LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

21.01.2019

Wird es künftig einen Universal-Impfstoff gegen alle Grippe-Viren geben?

Ein künstlich hergestellter DNA-Impfstoff, der zumindest im Tiermodell zuverlässig gegen verschiedene Grippe-Viren schützt, hätte auch den Vorteil, dass er als Nasenspray verabreicht werden kann und nicht wie bisherige Grippe-Impfstoffe jedes Jahr verändert und neu hergestellt werden muss.

Impfungen beruhen auf folgendem Prinzip: Dem menschlichen Körper werden durch eine Impfung Bestandteile des jeweiligen Erregers zugeführt, gegen den ein Schutz aufgebaut werden soll. Das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
bildet daraufhin AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
, die die Krankheitserreger bei einer kommenden Infektion bekämpfen. Grippe-Viren verändern ihre Struktur jedoch laufend, sodass Antikörper, die sich nach einer Grippe-Impfung bilden, bereits im nächsten Jahr wahrscheinlich nicht mehr wirksam sind. Daher muss der Grippe-Impfstoff bisher in jeder Grippesaison erneut an die veränderten Viren angepasst werden. Besonders bei älteren Menschen kommt hinzu, dass ihr Immunsystem oft nur mehr begrenzt neue Antikörper produzieren kann, sodass herkömmliche Influenza-Impfstoffe bei ihnen oft nur einen abgeschwächten Schutz bieten.

Forschende haben nun einen künstlich hergestellten DNA-Impfstoff entwickelt, der diese Probleme umgehen könnte (siehe Science, online-Veröffentlichung am 2. November 2018). Im Gegensatz zu bisherigen Impfstoffen, die Bestandteile der Grippe-Erreger enthalten, beinhaltet der neue Impfstoff den genetischen Bauplan (DNA) für einen breit wirksamen Antikörper, der Strukturen der Grippe-Viren angreift, die sich nicht verändern. Gelangt der synthetische Impfstoff in den Körper, wird die darin enthaltene DNA von den Zellen aufgenommen und zur Herstellung der breit wirksamen Antikörper verwendet. Diese können dann alle möglichen Varianten von Grippe-Viren direkt angreifen.

In Zellkultur-Experimenten und in Versuchen am Tiermodell zeigte der neue Impfstoff bereits große Wirkung. So konnte er Zellen vor 59 von 60 getesteten Grippe-Viren schützen. Im Tiermodell wurde der Impfstoff über die Nase verabreicht und schützte so wirksam vor ansonsten tödlichen Influenza-Erregern. Die Wirkung hielt zudem mehrere Monate an.

Nach Ansicht der Autoren könnte eine Impfung somit ausreichen, um besonders Risikogruppen wie ältere Menschen während der gesamten Grippe-Saison vor einer Infektion zu schützen. Zwar müsse die Impfung auch jährlich erneuert werden, allerdings ohne dass zuvor ein neuer Impfstoff entwickelt werden muss. Der einfache Einsatz als Nasenspray könnte die Akzeptanz einer Impfung zudem erhöhen, hoffen die Forschenden.

Bevor der Wirkstoff im klinischen Alltag eingesetzt werden kann, müssen allerdings noch weitere Studien folgen, um zum Beispiel mögliche Nebenwirkungen auszuschließen.

Quelle: Lungeninformationsdienst