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28.01.2020

Wie gefährlich ist das neue Coronavirus?

Aufgrund der bislang bekannten Eigenschaften des neuen Coronavirus ist anzunehmen, dass dieses möglicherweise auch das Potenzial hat, durch Mutationen für Menschen noch gefährlicher zu werden. Die Krankenhäuser hierzulande sind aber für eine mögliche EpidemieEpidemie
Tritt eine Erkrankung örtlich und zeitlich stark gehäuft auf, spricht man von einer Epidemie. Trifft beispielsweise eine neue Variante des wandelbaren Influenza-Virus auf eine Bevölkerungsgruppe, die noch keine Abwehr gegen diesen bestimmten Erreger aufgebaut hat, kann diese Virus-Variante sich schnell verbreiten. Die Ausbreitung stoppt erst, wenn der Erreger Menschen befällt, die z.B. aufgrund einer Grippe-Schutzimpfung Antikörper dagegen gebildet haben.
Das amerikanische Center for Disease Control spricht von einer Grippe-Epidemie, wenn die Todesrate durch Influenza und Lungenentzündung (die so genannte Übersterblichkeit) um mehr als 7,5% höher liegt als in einem durchschnittlichen Winter.
Eine Epidemie bleibt im Gegensatz zur Pandemie auf eine bestimmte Region begrenzt.
oder gar PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
gewappnet. Darauf weisen Experten der Lungenstiftung hin.

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Wie die anderen zwei bekannten Coronavirustypen, die für Menschen gefährlich werden können (SARS und MERS), befällt auch das neue Coronavirus (2019-nCOV) die unteren – nicht die oberen – Atemwege. 2019-nCOV benutzt offenbar die gleichen Andockstellen (Zellrezeptoren) wie das SARS-Virus, um in die Lungenzellen bei Menschen einzudringen. Wie man heute weiß, war die Übertragbarkeit zwischen Menschen beim SARS-Virus zunächst mäßig und hat sich dann mit der Zeit (von 2002 bis 2004) aufgrund von Genveränderungen (Mutationen) stark verbessert, so dass das SARS-Virus immer virulenter wurde. Eine solche Anpassung an die Wirtszellen ist bei Coronaviren aufgrund ihrer Fähigkeit zu häufigen Mutationen und Gen-Rekombinationen nicht ungewöhnlich, deshalb muss man damit rechnen, dass auch der neue Erreger (2019-nCOV) seine Übertragbarkeit und Virulenz mit der Zeit noch steigern könnte und damit  auch schwerere Krankheitsverläufe verursachen könnte.

Was bisher über das neue Coronavirus aus China bekannt ist

Der neue Erreger (2019-nCOV) stammt offenbar von einem Markt in Wuhan (China), wo er vermutlich von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Bisher geht man davon aus, dass das neue Vius über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragbar ist, wobei diese sogar eher in Form von größeren Tropfen erfolgen soll als über feinste Aerosole oder andere Krankheitsträger (siehe NEJM; Editorial (24.1.2020). „Das würde die Prävention im Vergleich zur SARS-Epidemie womöglich erleichtern, wobei zur Vorbeugung einer Ansteckung nicht nur das Tragen einer Atemschutzmaske, sondern auch häufiges Händewaschen wichtig ist“, erklärt Prof. Gillissen. Im Gegensatz zu SARS oder MERS soll Sars-CoV-2 bisher eher milde Krankheitsverläufe hervorrufen. Todesfälle sind außerdem bislang ausschließlich bei älteren Menschen mit schweren Begleiterkrankungen (wie Herzkrankheiten oder Diabetes) aufgetreten.

Genomsequenzierung des Virus verbessert das Erkennen von Identifizierten

Vor kurzem wurde das Genom des neuen Coronavirus sequenziert, daher ist der Erreger jetzt durch spezielle Tests schneller identifizierbar. Das berichten Forscher aus Peking (siehe NEJM, Online-Veröffentlichung am 24.1.2020). Genetisch gesehen hat der neue Erreger (2019-nCOV) eine 75 bis 80 %-ige Übereinstimmung mit dem SARS-Virus, vermag aber im Vergleich zum SARS-Virus noch besser in menschlichen Atemwegszellen als in Standard-Kulturzellen zu wachsen und ist noch enger verwandt mit verschiedenen Fledermaus-Coronaviren. „Da das Genom des Erregers jetzt bekannt ist, wird sich die tatsächliche Verbreitung des Virus - weltweit aber u.a. auch auf chinesischen Fisch- und Wildfleischmärkten - und das Auftreten von Infektionen bei Menschen künftig genauer dokumentieren lassen. Außerdem kann die Kenntnis der Genomsequenz auch die Entwicklung von Impfstoffen und antiviralen Medikamenten vorantreiben“, kommentiert Prof. Gillissen die Studienergebnisse.

Milder Krankheitsverlauf erleichtert die Übertragbarkeit des Virus

Bei milden Krankheitsverläufen ist es eher wahrscheinlich, dass einige Krankheitsfälle übersehen werden und das Virus dann unbemerkt von Infizierten an weitere Menschen übertragen werden kann (siehe NEJM, Perspective, 24.1.2020). „Bei geringen Krankheitsbeschwerden können Virusträger auch eher weiterhin zur Arbeit gehen oder verreisen und das Virus somit weiter - auch international - verbreiten“, gibt Prof. Gillissen zu bedenken. Zugleich ist die InkubationszeitInkubationszeit
Die Inkubationszeit ist definiert als der Zeitraum zwischen dem Kontakt mit dem Krankheitserreger bis zum Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen.
des neuen Coronavirus offenbar sehr variabel: Bisher ist bekannt, dass es nach einer Infektion bis zum Auftreten von Symptomen (Fieber, Trockener Husten oder Atemnot) zwei Tage oder auch zwei Wochen dauern kann, was die Virusübertragung von gesund wirkenden Infizierten auf Gesunde in einem relativ weiten Zeitraum ermöglicht.

Krankenhäuser hierzulande sind für Epidemie gewappnet

Man muss also davon ausgehen, dass das neue Coronavirus sich weiter ausbreiten wird und dass es grundsätzlich auch die Potenz hat, durch Mutationen für Menschen noch gefährlicher zu werden. Mit Methoden der Symptomüberwachung (Fieber, trockener Husten und Atemnot), Isolierung von Verdachtsfällen und Kontaktpersonen sowie Quarantäne der Infizierten konnten sowohl das gefährliche SARS-Virus als auch das Ebolavirus unter Kontrolle gebracht werden. „Deshalb ist es momentan so wichtig, jeden einzelnen potenziellen Infektionsfall (z. B. nach einer China-Reise aus dem Wuhan-Gebiet) zu identifizieren und zu analysieren, um noch unbekannte Übertragungsketten so bald wie möglich durchbrechen zu können. Zudem werden mehr molekularbiologische und epidemiologische Daten zur genaueren Einschätzung der Übertragbarkeit des Virus benötigt. Im Bedarfsfall können die Krankenhäuser in Deutschland aber auf jeden Fall auf ausgearbeitete Pandemiepläne zugreifen. Auf diesem Weg ist zu hoffen, dass sich das neue Coronavirus baldmöglichst effektiv eindämmen lässt und wir das gesamte Potenzial dieses Erregers gar nicht erst kennenlernen müssen“, fasst Prof. Gillissen zusammen.

Studien:

Autor: äin-red

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