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16.06.2021

Was tun gegen Covid-Lungenfibrosen?

SARS-CoV-2 ist ein fibrogenes Virus, daher müssen Infizierte u.U. mit der Entwicklung von Lungenfibrosen rechnen. Die Frage, ob und wie sich diese vermeiden lassen, ist derzeit allerdings nur schwer beantworten.

Foto: Krankenhaus Bethanien Moers

Viele Mechanismen, die SARS-CoV-2 nutzt, um Wirtszellen zu entern und zu schädigen, finden sich auch in der Pathophysiologie der „gewöhnlichen“ idiopathischen Lungenfibrose (IPF) wieder. Teilweise sind sie sogar als therapeutische Angriffspunkte (sog. Targets) im Gespräch, erklärt Prof. Dr. Gisli Jenkins vom Imperial College London. Zum Beispiel helfen Integrine und Galectin dem Virus beim Eintritt in die Zellen, Januskinasen und mTOR sind bei intrazellulären Signalprozessen beteiligt. Wirkstoffe, die an diesen Targets ansetzen, könnten sowohl zur Behandlung von COVIDCOVID
siehe "Was ist Covid?"
-19 als auch bei der IPF geeignet sein.

COVID-19-assoziierte Fibrosen erscheinen radiologisch meist als ausgedehnte, subpleural gelegene Milchglasläsionen, berichtet Prof. Dr. Antje Prasse von der Klinik für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
der Medizinischen Hochschule Hannover. Diese Milchglastrübungen lösen sich bei zuvor gesunden Patienten in der Regel wieder auf, was allerdings dauern kann. Anders bei vorbestehender interstitieller Lungenerkrankung. In diesen Fällen bleiben die radiologischen Veränderungen häufig längerfristig bestehen – soweit sich das nach rund einem Jahr PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
sagen lässt. Die Krankenhausmortalität der Betroffenen ist signifikant erhöht, vor allem die der über 60-Jährigen. Neben dem Schweregrad der Lungenerkrankung wirkt offenbar auch das Alter als Risikofaktor für bleibende (persistierende) fibrotische Schäden. Deren Bild ist sehr bunt und ähnelt in Teilen dem bei anderen Viruspneumonien – es scheint keine COVID-19-spezifischen Restsymptome zu geben.

Das Management der pulmonalen Veränderungen ist erschwert durch die Tatsache, dass Vorhersage-Marker weitgehend fehlen. Bei welchem Patienten sich die Fibrose spontan auflösen und bei wem sie fortbestehen wird, lässt sich schlicht nicht vorhersagen. Jeden Patienten wieder und wieder zur Computertomografie (CT) zu schicken, ist weder praktikabel noch zielführend.

Insofern empfiehlt sich eine pragmatische, an Klinik und einfach zu erhebenden Funktionsparametern orientierte Strategie. „Vor allem müssen wir die Patienten im Auge behalten, die persistierende Symptome zeigen“, betonte Prof. Prasse. Wer nach drei Monaten noch über Husten und Atemnot klagt, sollte auf jeden Fall dem Pneumologen vorgestellt werden.

Spricht die Lungenfunktionsmessung (Spirometrie) für eine restriktive Ventilationsstörung, rät die Kollegin zur CT-Kontrolle, von deren Befund sie das therapeutische Vorgehen abhängig macht: Spricht der Befund für eine Honigwabenbildung, zieht sie eine antifibrotische Therapie in Erwägung. Liegen solche Veränderungen nicht vor, was auf die meisten ambulanten Patienten zutrifft, sei hingegen Zurückhaltung angezeigt.

Patienten mit ausgeprägter Symptomatik und Sauerstoff-Entsättigung in Ruhe oder im Sechsminutengehtest können niedrig dosierte Steroide erhalten, die die Auflösung von CT-Veränderungen wie Milchglastrübungen, netzförmige (retikulären) Zeichen oder fibrotischen Bändern unterstützen. Schreitet die Fibrose trotz Steroidgabe fort, führt Prof. Prasse eine Biopsie durch, um anhand des Befundes zu entscheiden, ob sie eine antifibrotische Therapie beginnt oder nicht.

Ob im Gefolge der CoronaCorona
-Pandemie mit einer Welle von pulmonalen Fibrosen zu rechnen ist, wie manche Experten fürchten, lässt sich derzeit nicht abschätzen. „Fibrosen entwickeln sich über einen langen Zeitraum“, erinnerte Prof. Jenkins. „Ich rechne nicht damit, eine Fibrose-EpidemieEpidemie
Tritt eine Erkrankung örtlich und zeitlich stark gehäuft auf, spricht man von einer Epidemie. Trifft beispielsweise eine neue Variante des wandelbaren Influenza-Virus auf eine Bevölkerungsgruppe, die noch keine Abwehr gegen diesen bestimmten Erreger aufgebaut hat, kann diese Virus-Variante sich schnell verbreiten. Die Ausbreitung stoppt erst, wenn der Erreger Menschen befällt, die z.B. aufgrund einer Grippe-Schutzimpfung Antikörper dagegen gebildet haben.
Das amerikanische Center for Disease Control spricht von einer Grippe-Epidemie, wenn die Todesrate durch Influenza und Lungenentzündung (die so genannte Übersterblichkeit) um mehr als 7,5% höher liegt als in einem durchschnittlichen Winter.
Eine Epidemie bleibt im Gegensatz zur Pandemie auf eine bestimmte Region begrenzt.
sechs oder zwölf Monate nach COVID-19 zu sehen, sondern 10 bis 15 Jahre später.“

 

Quelle: Medical Tribune vom 18.5.2021 & Kongressbericht über ERS Satellites 2021