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25.03.2022

Omikron-Variante kann Pseudokrupp bei Kleinkindern verursachen

Nach einer Infektion mit der Omikron-Variante des Coronavirus können bei jungen Kleinkindern Pseudokrupp-Anfälle auftreten. Obwohl Pseudokrupp-Anfälle durchaus bedrohlich wirken, ist es nur in seltenen Fällen notwendig, den Notarzt zu holen oder in die Klinik zu fahren. In erster Linie gilt es, das betroffene Kind zu beruhigen und seine Atmung zu erleichtern (z.B. durch aufrechtes Tragen). Dazu raten die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung.

Virale (seltener auch bakterielle) Atemwegsinfektionen bei Kindern können mit sogenannten Pseudokrupp-Anfällen einhergehen. Insbesondere nach einer Infektion mit der Omikron-Variante des SARS CoV-2-Coronavirus treten Pseudokrupp-Anfälle offenbar häufiger auf, wie US-Kinderärzte aktuell berichten (siehe Pediatrics, online seit 8.3.2022). Betroffen sind meistens junge Kleinkinder, dabei Buben häufiger als Mädchen. Obwohl Pseudokrupp-Anfälle bei Kindern durchaus bedrohlich wirken können, ist es nur in seltenen Fällen notwendig, den Notarzt zu holen oder in die Klinik zu fahren. In erster Linie gilt es, das betroffene Kind zu beruhigen und seine Atmung zu erleichtern (z.B. durch aufrechtes Tragen). Dazu raten die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung.

Alarmierend, aber nur in Ausnahmefällen lebensbedrohlich

Typisch für Pseudokrupp ist, dass die Kinder nachts plötzlich aufwachen mit trockenem und bellendem Husten („Seehundgebell“), verbunden mit pfeifenden oder zischenden Geräuschen beim Einatmen. Ursache ist eine sogenannte Laryngotracheitis – also eine meist viral bedingte Entzündung der Atemwegsschleimhaut des Kehlkopfes (Larynx) unter Mitbeteiligung der Luftröhre (Trachea). Die entzündliche Schleimhautschwellung führt zu einer Verengung im Bereich des Kehlkopfes und der Luftröhre. Die Folge: Das Atmen ist erschwert und Luftnot tritt auf, die nach einem Hustenanfall und bei Aufregung zunimmt. Das kann Eltern in einen Alarmzustand versetzen - ein kompletter Verschluss der Atemwege und damit das Ersticken des Kindes drohen aber normalerweise nicht. Auch nimmt die Intensität der Hustenanfälle in der Regel allmählich wieder ab. „Normalerweise verlaufen Infektionen mit der Omikron-Variante bei Kindern ja mild. Trotzdem sollten Eltern diese auch im Hinblick auf das mögliche Auftreten von Pseudokrupp-Anfällen nicht unterschätzen und wachsam bleiben“, betont Prof. Dr. med. Monika Gappa, Beisitzerin der Deutschen Lungenstiftung, Kinderpneumologin und Chefärztin Pädiatrie im Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf.

Beruhigung des Kindes steht im Vordergrund

Bei einem Pseudokrupp-Anfall ist es für die Eltern wichtig, selbst Ruhe zu bewahren und das Kind zu beruhigen. Wenn das Kind schreit, verstärkt sich die Enge der Atemwege und das Kind ringt noch mehr um Luft. Also am besten das Kind bei einem Anfall aufrecht hinsetzen oder auf den Arm nehmen und besänftigen! „Die Beruhigung des Kindes steht bei Pseudokrupp deshalb im Vordergrund, weil bei Aufregung und Schreien die heftige Atmung eine weitere Verengung der Atemwege verursacht, so dass die Atemarbeit und die Luftnot für das Kind zunehmen“, erklärt Prof. Gappa.

Auch kalte Luft kann helfen

Meist hilft im akuten Anfall auch kalte Luft - z.B. indem man sich bei den aktuell niedrigen Außentemperaturen mit dem warm eingepackten Kind vor ein weit geöffnetes Fenster stellt oder im Sommer vor den geöffneten Kühlschrank - um die Schwellung der Atemwege zu reduzieren und damit dem Kind die Atmung zu erleichtern. Kann das Kind problemlos schlucken, sind auch kühle Getränke zum Abschwellen hilfreich. Wenn die Symptome aber anhalten oder sich sogar verschlechtern, ist ärztliche Hilfe nötig.
 

Auf keinen Fall Erkältungssalbe oder Tropfen mit ätherischen Ölen verwenden!

Die medikamentöse Behandlung der Wahl ist die Gabe von Kortison, entweder als Inhalation, als Saft oder als Zäpfchen. Durch den entzündungshemmenden Effekt des Kortisons schwellen die Schleimhäute ab und das Atmen wird leichter. Meist werden Zäpfchen bevorzugt, weil die Gabe von Saft oder eine Inhalation in der Situation schwierig ist. Auf keinen Fall aber sind so genannte Erkältungssalben oder Tropfen mit ätherischen Ölen zu verwenden. Diese können den Anfall verschlimmern oder - wenn sie in die Atemwege gelangen - zu einer schweren Lungenerkrankung führen. Auch eine Beruhigungsspritze durch den Notarzt wäre gefährlich, weil die Angst vor der Spritze zu noch mehr Aufregung und so zu noch mehr Atemnot führen würde.

Quelle: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung der Deutschen Lungenstiftung. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patienteninformationsportals der Lungenärzte-im-Netz verlinken.

Autor/Autoren: äin-red