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09.03.2018

Wie Patienten helfen können, Resistenzen zu vermeiden

Ein großflächiger Einsatz von Antibiotika erhöht die Gefahr für Resistenzentwicklungen, warnt die Deutsche Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP). Auch Patienten können einen großen Beitrag zur Vermeidung von ResistenzenResistenzen
Bakterien können eine Resistenz gegen bestimmte Arzneistoffe entwickeln - das heißt, sie werden unempfindlich gegenüber diesen Medikamente. Die Medikamente, vor allem Antibiotika, sind nicht mehr gegen diese Bakterien wirksam.
Resistente Erreger entwickeln sich - insbesondere bei großen Erregermengen - entweder durch spontane Genveränderungen (Mutationen) oder durch selektive Vermehrung (Selektion) von natürlich vorkommenden resistenten Bakterien-Subpopulationen, z.B. aufgrund einer unzureichenden oder zu früh abgebrochenen Therapie.
leisten, indem sie sich impfen lassen und häufiger ihre Hände waschen.

Laut Umfrage einer Krankenkasse erhielt 2016 jeder vierte Versicherte, der erkältet war, von seinem Hausarzt Antibiotika (siehe Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse am 16.6.2017). Dabei belegen viele Studien, dass Antibiotika bei Erkältungen und Grippe keinen Nutzen bringen. Stattdessen erhöht der großflächige Einsatz die Gefahr für Resistenzentwicklungen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) anlässlich ihres Jahreskongresses in Dresden vom 14. Bis 17.3.2018.

Da Atemwegsinfektionen meist durch Viren ausgelöst werden, bringen Antibiotika keine Linderung. „Stattdessen wird der Patient nur unnötigen Nebenwirkungen ausgesetzt“, betont Prof. Dr. med. Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene in Jena. Allerdings können klassische Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen, Kopf- und Halsschmerzen auch die Folge einer bakteriell bedingten Lungenentzündung sein, die schnellstmöglich mit Antibiotika behandelt werden sollte. Um festzustellen, ob Viren oder Bakterien für die Erkrankung verantwortlich sind, benötigt es einen Test – dieser aber dauert zwei bis drei Tage und ist zudem nicht immer eindeutig. Viele Hausärzte verschreiben das Antibiotikum deswegen sicherheitshalber, erklärt der DGP-Experte. Denn falls doch eine Lungenentzündung vorliegt, sollte diese schnellstmöglich behandelt werden. Zweitens können sich auf dem Schleim, der sich bei Grippe in den Bronchien festsetzt, zusätzlich Bakterien ansiedeln, die eine sogenannte Superinfektion verursachen.

Mithilfe von Procalcitonin, einem Entzündungsparameter im Blut, können Ärzte nachweisen, ob es sich um eine bakterielle Infektion handelt. Studien zeigen, dass die Verordnung von Antibiotika nach Procalcitoninwert bei ambulant erworbenen Atemwegsinfektionen 40 bis 60 Prozent Antibiotikaverbrauch einsparen kann, ohne die Patienten zu gefährden. Hier fehlt es aber noch an geeigneten Tests, die der Hausarzt in der Praxis durchführen kann.

Patienten können einen großen Beitrag zur Vermeidung von Resistenzen leisten, so Pletz. „Wer Antibiotika genau nach Anweisung vom Arzt einnimmt, verhindert die Entstehung multiresistenter Keime und tut gleichzeitig das Beste für die eigene Gesundheit.“ Folgendes empfiehlt der Experte:

·       Mehrmals tägliches Händewaschen mit Wasser und Seife schützt vor Infektionen.

·       Wie bei jedem Medikament, gilt auch für die Einnahme von Antibiotika: Sie sollte so kurz wie möglich und so lange wie nötig erfolgen. Antibiotika müssen nicht immer bis zum Ende der Packung eingenommen werden. Manchmal reicht eine verkürzte Anwendung. Patienten sollten die Medikamente jedoch niemals in Eigenregie absetzen, sondern dies mit ihrem Arzt besprechen.

·       Am Ende der Behandlung sollten übrig gebliebene Antibiotika entsorgt werden. Auf keinen Fall sollte man Medikamente von einer früheren Behandlung auf Gutdünken wiederverwenden.

·       Kinder, Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten sich außerdem nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gegen Pneumokokken und jährlich gegen Influenza impfen lassen. Beide Impfungen schützen nachweislich vor Atemwegserkrankungen und deren Folgen wie etwa Hirnhautentzündungen oder Blutvergiftungen. Neue Studien zeigen auch, dass gerade die Influenza das Risiko für Herzinfarkte und SchlaganfallSchlaganfall
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
drastisch erhöht – und dass die Impfung dieses Risiko reduziert.

·       Generell ist die jährliche Influenza-Impfung für jeden sinnvoll, insbesondere für Menschen mit vielen Kontakten zum Beispiel in medizinischen Berufen.

„Um der Gefahr durch multiresistente Keime zu begegnen, benötigen wir letztendlich immer wieder neue Antibiotika“, erklärt Pletz, „denn die Entwicklung von Resistenzen gehört zur Evolution von Bakterien – und Evolution lässt sich nicht aufhalten. Bis die neuen Substanzen auf dem Markt sind, gilt es, die Verbreitung von Resistenzen zu vermeiden durch verbesserten Infektionsschutz, strengere Krankenhaushygiene und leitliniengerechte Therapiestandards.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)