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17.05.2012

Wege zur Transplantation und die medikamentöse Behandlung danach

Welche Auswahlkriterien geeignete Transplantations-Kandidaten erfüllen sollten, nach welchem Punktesystem die Organzuteilung erfolgt, welche Medikamente zur Vermeidung von Komplikationen nach der Transplantation eingenommen werden müssen, und wie wichtig die Therapietreue und psychosoziale Unterstützung des Patienten ist – all dies wird Prof. Tobias Welte, Direktor der Klinik für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
an der Medizinischen Hochschule Hannover und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP, den Besuchern des 5. Symposiums Lunge (am Samstag, den 09. Juni 2012 in Hattingen) in einem Vortrag schildern.

Die Lungentransplantation ist die letzte Therapieoption für Patienten mit einer dauerhaften Atemstörung (sog. chronische respiratorische Insuffizienz) infolge verschiedener Lungenerkrankungen (COPD, Lungenfibrose verschiedener Ursache, Mukosviszidose pulmonale Hypertoniepulmonale Hypertonie
Typisch für das Fortschreiten dieser Erkrankung ist, dass die verschiedenen Zellarten in den Wänden der Lungengefäße zu wuchern beginnen und so die Blutgefäße verengen - ein Vorgang, den die Wissenschaftler Remodeling (struktureller Umbau) nennen. In der Folge muss die rechte Herzkammer das Blut gegen den zunehmenden Widerstand der enger werdenden Gefäße in die Lunge pumpen, was wiederum zu Umbauprozessen des Herzmuskels und schließlich zum Versagen des Herzens führt.
 
). Dennoch stellt es selbst nach mehr als 30 Jahren nach seiner Einführung ein immer noch komplikationsträchtiges Verfahren da, das mit erheblichen Erkrankungs- und Sterberisiken vor, während und nach der Operation verbunden sein kann. Auch wenn die Betroffenen nach erfolgter Lungentransplantation in der Regel mit einer Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit und damit ihrer Lebensqualität rechnen können, bleiben transplantierte Patienten lebenslang auf eine engmaschige ärztliche Überwachung angewiesen und müssen zur Vermeidung von Komplikationen Einschränkungen im Lebensalltag hinnehmen.

Auswahlkriterien, die geeignete Transplantations-Kandidaten erfüllen sollten
Wesentlicher Faktor für ein gutes Transplantationsergebnis ist eine sorgfältige Auswahl geeigneter Transplantationskandidaten. Grundsätzlich steigt das Risiko bei Transplantationen mit dem Alter der Patienten an - und zwar vor allem ab dem 60. Lebensjahr exponentiell. Patienten mit über 60 Jahren werden deshalb nur in Ausnahmefällen zur Transplantation zugelassen. Natürlich erhöhen auch Begleiterkrankungen jeder Art das Risiko für Komplikationen während und nach der Transplantation. Besonders zu nennen sind hier chronische Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen, eine ausgeprägte Divertikulose – eine Erkrankung, die durch Ausstülpungen der Darmwand gekennzeichnet ist), eine Tumorerkrankung in den letzten 5 Jahren, eine schwere Osteoporose sowie ein deutliches Über- oder Untergewicht. Auch die Mobilität des Patienten und sein muskulärer Status vor der Transplantation spielen für das Transplantationsergebnis eine wesentliche Rolle. Bettlägerige, nicht mobile, zu schwache (muskulär dekonditionierte) Patienten sind schlecht geeignete Transplantationskandidaten.

Therapietreue und psychosoziale Unterstützung besonders wichtig
Ein wesentlicher, den Transplantationserfolg bestimmender Faktor ist die Unterstützung des Patienten durch seine Angehörigen, denn die psychosoziale Belastung einer Transplantation ist hoch. Zum Beispiel muss nach der Transplantation eine Vielzahl an Medikamenten eingenommen werden, um Komplikationen zu vermeiden. Der Therapietreue des Patienten (sog. Compliance) kommt daher eine wesentliche Bedeutung zu. Ein stabiles intaktes Lebensumfeld zur Unterstützung des Patienten spielt insofern bei der Indikation zur Transplantation ebenfalls eine wesentliche Rolle.

Organzuteilung erfolgt jetzt nach einem neuen Punktesystem
Für besonders dringende Patienten, die schnell in einen lebensbedrohlichen Zustand geraten, hat die Eurotransplant Stiftung, die für die Organvergabe in Deutschland verantwortlich ist, Möglichkeiten zu einer bevorzugten Organbereitstellung eingerichtet. Ende 2011 wurde das sogenannte Auditorverfahren, bei dem bisher drei internationale Gutachter über eine Höherstufung entschieden, vom Lung Allocation Score (LAS) abgelöst, der in den USA bereits seit Jahren maßgeblich ist. Die Organzuteilung erfolgt jetzt nach einem Punktesystem. Wesentliches Kriterium für die Punktevergabe ist der durch die Transplantation zu erwartende Vorteil an Lebenserwartung.

Medikamente zur Vermeidung von Komplikationen nach der Transplantation
Akute und chronische Organabstoßung, Infektionen, Atemwegsverengungen (Stenosen) und die Verschlechterung von Begeleiterkrankungen (Komorbiditäten - vor allem die Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz) stellen wesentliche Komplikationen nach der Lungentransplantation dar. Zur Vermeidung dieser Komplikationen muss eine Vielzahl an Medikamenten regelmäßig eingenommen werden. Dazu gehören in der Regel drei verschiedene ImmunsuppressivaImmunsuppressiva
Medikamente, die das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) unterdrücken.
, Medikamente zur Vorbeugung (Prophylaxe) verschiedener Infektionen (Aspergillus, Pneumocystis) sowie Medikamente zur Vermeidung von über die Lunge hinausgehenden Erkrankungen (z.B. gegen BluthochdruckBluthochdruck
Laut Hochdruckliga liegt der ideale Blutdruck bei 120/80 mmHg. Bluthochdruck ist eine krankhafte Steigerung des Blutdruckes in den Arterien auf einen systolischen Wert von über 140 mmHg und einen diastolischen Wert von über 90 mmHg. Bluthochdruck ist ein wichtiger Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, Nierenschwäche und Herzschwäche.
, Diabetes etc.). Regelmäßige Kontrollen der Lungenfunktion zu Hause mit dafür geeigneten Geräten und der Blutspiegel der Immunsuppressiva sind notwendig. Bei Verschlechterungen der LungenfunktionLungenfunktion
des Patienten zu Hause sollte sofort Kontakt mit dem Transplantationszentrum aufgenommen werden, um die Ursache frühzeitig abklären und behandeln zu lassen.

Zusammenfassend stellt die Lungentransplantation in erfahrenen Zentren ein Verfahren da, das zu einer Verlängerung der Lebenserwartung und einer Verbesserung der Lebensqualität beiträgt. Eine vernünftige Auswahl der Transplantationskandidaten und eine engmaschige Überwachung des Patienten nach der Transplantation sind entscheidende Faktoren für den Erfolg einer Transplantation.

Quelle: Vortrag von Prof. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), auf dem 5. Symposium Lunge am Samstag, den 09. Juni 2012 in Hattingen

Anfragen bezüglich des Symposiums Lunge 2012 richten Sie bitte an die Organisationsleitung Jens Lingemann
Telefon: 02324 - 999 959