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25.12.2020

Wie am besten Covid-19 zu Hause überwachen?

Niedrige Sauerstoffwerte können bei CoronaCorona
-Infizierten ein Alarmsignal sein. Messgeräte für den Heimgebrauch – sog. Pulsoximeter - sollen Betroffenen hier mehr Sicherheit geben. Ein Pneumologe sieht diese allerdings kritisch und plädiert stattdessen dafür, eher die Atemfrequenz der Patienten (d.h. die Anzahl Atemzüge pro Minute) im Blick zu behalten.

Eine Tücke an Covid-19 ist, dass die Krankheit in zwei Phasen verlaufen kann. Zunächst fühlen sich Patienten schwach, haben zum Beispiel grippeähnliche Symptome und den bekannten Verlust des Geruchssinns. Dann geht es ihnen kurz besser - doch in ihrem Körper entwickelt sich eine Lungenentzündung. „Sie haben dann zwar ein Krankheitsgefühl und oft eine erhöhte Temperatur, doch in der Regel keine Atemnot. Obwohl wir im CT schon entzündliche Veränderungen der Lunge sehen können“, berichtet der Facharzt Jens Geiseler von der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin. Und das ist tückisch: Denn genau diese Atemnot sei es, die Patienten sonst zum Arzt gehen ließe. In dem Fall könnte es aber sein, dass man die Zeichen nicht erkennt oder vielleicht zunächst nicht ernstnimmt. Was fatale Folgen haben kann, wenn die Infektion unbehandelt fortschreitet. Denn es kann zu schweren Lungenschäden kommen.

Um genau diesem Problem der unbemerkten Entzündung vorzubeugen, sind immer wieder Empfehlungen zu lesen, dass Menschen mit Covid-19 sich ein Pulsoxymeter zulegen sollten. Damit sollen sie die Sauerstoffsättigung im Blut messen können und bemerken, falls dieser Wert in drastischer Weise sinkt.

Pneumologe Geiseler sieht das allerdings kritisch und beruft sich dabei auch auf aktuelle Studienergebnisse (siehe Annals of the American Thoracic Society 2020, Band 17 (9), Seite 1040-1046). Die Geräte für den Heimgebrauch, die es etwa in Apotheken oder Drogeriemärkten gibt, seien zu ungenau - insbesondere in den niedrigeren, aber in diesen Fällen relevanten Sättigungsbereichen. „Sie sind nicht für medizinische Zwecke gedacht, sondern für Fitness“, betont Geiseler. Das Gleiche gelte für Smartwatches und Smartphones mit dieser Funktion.

Außerdem gebe es viele Faktoren, die eine heimische Messung verzerren könnten: unter anderem die Armhaltung, die Lichtverhältnisse und der allgemeine Zustand der Gefäße. Was dazu führen kann, dass der Wert viel höher ist als tatsächlich - oder umgedreht.

Die Bedenken zu den Geräten sind aber nicht die wichtigsten Argumente des Mediziners: Die Sauerstoffsättigung sei vor allem kein verlässliches Symptom für ein frühzeitiges Erkennen solcher gefährlichen Covid-19-Verläufe, betont der Chefarzt für Pneumologie am Klinikum Vest in Marl. Der sogenannte Sauerstoff-Partialdruck (PaO2) könne auch sinken, ohne dass man das an der Sauerstoffsättigung des Hämoglobins im Körper bemerkt. Eine schnelle Atmung könne die Sättigung in solchen Fällen noch hochtreiben, obwohl die Lunge schon nicht mehr wie gewohnt arbeitet.

Genau deshalb rät der Facharzt auch, eher die Atemfrequenz (d.h. Anzahl Atemzüge pro Minute) im Blick zu behalten. „Sie ist für uns der viel empfindlichere und bessere Parameter in solchen Fällen.“ Normalerweise atme man 12 bis 16 Mal pro Minute. „Die Patienten, die in der Frühphase einer solchen Lungenentzündung zu uns kommen, haben häufig eine Atemfrequenz von 22 bis 24 Zügen pro Minute, aber keine Luftnot.“

Er rät Menschen, die sich mit Corona infiziert haben, auf jeden Fall wachsam zu bleiben - gerade, wenn die ersten Symptome nach einigen Tagen abgeklungen sind. Denn die Entzündungen in der Lunge beginnen laut bisherigem Kenntnisstand oft erst am sechsten bis siebten Tag. „Wenn es dann wieder losgeht mit schnellerer Atmung, würde ich das abklären lassen.“ Mit Röntgenbildern der Lunge und Blutgas-Messungen könnten Fachärzte das Risiko einschätzen und Behandlungen empfehlen. „Ich würde aber nicht dazu aufrufen, dass jeder sich als Kontrollgerät so ein Pulsoxymeter zulegt, das eigentlich nur für Sport da ist. Die sind zu ungenau für diese Zwecke“, fasst Geiseler zusammen.

Quelle: dpa