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Lungenhochdruck im Schlepptau

Bei fast allen chronischen Lungenerkrankungen kann mit der Zeit ein Lungenhochdruck hinzukommen. Dieser schränkt die Belastbarkeit und Lebensqualität der Betroffenen zusätzlich ein.

Foto: Krankenhaus Bethanien Moers

Foto: Krankenhaus Bethanien Moers

Bei einigen Patienten mit chronischer Lungenerkrankung kommt es im Verlauf zu einem zusätzlichen Lungenhochdruck (sekundäre pulmonale Hypertonie). Infolge des erhöhten Gefäßwiderstands kann das so genannte Cor pulmonale entstehen und bis zum Rechtsherzversagen fortschreiten. Eine durch Sauerstoffmangel in den Luftbläschen (alveoläre Hypoxie) und/oder Rauchen getriggerte Gefäßverengung scheint eine wichtige Rolle in der Krankheitsentwicklung zu spielen, erläutern PD Dr. Ayham­Daher vom Universitätsklinikum Aachen­ und PD Dr. Hans Klose vom Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf. Bei den meisten Patienten mit chronischer Lungenerkrankung plus Lungenhochdruck bleibe es allerdings bei einer eher geringen bis lediglich moderaten Steigerung des pulmonalarteriellen Mitteldrucks (siehe Deutsche Medizinische Wochenzeitschrift, online seit 10.11.2023).

Die Prävalenz variiert mit der Art der Lungenerkrankung: Die pulmonale Hypertonie tritt am häufigsten bei Patienten mit COPD auf, allerdings haben nur 1–5 % von ihnen einen schweren Lungenhochdruck (definiert als pulmonaler Gefäßwiderstand > 5 Wood-Einheiten = 5 WE). Bei der idiopathischen pulmonalen Fibrose beträgt die Prävalenz der pulmonalen Hypertonie bei Erstdiagnose etwa 8 bis 15 %. Patienten mit kombinierter Lungenfibrose plus Lungenemphysem sind besonders gefährdet. In dieser Gruppe liegt die Prävalenz bei bis zu 50 %.

Kommt zu einer chronischen Lungenerkrankung eine pulmonale Hypertonie hinzu, beeinträchtigt dies die Belastbarkeit und damit einhergehend die Lebensqualität der betroffenen Patienten deutlich. Die Schwere der Erkrankung gilt als ein Vorhersagefaktor für das Ausmaß der drohenden pulmonalen Hypertonie.

Die Diagnose nur anhand von Symptomen zu stellen, ist schwierig. Die Beschwerden der Lungenerkrankung unterscheiden sich oft nur wenig von der zusätzlich durch den pulmonalen Hochdruck bedingten Verschlechterung. Für Letzteren sprechen aber:

•    Schwindel
•    Belastungssynkopen
•    klinische Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz

Hinweisend sind auch erhöhte Werte für die sog. natriuretischen Peptide und eine vergrößerte Pulmonalarterie in der Bildgebung. Für das Vorliegen eines Lungenhochdrucks spricht zudem, wenn körperliche Belastbarkeit und Diffusionskapazität des Patienten stärker beeinträchtigt sind, als es anhand der Lungenfunktionseinschränkung zu vermuten wäre. Zur weiteren Klärung erfolgt in der Regel eine transthorakale Echokardiografie.

In einigen Fällen tritt unabhängig von der respiratorischen Grunderkrankung eine pulmonal ­arterielle Hypertonie (PAH) auf. Diese ist von einem sekundären pulmonalen Hochdruck auf dem Boden einer Lungenerkrankung oder infolge einer Hypoxie zwingend abzugrenzen. Von einer mit der respiratorischen Erkrankung assoziierten pulmonalen Hypertonie kann man ausgehen, wenn

•    eine leichte oder moderate Erhöhung des pulmonalen Gefäßdrucks vorliegt,
•    sich ausgeprägte Lungengerüst- oder Atemwegsveränderungen im CT darstellen,
•    die Funktionstestung der Lunge deutliche und typische Auffälligkeiten zeigt.

In einem kardiopulmonalen Belastungstest findet man mitunter einen CO2-Anstieg. Mit der pulmonal­arteriellen Hypertonie assoziierte Risikofaktoren wie Bindegewebs­erkrankungen oder eine HIV-Infektion fehlen in der Regel.

Eine Rechtsherzkatheteruntersuchung bleibt Patienten mit Verdacht auf schweren Lungenhochdruck vorbehalten. Das ist etwa bei zunehmender Symptomatik und Auffälligkeiten im Gasaustausch, die über den durch die Lungenfunktionseinschränkung verursachten Effekt hinausgehen, der Fall. Aus der Diagnostik sollte zudem eine therapeutische Konsequenz erwartbar sein.

Bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie zusätzlich zur Lungenerkrankung gilt es, die Grundkrankheit in den Griff zu bekommen. Bei einer Volumenüberladung dienen Diuretika der Symptomlinderung, indem sie über die Vorlast die rechtsventrikuläre Funktion und mittelbar auch den linksventrikulären Auswurf erhöhen. Bei schwerer Erkrankung (pulmonaler Gefäßwiderstand > 5 WE) sollte man an die rechtzeitige Anmeldung zur Transplantation denken.

Der Nutzen von systemischen Vasodilatatoren der Lungenstrombahn bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie aufgrund einer respiratorischen Erkrankung ist umstritten. Kritiker befürchten eine Zunahme des Ventilations-Perfusions-Mismatches, da nicht belüftete Bereiche stärker durchblutet werden und die hypoxische Vasokonstriktion aufgehoben wird. Dennoch können Phosphodiesterase-5-Hemmer wie Sildenafil bei schwerer Erkrankung als individueller Versuch an spezialisierten Zentren erwogen werden.

Quelle: Medical Tribune am 20.1.2024