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05.05.2023

Überlebenschancen bei Lungenkrebs dank Immuntherapie stark gestiegen

Mittlerweile steht ein ganzer Strauß an unterschiedlichen Immuntherapien zur Verfügung, die sich nach molekularpathologischer Analyse der individuellen Tumor-Zellen passgenau für bereits recht viele Patienten auswählen lassen. Diese Immuntherapien haben den großen Vorteil, dass sie besser verträglich sind als die klassischen Chemotherapien und zudem viel erfolgreicher.

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Die Überlebensaussichten für Patienten mit metastasiertem Lungenkrebs sind in den letzten Jahren immens angestiegen: Während die Wahrscheinlichkeit, die nächsten fünf Jahre nach der Diagnose zu überleben, vor 10-13 Jahren für die betroffenen Patienten noch bei nur 10-15 Prozent lag, beträgt sie heutzutage 40-50 Prozent. Grund ist, dass die Behandlungsmöglichkeiten bei LungenkrebsLungenkrebs
Das ist der im Brustkorb gelegene Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, in dem die Brusteingeweide untergebracht sind - also das Herz, zugehörige Nerven, Gefäße und Lymphknoten. Die Pleuren (Rippen- und Lungenfell), welche die beiden Brustfellhöhlen mit den Lungenflügeln auskleiden, bilden eine Trennwand zwischen Mediastinum und Lunge. Nach vorne und hinten wird dieser Raum vom Brustbein und der Brustwirbelsäule begrenzt, von oben und unten erstreckt er sich etwa ab Höhe des Schlüsselbeins bis hinunter zum Zwerchfell. 
sich enorm verbessert haben.

Kommunikation zwischen Tumor- und Immunzellen wird blockiert

Dazu beigetragen hat insbesondere die Entwicklung der Immuntherapie, da sie die körpereigenen Immunzellen dazu befähigt, ihre gewohnte Aufgabe, Körperfremdes effektiv zu bekämpfen, wieder umzusetzen. Denn Lungentumoren haben bedauerlicherweise die Fähigkeit entwickelt, die körpereigenen Immunzellen dazu anzuweisen, Tumorgewebe nicht zu attackieren, obwohl es körperfremd ist. Dank der zielgerichteten Immuntherapie (die auf ganz bestimmte Mutationstypen, also genetische Eigenschaften des Tumors abgestimmt ist) wird diese Kommunikation zwischen Tumor- und Immunzellen blockiert, so dass die Immunzellen den Tumor wieder angreifen und letztendlich vernichten können. Das bedeutet, dass Tumoren selbst bei Patienten mit Lungenkarzinomen, die bereits Tochterzellen (MetastasenMetastasen
Vom Krebs ausstreuende Tochter-Geschwülste
) gebildet haben, zunehmend besser kontrollierbar werden.

Tumoren werden besser kontrollierbar

Dies zeigt auch eine aktuelle US-Studie (siehe Nature Medicine, online seit 16.3.2023), bei der Immuntherapien zur Behandlung von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs in der Dreifachkombination (mit zwei verschiedenen Immunantikörpern – Nivolumab und Ipilimumab – plus Chemotherapie) deutlich besser abschnitten als in der Doppelkombination (mit nur einem AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
– Nivolumab – plus Chemotherapie). Nach der Dreifachtherapie konnten bei 50 Prozent der Patienten so gut wie keine lebensfähigen Tumorreste mehr nachgewiesen werden im Vergleich zu 32 Prozent nach der Doppeltherapie. „Eine passgenaue Immuntherapie kann nachweislich die Abwehrkraft des Immunsystems verbessern, denn es können mehr gezielt gegen den Tumor gerichtete Immunzellen gebildet werden, die ins Tumorgewebe einwandern und die Tumorzellen erfolgreich abtöten“, erläutert Dr. med. Thomas Voshaar, Vorstandsvorsitzender des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers. Gleichzeitig sinkt die Zahl der das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
unterdrückenden Zellen. Beides weist auf eine verstärkte Anti-Tumor-Reaktion hin. „Mittlerweile steht ein ganzer Strauß an unterschiedlichen Immuntherapien zur Verfügung, die sich nach molekularpathologischer Analyse der individuellen Tumor-Zellen passgenau für bereits viele Patienten auswählen lassen. Damit haben wir eine gute Alternative zur klassischen Chemotherapie an der Hand, die ja immer ein Zellgift ist und daher auch entsprechende Nebenwirkungen hat - mit dem großen Vorteil, dass Immuntherapien besser verträglich sind als die klassischen Chemotherapien und viel erfolgreicher“, betont Dr. Voshaar.

äin-red

Dies ist eine Pressemeldung des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien ist diese Quellenangabe (in Form eines aktiven Links entweder auf die Startseite oder auf eine Unterseite der Webseite der Lungenärzte-im-Netz) erforderlich, bei Veröffentlichung in Printmedien ist ebenfalls ein Hinweis auf diese Webadresse notwendig.


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