LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

05.11.2018

Weiterer Schritt im Kampf gegen Lungenkrebs

Forscher aus Erlangen-Nürnberg haben herausgefunden, dass ein Transkriptionsfaktor namens NFATc1 die Entstehung von zytotoxischen Molekülen fördert und so den Zelltod von Tumorzellen einleiten kann.

© fotoliaxrender_Fotolia.com

Mehr als eine Million Menschen sterben jährlich weltweit an Lungenkrebs. Als neue Behandlungsmöglichkeit setzen Onkologen auf Immuntherapien. Diese nutzen das körpereigene Abwehrsystem und stimulieren Immunreaktionen, die das Wachstum von Krebszellen verlangsamen oder sogar stoppen. Nun ist Wissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) der Nachweis gelungen, dass ein bestimmtes Protein im Zellkern (der Transkriptionsfaktor NFATc1) die Immunantwort steuert und wesentlich zur Bekämpfung von Lungenkarzinomen beiträgt (siehe Cancer Research, Online-Veröffentlichung am 24.4.2018).

In früheren Untersuchungen hatte das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Susetta Finotto, Leiterin der Molekular-Pneumologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, bereits nachgewiesen, dass Lungentumore fähig sind, die Immunantwort mit Hilfe eines speziellen Proteins umzuprogrammieren. Dabei werden genau jene Zellen ausgeschaltet, die für die Immunabwehr zuständig sind: Die Tumorzellen entziehen sich der Bekämpfung durch das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
.

Nun haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass ein Protein namens NFATc1 bei der Tumorabwehr eine wichtige Rolle spielt: Dieser Transkriptionsfaktor steuert im Zellkern die Ausprägung verschiedener Gene, die wiederum die Funktion sogenannter zytotoxischer T-ZellenT-Zellen
T-Lymphozyten oder T-Zellen kommen hauptsächlich in der Lymphflüssigkeit vor und reifen im Thymus (daher das T) heran. Sie sorgen (wie die B-Lymphozyten auch) für die Immunabwehr und sind sogenannte „immunkompetente Zellen", weil sie die Fähigkeit besitzen, diejenigen Fremdstoffe (bzw. deren Antigene), mit denen sie in Kontakt kommen, individuell zu erkennen und speziell zu bekämpfen.
bestimmen. „NFATc1 fördert die Entstehung von zytotoxischen Molekülen und kann deshalb den Zelltod von Tumorzellen einleiten“, erklärt die Doktorandin Lisanne Heim.

Bei Lungenkrebspatienten in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium beobachtete die Arbeitsgruppe eine progressive Abnahme von NFATc1 im Lungentumorgewebe von nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass NFATc1 bei der funktionellen Wiederherstellung von T-Zellen, die während der Tumorentwicklung gehemmt wurden, bedeutsam ist.

In der Studie untersuchte Lisanne Heim auf Anregung von Prof. Dr. Susetta Finotto auch sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, die in der Immuntherapie gegen Krebs eingesetzt werden. Anstatt gegen Krebszellen direkt vorzugehen, greifen die Moleküle an wichtigen Stellen des Immunsystems an und fördern körpereigene Abwehrmechanismen. Lisanne Heim erforschte den Signalweg von Anti-PD1-Antikörpern im Zusammenhang mit NFATc1. „Unter Verwendung von Anti-PD1-Antikörpern ist der NFATc1-Anteil in T-Zellen höher, was zu einer verstärkten antitumoralen Immunantwort führte“, erläutert die Nachwuchswissenschaftlerin. Die Forscher zeigten, dass es bei einer konditionellen Inaktivierung von NFATc1 in T Zellen zu einem verstärkten Lungentumorwachstum kommt. „Dies konnte mit einer beeinträchtigten Aktivierung und Funktion von T Zellen assoziiert werden."

Das aktuelle Forschungsergebnis trägt zum Verständnis der Wirkungsmechanismen von Anti-PD1-Antikörpern bei und kann so klinische Immuntherapien, die das Wachstum von LungenkrebsLungenkrebs
Das ist der im Brustkorb gelegene Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, in dem die Brusteingeweide untergebracht sind - also das Herz, zugehörige Nerven, Gefäße und Lymphknoten. Die Pleuren (Rippen- und Lungenfell), welche die beiden Brustfellhöhlen mit den Lungenflügeln auskleiden, bilden eine Trennwand zwischen Mediastinum und Lunge. Nach vorne und hinten wird dieser Raum vom Brustbein und der Brustwirbelsäule begrenzt, von oben und unten erstreckt er sich etwa ab Höhe des Schlüsselbeins bis hinunter zum Zwerchfell. 
bekämpfen, möglicherweise erfolgreicher machen.

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg