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Schlecht kontrolliertes Asthma schadet auch der Umwelt

Dosieraerosole verursachen einen höheren Treibhauseffekt als Pulverinhalatoren. Zumindest Hausärzte und niedergelassene Lungenärzte sollten die Auswahl für ein Inhalationssystem sehr bewusst treffen. In den Kliniken kann man hingegen leider nicht auf Dosieraerosole verzichten.

© auremar – Fotolia.com

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Eine medikamentös nicht optimal eingestellte Asthma-Erkrankung verursacht rund achtmal so viel Treibhausgase wie ein gut kontrolliertes Asthma. Das hat ein internationales Forscherteam aus England, Schweden, den USA, Indien und der Schweiz in einer Studie mit 236.506 Asthma-Patienten berechnet. Sie berichten, dass allein in England die Versorgung von Asthmatikern mit zusätzlichen 750.540 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten pro Jahr ins Gewicht fällt, die zu 80 Prozent auf Fälle mit schlecht kontrolliertem Asthma zurückzuführen sind. Das entspricht dem durchschnittlichen jährlichen Kohlendioxid-Ausstoß von 124.000 Haushalten im Vereinigten Königreich. Vor allem junge Ärztinnen und Ärzte fordern daher, den ökologischen Fußabdruck von Therapien in die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit einzubeziehen und klimafreundlichen Alternativen den Vorzug zu geben.

Treibhauseffekte durch Inhalationssysteme
Tatsächlich verursachen Dosieraerosole einen höheren Treibhauseffekt als Pulverinhalatoren. Der Deutschen Ärztezeitung (vom 19.12.2023) zufolge, entspricht die Kohlendioxid-Bilanz eines Dosieraerosols in etwa der einer Autofahrt von Berlin ins 280 Kilometer entfernte Hannover und in einer durchschnittlichen Arzt-Praxis übersteigen die ökologischen Auswirkungen der verschriebenen Dosieraerosole auf das Klima die von Strom und Heizung zusammen. „Zur Behandlung von schweren Lungenerkrankungen benötigen wir vor allem in den Kliniken dennoch weiterhin Treibgas betriebene Dosieraerosole. Hier gab es ja schon vor langer Zeit eine Umstellung von FCKW auf weniger schädliche HFA-Treibgase. Zur Behandlung schwerer Atemnotzustände sind Pulverinhalatoren deutlich weniger geeignet als Treibgas betriebene Systeme. Denn Pulversysteme benötigen von Patientenseite immer eine kräftige Einatmung, die bei schwerer Bronchialverengung nicht möglich ist. Auch unter Beatmungsbedingungen kann man Pulversysteme nicht einsetzen. Aber wir schließen uns der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) an, dafür zu plädieren, dass Hausärzte und niedergelassene Lungenärzte die Auswahl für ein Inhalationssystem sehr bewusst treffen. Dabei sind viele Faktoren zu beachten. Am Ende ist die gute Kontrolle des Asthmas entscheidend. Sie ermöglicht eine gute Lebensqualität, vermeidet Krankenhausaufenthalte und Notfallsituationen und trägt dadurch eben auch zur Schonung der Umwelt bei, in vielerlei Hinsicht“, erklärt Dr. med. Thomas Voshaar, Vorstandsvorsitzender des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers. Die DGP hat kürzlich eine Ergänzung zur neuen Asthma-Leitlinie mit dem Titel „Klimabewusste Verordnung von Inhalativa“ veröffentlicht, die sich vor allem an Ärztinnen und Ärzte sowie ihre Praxisteams, Apothekerinnen und Apotheker als auch Mitarbeitende anderer Gesundheitsfachberufe richtet, um passende Wege zu weniger CO2-Emissionen aufzuzeigen.

Pulverinhalatoren brauchen keine Treibmittel
Bei Pulverinhalatoren wird das Medikament im Gerät freigesetzt und mit einem kräftigen Atemzug aktiv in die Lunge transportiert. Pulverinhalatoren werden für alle relevanten Wirkstoffgruppen angeboten und es gibt keine klinisch relevanten Unterschiede zwischen den Darreichungsformen, wie verschiedene Reviews zeigen. Trotzdem werden kurzwirksame Beta-Mimetika immer noch fast ausschließlich als Dosieraerosole verschrieben und stellen mit über 200 Millionen Tagesdosen pro Jahr die am zweithäufigsten verabreichte Medikamentengruppe dar.

Umstellung halbiert Kohlendioxid-Fußabdruck ohne Verlust der Asthmakontrolle
Schwedische und britische Wissenschaftler haben untersucht, wie sich ein Wechsel von einem Dosierinhalator auf einen Trockenpulverinhalator auf den Ausstoß von Treibhausgasen und die Asthmakontrolle auswirkt, und haben herausgefunden, dass die auf Pulverinhalator umgestellten Patienten ihren Kohlendioxid-Fußabdruck ohne Verlust der Asthmakontrolle mehr als halbieren konnten. „Der Wechsel von einem Dosieraerosol zum Pulverinhalator (oder einer anderen klimafreundlicheren Alternative) ist daher sinnvoll. Allerdings müssen die Patienten zur Anwendung eines Pulverinhalators in der Lage sein, kräftig einzuatmen. Insofern können Pulverinhalatoren nicht für schwer lungengeschädigte bzw. solche mit akuter Verschlechterung (Exazerbation), geriatrische Patienten oder Kinder unter fünf Jahren empfohlen werden“, betont Dr. Voshaar.

Patienten benötigen bei der Umstellung aber Unterstützung
Angesichts der bestehenden Unterschiede hinsichtlich der Bedienfreundlichkeit und individueller Geräte-Vorlieben (insbesondere im Hinblick auf den Geräte-Inspirationswiderstand) erfordert die Wahl des für den Patienten am besten geeigneten Pulverinhalators eine gute Überlegung. Auch benötigen die Patienten bei der Umstellung Unterstützung und eine gute Schulung zur Inhalationstechnik, um ihre Therapietreue zu fördern. Die richtige Therapie kann schließlich nur dann erfolgreich sein, wenn sie korrekt und regelmäßig angewendet wird. „Verbesserungen der Asthma-Therapie hinsichtlich der Medikation, der Therapietreue und Inhalationstechnik können nicht nur die Asthma-Kontrolle optimieren und damit den Patienten zu Gute kommen, sondern auch zu einer Reduktion der Treibhausgase und damit zum Klimaschutz beitragen“, fasst Dr. Voshaar zusammen.

Quellen:
Thorax, online seit 27.2.2024
S2K-Leitlinie „Klimabewusste Verordnung von Inhalativa“ unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), veröffentlicht am 25.1.2024
Deutsche Ärztezeitung vom 19.12.2023
Thorax, online seit 15.11.2022

Quelle: äin-red

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