lin-logo lin-titel
 
 Startseite
 Arztsuche
 Kliniksuche
 Unser Atemwegssystem
 Krankheiten A-Z
 Allergien
 Asthma
 COPD
 Lungenkrebs
 Rauchen
 Rehabilitation
 Schlaf
 Untersuchungsmethoden
 Event-Kalender
 Patientenfragen
 Fachorganisationen
 Kontakt/Impressum


 Aktuelles

Was Pilze infektiös macht
 
[21.01.2010] 

Was Pilze infektiös macht

Tagtäglich atmen wir einige tausend Pilzsporen ein, die diesen Organismen zur Verbreitung über die Luft dienen und bei bestimmten Pilzgruppen auch als Konidien bezeichnet werden. In der Nähe von Kompostieranlagen kann die Anzahl der Sporen in der Luft sogar leicht eine Milliarde pro Kubikmeter überschreiten. Obwohl Pilzsporen viele Substanzen (vor allem Proteine und Zuckerverbindungen) enthalten, die für den menschlichen Organismus fremd sind und daher vom   Immunsystem erkannt und bekämpft werden sollten, kommt es in der Regel weder zu einer erkennbaren Immunabwehr, noch zu allergischen Reaktionen. Auch erkranken gesunde Menschen normalerweise nicht an Pilzinfektionen der Lunge, das heißt die Sporen können sich dort nicht ansiedeln und auch nicht auskeimen. Das gelingt nur bei Menschen, die bereits an anderen Erkrankungen leiden und deren Immunabwehr geschwächt ist.

Forscher vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie, dem Hans-Knöll-Institut und der Friedrich-Schiller-Universität Jena, sowie vom Pariser Institut Pasteur und von der Universität Perugia haben nun gemeinsam herausgefunden, was Pilze infektiös macht (siehe Nature 2009, Band 460, Seite 1117-1121 ). Dazu untersuchten sie verschiedene über die Luft verbreitete Arten, darunter auch den für den Menschen gefährlichen Schimmelpilz Aspergillus fumigatus. Dabei konnten sie ein charakteristisches, auf der Oberfläche der Pilzsporen sitzendes Protein identifizieren. Dieses als RodA bezeichnete, wasserabweisende Eiweiß (Hydrophobin) ist immunologisch völlig inaktiv. Versuche mit isolierten Immunzellen und mit Mäusen zeigten, dass RodA weder  Alveolarmakrophagen noch dendritische Zellen oder T-Helferzellen aktiviert. Alveolarmakrophagen sind eigentlich dafür verantwortlich, Fremdkörper wie Bakterien, Viren oder eben Pilzsporen in der Lunge zu erkennen, in sich aufzunehmen und damit unschädlich zu machen. Dendritische Zellen und T-Helferzellen sind an der Regulation des Immunsystems bei Säugetieren beteiligt und sorgen unter anderem für Entzündungsreaktionen und die Bildung spezifischer  Antikörper die Eindringlinge erkennen und markieren. Aus diesen Beobachtungen leiteten die Wissenschaftler die Hypothese ab, dass das Eiweiß RodA die Pilzsporen wie eine Hülle umgibt und die Sporen gewissermaßen maskiert, so dass eine Immunreaktion des Menschen, in dessen Lunge sie eingedrungen sind, unterbleibt.

Zur Bestätigung ihrer Vermutung entfernten die Forscher durch chemische Behandlung das Protein von den Pilzsporen. Außerdem erzeugten sie genveränderte Mutanten des Pilzes, denen die Fähigkeit zur Bildung von RodA fehlte. In anschließenden Tierversuchen zeigte sich dann, dass die in der Oberflächenstruktur veränderten Pilzzellen plötzlich hochgradig immunologisch aktiv waren. So wanderten Immunzellen massenhaft in das behandelte Lungengewebe ein. Außerdem wurde die Ausschüttung von Botenstoffen – so genannten Chemokinen - nachgewiesen, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Auch die bereits erwähnten Alveolarmakrophagen wurden aktiviert und begannen, die ihrer Maskierung beraubten Konidien aufzunehmen und zu verdauen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die gemeinsame Evolution von Mikroorganismen und Säugetieren in diesem Fall für beide Seiten Vorteile bringt: Die Sporen bleiben zunächst unerkannt und erhalten somit Gelegenheit, in der Lunge des Wirtes auszukeimen und sich einen für sie günstigen Lebensraum zu erschließen - mit möglicherweise fatalen Folgen für den betroffenen Patienten. Andererseits reagiert das menschliche Immunsystem nicht gleich bei jedem Kontakt mit Mikroorganismen mit einer starken Aktivierung, die sich in allergischen Reaktionen oder einer Entzündung äußern würde. Offenbar erst dann, wenn die Konidien des Pilzes beginnen, auszukeimen und das menschliche Gewebe zu besiedeln, wird eine effektive Erkennung und Abwehr durch das Immunsystem erforderlich. Da die Sporen während ihrer Keimung das Protein RodA verlieren, steht diesem Procedere auch nichts im Wege. Nach Ansicht der Forscher zeigt das Beispiel, wie fein ausbalanciert die Kommunikationsprozesse zwischen Mensch und Mikrobe sind, und wie schmal der Grat sein kann, der zwischen der natürlichen Widerstandskraft gegen eine Krankheit und dem Ausbruch einer Infektion verläuft.



Sie verlassen jetzt das Patienten-Informationsportal des Bundes-verbandes der Pneumologen e.V. (BdP) und der Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) .

Für den Inhalt auf den folgenden Seiten sind BdP und DGP nicht verantwortlich.

Meinungen und Inhalte geben nicht notwendigerweise die Ansichten des Bundesverbandes der Pneumologen e.V. (BdP) und der Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) wieder und werden von diesen auch nicht autorisiert.

 

 
 nach oben  Druckansicht öffnen   Seite per eMail empfehlen


im-fokus
Untitled Document
  Pollenflugkalender
 
Der Klimawandel führt zu verstärkten Stoßzeiten durch Pollenflug und damit zu einer zunehmenden Belastung für Allergiker. Mit unserem  Pollenflugkalender können Sie sich einen Überblick über die Veränderungen im Pollenflug der wichtigsten, Allergie auslösenden Pflanzen verschaffen.
  weiter lesen...
  Online-Umfrage für COPD-Patienten
 

Eine Umfrage bei Patienten mit COPD (chronisch obstruktive Bronchitis mit oder ohne Lungenemphysem) soll aufzeigen, warum und wann sie besonders dazu neigen, ihre Therapieanweisungen zu vernachlässigen. Hier geht's zur  Umfrage

  weiter lesen...
  Habe ich eine COPD?
 

 Machen Sie den Test !

Eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) entwickelt sich schleichend über mehrere Jahre hinweg. Raucherhusten mit wiederholten Atemwegsinfekten sowie Atembeschwerden bei körperlicher Belastung werden gerne mit mangelnder Fitness entschuldigt, obwohl eine COPD die Ursache ist. Um zu erfahren, ob Ihre Beschwerden bereits auf COPD hinweisen, können Sie unseren Test zur COPD-Früherkennung machen.

  weiter lesen...
  Expertenrat für Patientenfragen
 
Haben Sie eine Frage zu Atemwegs- oder Lungenerkrankungen? Ein Expertenrat der Deutschen Lungenstiftung beantwortet Sie Ihnen gerne fachlich kompetent und online.
  weiter lesen...
 
Weitere Gesundheitsthemen: Kindergesundheit | Frauengesundheit | Allgemeine & Innere Medizin | Neurologie & Psychiatrie | HNO-Heilkunde