LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

09.09.2019

Weitere Belege für erhebliche Gesundheitsgefährdung durch E-Zigaretten

Liquids, die viel NikotinNikotin
Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
  * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
  * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
  * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
  * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
  * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
enthalten, können Alterungsprozesse beschleunigen und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen erhöhen. Auch nikotinfreie E-Zigaretten haben negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Darauf verweisen Experten der Deutschen Lungenstiftung unter Berufung auf mehrere aktuelle Studien.

E-Zigaretten, die viel Nikotin freisetzen, können zu einer vorzeitigen Alterung und degenerativen, neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson führen. Davor warnen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung unter Berufung auf aktuelle Studienergebnisse. „US-Forscher der University of California haben nachgewiesen, dass das Nikotin in E-Zigaretten auch von Rezeptoren der neuronalen Stammzellen aufgenommen wird, infolgedessen die Kraftwerke der Zellen (Mitochondrien) Schaden nehmen, so dass die Stammzellen keine neuen Nervenzellen mehr bilden können. Liquids, die viel Nikotin enthalten, können insofern Alterungsprozesse beschleunigen und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen erhöhen“, erklärt Prof. Adrian Gillissen, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Abteilung für Innere Medizin und PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
von der Ermstalklinik Reutlingen-Bad Urach. Weitere Studien aus Los Angeles und North Carolina weisen darauf hin, dass nikotinhaltige E-Zigaretten der Lebergesundheit schaden, indem sie Gene beeinträchtigen, die den Lipidstoffwechsel und die Cholesterinbiosynthese steuern. Außerdem erhöhen nikotinhaltige E-Zigaretten das Risiko für die Entwicklung eines Lungenemphysems, also einer chronischen Lungenerkrankung, da sie – ähnlich wie Tabakrauch - die Bildung Protein abbauender EnzymeEnzyme
Das sind (für den Stoffwechsel aller Lebewesen) unentbehrliche Eiweißkörper, die als Biokatalysatoren biochemische Vorgänge ermöglichen, sie beschleunigen und in eine gewünschte Richtung ablaufen lassen, ohne selbst dabei verändert zu werden. Es gibt eine große Anzahl verschiedener Enzyme, jedes ist für einen bestimmten Vorgang zuständig. Enzyme funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, das heißt jedes Enzym hat eine spezielle Eiweißstruktur, die es befähigt, den Stoff, dessen Reaktion es steuern soll, gezielt zu erkennen (Substratspezifität). So sind im Organismus gleichzeitig eine Vielfalt von unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen möglich. 
(Protease) steigern, die das Lungengewebe angreifen.

Auch nikotinfreie E-Zigaretten schaden den Blutgefäßen

Forscher der University of Pennsylvania haben festgestellt, dass das einmalige Dampfen einer nikotinfreien E-Zigarette bei gesunden Nichtrauchern vorübergehend die Blutgefäßfunktion beeinträchtigt und eine Minderdurchblutung verursacht. Offenbar wandelt der Verdampfungsprozess Bestandteile des Liquids – wie Propylenglykol und Glycerin – direkt in giftige (toxische) Substanzen um, die das Gefäßepithel verändern und dann unmittelbar zu einer verringerten Durchblutung und schlechteren Sauerstoffversorgung führen. Auf lange Sicht dürfte dies bei täglichem Konsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und SchlaganfallSchlaganfall
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
erhöhen, wenn auch die langfristigen Folgen erst noch erforscht werden müssen. „Viele Konsumenten von nikotinfreien E-Zigaretten gehen fälschlicherweise davon aus, dass sie beim Dampfen nur Wasserdampf einatmen. Allerdings enthalten auch die nikotinfreien Liquids Lösungsmittel, Aromastoffe und Zusatzstoffe, die den Blutgefäßen nachweislich schaden und – wie eine ältere Studie zeigte – auch Gefäßentzündungen verursachen können“, betont Prof. Gillissen. Dampfer sollten sich der bisher offensichtlich unterschätzten Gesundheitsgefährdung durch den Konsum von E-Zigaretten bewusst sein und so bald wie möglich eine Entwöhnung anstreben.

Quellen:

    Autor: äin-red

    Dies ist eine Pressemeldung der Deutschen Lungenstiftung. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de.  Bei Veröffentlichung in Online-Medien ist diese Quellenangabe (in Form eines aktiven Links entweder auf die Startseite oder auf eine Unterseite der Webseite der Lungenärzte-im-Netz) erforderlich, bei Veröffentlichung in Printmedien ist ebenfalls ein Hinweis auf diese Webadresse notwendig.