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08.07.2021

Weniger Atemnot und mehr Lebensqualität durch Lungensport

Atemnot bei Belastung führt oft zu körperlicher Schonung, so dass das körperliche Leistungsvermögen immer weiter abnimmt. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sollten COPD-Patienten an einer Lungensportgruppe teilnehmen. Auf diese Weise können sie ihre Atemnot verringern und ihre Lebensqualität erheblich steigern, betonen Experten der Deutschen Lungenstiftung.

Viele Patienten mit chronischer Raucherbronchitis (COPD) leiden vor allem bei körperlicher Belastung unter Atemnot. Lungensport kann hingegen ihre Luftnot verringern und somit ihre Lebensqualität erheblich steigern. „Die Atemnot von COPD-Patienten ist nicht nur auf die eingeschränkte Funktion ihrer chronisch verengten Lunge zurückzuführen, sondern auch auf einen Trainingsmangel“, erläutert Prof. Adrian Gillissen, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Abteilung für Innere Medizin und PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
von der Ermstalklinik Reutlingen-Bad Urach. Wer bei körperlicher Anstrengung in Atemnot gerät, tendiert dazu, künftig solche Belastungen zu vermeiden und sich körperlich zu schonen. Das führt zu einem Trainingsmangel und einem zunehmenden Verlust der körperlichen Fitness, was noch mehr Atemnot verursacht und daraufhin noch mehr körperliche Schonung etc. „Wird dieser Teufelskreis nicht durchbrochen, kann dies für die Betroffenen eine erhebliche Verschlechterung des körperlichen Leistungsvermögens und der Lebensqualität zur Folge haben, die sogar soweit führt, dass die Patienten ganz alltäglichen Aktivitäten wie einkaufen oder Freunde besuchen nicht mehr nachkommen können. Um das zu verhindern, raten wir Lungenärzte den Patienten zu einer geeigneten Sport- und Trainingstherapie, auch Lungensport genannt.“

Ziele des Lungensports

Lungensport und körperliches Training können die Leistungsfähigkeit der Muskulatur so verbessern, dass höhere Belastungen mit weniger Atemaufwand möglich werden. Zudem können Kraft und Beweglichkeit des Brustkorbs erhalten werden, so dass der Patient besser abhusten kann. „Bei COPD sind die Effekte von Lungensport am besten belegt“, berichtet Prof. Gillissen. Hier führt körperliches Training zu einer Linderung der Beschwerden, zu einer Besserung der körperlichen Belastbarkeit, zu einer Abnahme akuter Verschlechterungen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen (sog. Exazerbationen), sowie zu einer Steigerung der Lebensqualität und sogar zu einer höheren Lebenserwartung. Positive Effekte des Lungensports sind auch für Patienten mit Asthma bronchiale, Lungenfibrose, MukoviszidoseMukoviszidose
Bei der Erbkrankheit Mukosviszidose, an der in Deutschland rund 8.000 Menschen leiden, führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass der Salz- und Wassertransport der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen verändert ist und dadurch ein abnormal zähflüssiger Schleim in Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gebildet wird, der die Bronchien und Verdauungswege verstopft. Atemnot, chronischer Husten, aber auch eine gestörte Verdauung und Infektanfälligkeit sind die Folgen. 
 
und Lungenkrebs berichtet worden.

Lungensportgruppen optimieren das Training für jeden Einzelnen

Vor allem in der Anfangsphase wird das individuelle Trainingspotenzial der Patienten durch das Ausmaß ihrer Atemnot limitiert. Dann können Lungensportgruppen das Training optimieren durch eine geeignete Auswahl der Trainingsinhalte Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit in Abhängigkeit vom individuellen Trainingszustand des Patienten. Die Betreuung in Lungensportgruppen erfolgt durch gut ausgebildete Übungsleiter (hauptsächlich Physiotherapeuten, Fachübungsleiter, Sportlehrer und Sportwissenschaftler), die auch für eine adäquate medizinische Versorgung der Patienten bestens vorbereitet sind. So kann bei auftretender Luftnot während des Trainings z. B. eine Zufuhr von Sauerstoff hilfreich sein, da auf diese Weise eine höhere Sauerstoffsättigung im Blut erreicht wird. Dadurch stellt sich Luftnot - trotz des erhöhten Sauerstoffverbrauchs aufgrund der körperlichen Anstrengung - bei den Patienten weniger schnell ein. Und beim Fahrradtraining auf dem Ergometer kann es für COPD-Patienten z. B. von Vorteil sein, wenn sie nacheinander nur mit jeweils einem Bein fahren. Beim Einsatz von nur einem Bein ist nämlich der Trainingseffekt für den betreffenden Muskel größer als beim zweibeinigen Training, ohne dass dabei der Sauerstoffbedarf des Patienten ansteigt. „So kann man beim Lungensport verhindern, dass die einsetzende Atemnot das Training einschränkt“, resumiert Prof. Gillissen.

Optimaler Trainingsumfang

Optimal wären zwei bis fünf einstündige Übungseinheiten pro Woche. Neben regelmäßigen Übungen zu Hause können Patienten dies durch die Teilnahme an einer Lungensportgruppe realisieren, die meist einmal wöchentlich für jeweils ein bis zwei Stunden stattfindet. Anleitungen zum Aufbau der Trainingseinheiten zu Hause und Informationen zu geeigneten Sport- und Bewegungsarten, auch gerätegestütztem Training, finden Patienten auch im Internet, z. B. auf der Webseite https://www.lungensport.org/. Auch die Deutsche Atemwegsliga ist im Lungensport sehr aktiv und informiert Patienten z. B., wo man sich anmelden kann und was die Krankenkassen an Kosten übernehmen.

Autor: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung der Deutschen Lungenstiftung. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien ist diese Quellenangabe (in Form eines aktiven Links entweder auf die Startseite oder auf eine Unterseite der Webseite der Lungenärzte-im-Netz) erforderlich, bei Veröffentlichung in Printmedien ist ebenfalls ein Hinweis auf diese Webadresse notwendig.