Während die Zahl der Patienten, die eine Lungentransplantation benötigen, weiter ansteigt, bleibt die Zahl der Lungenspender gleich. Zudem stellen Entzündungs- und Abstoßungsprozesse die zwei häufigsten Komplikationen nach der Transplantation eines Organs dar. Bei Lungentransplantationen können mehr als 80 Prozent der Spenderorgane nicht mehr zur Verpflanzung verwendet werden, da sie während des Gehirntods des Spenders verletzt wurden, sich entzünden oder weil bestimmte intensivmedizinische Komplikationen auftreten. Oft wird zum Beispiel durch eine Entzündung die Verbindung zwischen den Lungenbläschen und Blutgefäßen in den Lungen angegriffen, so dass der Gasaustausch – als der wichtigsten Funktion von Atmungsorganen - beeinträchtigt ist. Jetzt haben Forscher um Dr. Shaf Keshavjee im McEwen Centre for Regenerative Medicine des University Health Network eine gentherapeutische Methode entwickelt, mit der sich verletzte Spenderlungen reparieren lassen sollten, so dass künftig mehr Spenderlungen für Transplantationen zur Verfügung stehen sollten.
In einem ersten Schritt wird die Spenderlunge in einem speziellen Perfusionssystem aufbewahrt, auf normale Körpertemperatur erwärmt und kontinuierlich von einer blutfreien Lösung durchströmt, die Sauerstoff, Proteine und Nährstoffe enthält. In diesem „gläsernen Dom“ werden auch die Bewegungen der Lunge bei der Atmung nachgeahmt (siehe Video auf You-Tube ). Dadurch werden die Selbstreparaturprozesse der Lunge angeregt. Zusätzlich wird ein entzündungshemmendes Zytokin (Interleukin IL-10) zugeführt, indem die Lunge mit einem gentherapeutisch veränderten Adenovirus, der das Gen für IL-10 überträgt, infiziert wird. IL-10 vermindert nicht nur das Entzündungsgeschehen vor und während einer Transplantation, sondern wirkt auch hemmend auf das
Immunsystem
des Organempfängers ein, um eine Abstoßung zu verhindern.
Diese Methode verbessert nachweislich die Durchblutung und den Gasaustausch der Spenderlunge. Das wurde zunächst an Lungen vom Schwein und später auch an menschlichen Organen untersucht, die für eine Transplantation nicht infrage kamen. Nach Aussage der Forscher sind die Ergebnisse so viel versprechend, dass Studienleiter Keshavjee hofft, demnächst mit klinischen Studien beginnen zu können.