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21.03.2020

Wer sollte sich auf Corona testen lassen – und wer nicht?

Jetzt kann ein Fragebogen der Berliner Charité im Internet anzeigen, ob man sich auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 testen lassen sollte oder nicht. Darauf machen die Lungenärzte des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) aufmerksam und erklären, wann ein Test sinnvoll ist.

Für Menschen, die befürchten, sich mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) angesteckt zu haben, bietet die Berliner Charité jetzt einen persönlichen Fragebogen im Internet an, dessen automatische Auswertung anzeigt, ob man sich auf eine Infektion testen lassen sollte oder nicht. Darauf machen die Lungenärzte des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) aufmerksam. So bekommen Bürger bereits zu Hause eine Entscheidungshilfe, ob ein Test sinnvoll bzw. erforderlich ist und sie tatsächlich eine Untersuchungsstelle aufsuchen sollten. Der Fragebogen nimmt etwa fünf Minuten Zeit in Anspruch und stellt Fragen zu aktuellen Symptomen, Vorerkrankungen, Risikofaktoren wie z. B. Rauchen, Reisen in Risikogebiete und Kontakt zu Verdachtsfällen. Nach Beantwortung des Fragenkatalogs erhält man konkrete Handlungsempfehlungen und eine Zusammenfassung der Daten. Ziel ist es, die Patientenströme in Krankenhäuser und Untersuchungsstellen zu optimieren.

RKI-Kriterien für eine diagnostische Abklärung

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat Kriterien für eine diagnostische Abklärung festgelegt, um eine Überlastung der Testlabore zu vermeiden. Demnach ist der Verdacht auf eine Corona-Infektion nur begründet, wenn Betroffene mindestens eine dieser beiden Bedingungen erfüllen:

  1. Personen mit akuten Atemwegsbeschwerden jeder Schwere oder unspezifischen Allgemeinsymptomen UND Kontakt mit einem bestätigten Fall von Covid-19
  2. Personen mit akuten Atemwegsbeschwerden jeder Schwere UND Aufenthalt in einem Risikogebiet

Wer keine Symptome hat, braucht keinen Test zu machen

„Wer keine Symptome hat, sollte sich also auch nicht testen lassen. Das würde unser Gesundheitssystem unnötig belasten, arbeitstechnisch und finanziell“, erklärt Dr. med. Thomas Voshaar, Vorstandsvorsitzender des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers. Die Laborkosten für einen Test belaufen sich auf rund 130 bis 250 Euro, die von den Krankenkassen nur bei einem begründeten Verdacht übernommen werden und ansonsten selbst getragen werden müssen. „Ein negatives Testergebnis könnte Betroffene in falscher Sicherheit wiegen, so dass sie möglicherweise weniger auf Hygiene und Sicherheitsabstand achten, sich dann aber tatsächlich infizieren und weitere Menschen anstecken“, gibt Dr. Voshaar zu bedenken. Andererseits können zu Beginn einer Infektion die molekularen Krankheitsanzeichen noch so schwach ausfallen, dass der Test – wenn er zu früh durchgeführt wird - falsch negativ ausfällt, obwohl man infiziert ist.

Andere Grippe- und Erkältungsviren lösen ähnliche Symptome aus

Wer hingegen Symptome wie Fieber und trockenen Husten hat, muss auch nicht gleich befürchten, sich mit Coronaviren infiziert zu haben – es gibt sehr viele andere Grippe- und Erkältungsviren, die derzeit kursieren und ganz ähnliche Symptome auslösen können. In manchen Fällen können bei Covid-19 auch weniger typische Symptome wie Atemnot, Kopfweh, Halsschmerzen, Durchfall oder Müdigkeit auftreten. Zwei Drittel der Corona-Patienten aus dem besonders betroffenen Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen berichten nach Angaben des Virologen Prof. Hendrik Streeck von der Uni Bonn auch von Geruchs- und Geschmacksverlust. Es kann gelegentlich wie bei fast allen Viruserkrankungen auch zu einer Bindehautentzündung kommen.

Hygienisches Verhalten wichtiger als Testen, zumal Großteil der Infizierten symptomfrei

Nach Angaben des Immunologen Sergio Romagnani von der Universität in Florenz Womöglich verlaufen 50-75 Prozent der Corona-Infektionen in Norditalien ohne Symptome. „Patienten ohne Symptome machen also wahrscheinlich den Großteil der Infizierten aus“, berichtet Dr. Voshaar. „Gerade deshalb ist viel wichtiger als das Testen, dass sich jeder – egal ob mit oder ohne Krankheitsanzeichen – bewusst ganz hygienisch verhält und unnötigen Kontakt mit Menschen meidet, damit er andere nicht anstecken kann, falls er infiziert ist.“

Quellen:
•    Test der Berliner Charité: https://covapp.charite.de/   
•    La Repubblica am 16.3.2020
•    
Interview mit Prof. Hendrik Streeck in der FAZ vom 16.3.2020

Autor: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) der Deutschen Lungenstiftung. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien ist diese Quellenangabe (in Form eines aktiven Links entweder auf die Startseite oder auf eine Unterseite der Webseite der Lungenärzte-im-Netz) erforderlich, bei Veröffentlichung in Printmedien ist ebenfalls ein Hinweis auf diese Webadresse notwendig.

 

Zusatzinformation: dpa-Meldung am 25.3.2020

RKI: Aufenthalt in Corona-Risikogebiet nicht mehr Test-Kriterium

Berlin (dpa) - Für Coronavirus-Tests hat das Robert Koch-Institut
(RKI) angesichts der PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
seine Linie angepasst. Das bisherige Kriterium, dass ein Patient in einem Gebiet mit Covid-19-Fällen gewesen sein muss, entfalle, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. Angesichts der immer weiteren Ausbreitung des Erregers mache es irgendwann keinen Sinn mehr, nach einzelnen Gebieten zu unterscheiden. Das Institut prüfe auch, wie es in Zukunft mit der Frage der Einstufung anderer Länder oder Regionen als Risikogebiet umgehe.

Prinzipiell sollen nur Menschen mit Symptomen getestet werden, bekräftigte Wieler. Die Entscheidung anhand weiterer Kriterien, wie Kontakt zu einem bestätigten Sars-CoV-2-Fall, treffe der behandelnde Arzt. Ziel sei es, die Testressourcen gezielter einzusetzen, betonte Wieler. Wer mild erkrankt sei und mangels Testkapazitäten derzeit nicht getestet werden könne, solle zu Hause bleiben und Abstand zu anderen halten, appellierte der RKI-Chef.