Obstruktive Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma schließen Reisen in weit entfernte Regionen der Erde nicht grundsätzlich aus. Allerdings sollte eine Flugreise gut geplant sein. Denn unter Umständen können die betroffenen Patienten den verminderten Sauerstoffdruck in der Flugzeugkabine nicht ausgleichen, so dass der Sauerstoffdruck in ihrem Blut und die Sauerstoffsättigung ihres Blutes deutlich absinken (Hypoxie). Diese Unterversorgung kann die Symptome der Grunderkrankung verstärken. Ob Beschwerden auftreten, hängt aber auch von der Dauer des Fluges ab. Nun hat die European Lung Foundation alle europäischen Fluggesellschaften nach deren Bedingungen für eine zusätzliche Sauerstoffversorgung befragt und die Ergebnisse von über 40 Fluggesellschaften in einer Datenbank veröffentlicht. Diese Datenbank wurde von der Deutschen Atemwegsliga e. V. übersetzt und ist ab sofort im Internet auf Deutsch unter http://www.de.european-lung-foundation.org/index.php?id=12409 verfügbar.
Langstreckenflugzeuge fliegen meist in einer Höhe von 9 bis 11 km. Der Kabinen-Innendruck entspricht während des Flugs einer Höhe von etwa 2.400 m über dem Meeresspiegel. Dies bedeutet, dass der Sauerstoffdruck in der Kabine vermindert ist - etwa so, wie bei einem Aufenthalt in den Alpen. Außerdem wird die Umluft in der Flugzeugkabine angewärmt, so dass die Luft im Flugzeug generell sehr trocken ist. Für gesunde Menschen ist das meist unproblematisch, zumal sie den verminderten Sauerstoffdruck einfach durch eine schnellere, tiefere Atmung ausgleichen. Bei Patienten mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen können jedoch Atemprobleme auftreten und die Zufuhr von zusätzlichem Sauerstoff notwendig machen.
Leider dürfen Atemwegspatienten oft keinen eigenen Sauerstoff in Druckbehältern mit ins Flugzeug nehmen, da etliche Fluggesellschaften dies aus Sicherheitsgründen untersagen. Betroffene müssen sich dann darauf verlassen, dass die Fluggesellschaft Sauerstoff zur Verfügung stellt, wobei die Bedingungen für die Bereitstellung von Sauerstoff zwischen den einzelnen Fluggesellschaften stark variieren können. Bei manchen ist eine Sauerstoffanwendung zum Beispiel nur bei Start und Landung verboten. Andere Fluggesellschaften hingegen gestatten die Mitnahme von Gasdruckflaschen oder die Verwendung tragbarer Sauerstoffkonzentratoren. Allerdings kann das dann wiederum auf bestimmte Flugzeugmodelle beschränkt sein.
Patienten, die Sauerstoff benötigen, sollten daher die Möglichkeiten einer Sauerstoffversorgung lange genug vor Reiseantritt - am besten schon vor der Flugbuchung - abklären. Außerdem sollten sie die geplante Reise unbedingt vorab mit ihrem Arzt besprechen. Zwar ist es auch für den behandelnden Arzt nur schwer vorherzusagen, wie der Patient das Fliegen vertragen wird. Es gibt aber Methoden, um das Flugrisiko zumindest ungefähr abzuschätzen.