrscheinlich durch Entzündungsvorgänge bedingt, die bei der COPD den ganzen Körper betreffen. Dabei verstärkt weiteres Rauchen diese Auswirkungen der COPD. Dies zeigt sich auch durch die Begünstigung der Gewichtsabnahme bei Rauchern; ein insbesondere bei untergewichtigen COPD Patienten nachteiliger Effekt.

Husten und Auswurf
Auch Raucher, die (noch) nicht an einer COPD erkrankt sind, leiden wesentlich häufiger als Nichtraucher unter Husten und Auswurf. Umgekehrt führt die Beendigung des Rauchens zu einer Abnahme des Raucherhustens. Der Raucherhusten ist zudem ein Risikofaktor für eine Verschlechterung der LungenfunktionLungenfunktion
und der Wahrscheinlichkeit einer zukünftig notwendigen Krankenhausbehandlung.

Rauchen und Lungenfunktion
In einer Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass Rauchen zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion führt. Rauchen in der Jugend reduziert das normale Lungenwachstum, was auch während des späteren Lebens nachweisbar ist.

Weiter beschleunigt das Rauchen den jährlichen Abfall der Lungenfunktion in der späten Erwachsenenphase und insbesondere im Alter, und zwar umso stärker, je länger und je stärker geraucht wurde. Auf der anderen Seite konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen eindeutig gezeigt werden, dass sich nach Beendigung des Rauchens die jährliche Abnahme der Lungenfunktion auf diejenige von Nichtrauchern reduziert. Nach Beendigung des Rauchens kommt es anfänglich sogar zu einer gewissen (Wieder-) Zunahme der Lungenfunktion.

Bronchiale Überempfindlichkeit
Rauchen behindert die Sauerstoffaufnahme der Lunge und verursacht eine bronchiale Überempfindlichkeit (gesteigerte Reizbarkeit der Bronchien). Wenn noch keine COPD besteht, führt die Beendigung des Rauchens zu einer Abnahme dieser Bronchienüberempfindlichkeit. Bei schon eingetretener COPD führt die Raucherentwöhnung zwar noch zu einer Verringerung, jedoch nicht mehr zu einer Normalisierung der bronchialen Überempfindlichkeit.

SauerstofflangzeittherapieSauerstofflangzeittherapie
Eine Sauerstofflangzeittherapie (LTOT - abgekürzt aus dem Englischen long time oxygen therapy) ist der Ansicht von Spezialisten zufolge nur dann angezeigt und sinnvoll, wenn bereits mehrmals eine Sauerstoffmessung (meist anhand einer Blutprobe aus dem Ohrläppchen) durchgeführt wurde und die Sauerstoffwerte dabei immer wieder zu niedrig ausgefallen sind. Dann allerdings muss die Anwendung des Naturstoffes Sauerstoff (O2) über einen längeren Zeitraum, evtl. sogar dauernd erfolgen. Eine kurzzeitige Anwendung für lediglich ein paar Minuten pro Tag, ist zwar im Allgemeinen nicht schädlich, medizinisch gesehen aber sinnlos.
 
 

Patienten mit fortgeschrittener COPD haben oft eine erniedrigte Sauerstoffkonzentration im Blut. Bei schwerem Sauerstoffmangel kann es dann nötig sein, eine Sauerstofflangzeittherapie durchzuführen. Rauchen während der Sauerstofftherapie ist wegen des Risikos möglicher schwerer Verbrennungen lebensgefährlich.

Nikotinabhängigkeit und fortgesetzter Tabakkonsum
Rauchende COPD-Patienten weisen einen besonders hohen Abhängigkeitsgrad auf, der sich auch in ihrem Inhalationsmuster widerspiegelt. Sie inhalieren tiefer und schneller als Raucher ohne COPD. Die beim Lungenemphysem zugrunde liegende Überblähung begünstigt zudem die Ablagerung von Partikeln in der Lunge - das heißt die schädlichen Auswirkungen des Rauchens werden bei Vorliegen einer Raucherlunge noch weiter gesteigert. In schweren COPD-Fällen, die eine Sauerstofftherapie erfordern, ist gleichzeitiges Rauchen wegen des Risikos möglicher schwerer Verbrennungen lebensgefährlich.

Depressionsrisiko
Das Bestehen einer Raucherlunge erhöht das Risiko für eine Depression, insbesondere bei Frauen. Umgekehrt kommt es bei COPD-Patienten mit depressiven Symptomen gehäuft zu ungünstigen Krankheitsverläufen (höhere Sterblichkeit, längere Krankenhausaufenthalte, Beibehalten des Tabakkonsums). Insgesamt besteht ein komplexer Zusammenhang zwischen Rauchen, COPD und Depression, der die Tabakentwöhnung von depressiven COPD-Patienten schwierig gestaltet. Raucher haben zudem auch überdurchschnittlich häufig andere psychische Erkrankungen.

Kosten
Die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten der COPD in Deutschland werden auf weit über 17 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Es wird geschätzt, dass bei einem generellen Tabakverzicht 7,7 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden könnten. Auch bei der Anzahl Krankenhaus-Behandlungstage zählt die COPD neben Lungenentzündungen und Lungenkrebs zu den wichtigsten Krankheitsursachen in Deutschland. Bei der Anzahl Arbeitsunfähigkeitstage steht die COPD sogar an der Spitze - mit rund 3,9 Millionen Tagen allein im Jahr 2002.