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05.10.2011

Was Patienten mit COPD zur Vorbeugung von Osteoporose tun sollten

Bei Patienten mit chronischer Raucherbronchitis (COPD) kommen meist gleich mehrere Faktoren zusammen, die ihr Risiko für Knochenschwund deutlich erhöhen. Die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung e.V. (DLS) in Hannover raten ihnen daher unter anderem, sich regelmäßig aktiv zu bewegen, auf eine Kalzium- und Vitamin-D-reiche Ernährung zu achten und unbedingt auf das Rauchen zu verzichten.

Patienten mit chronischer Raucherbronchitis (COPD) haben ein erhöhtes Risiko für Knochenschwund (Osteoporose) und sollten daher bestimmte Vorsorgemaßnahmen befolgen. Dazu raten die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung e.V. (DLS) in Hannover. „COPD ist eine entzündliche Erkrankung, die chronisch und systemisch ist - das heißt, sie ist nicht heilbar und kann außer der Lunge noch weitere Körperorgane betreffen, wenn man nichts gegen sie unternimmt“, erläutert Prof. Harald Morr, Vorstandsvorsitzender der DLS und Direktor der Pneumologischen Klinik Waldhof Elgershausen in Greifenstein. „Neben der systemischen Entzündung, die das Osteoporose-Risiko offenbar direkt erhöht, kommen bei COPD-Patienten meist noch weitere Risikofaktoren hinzu – wie Rauchen, fehlende körperliche Bewegung und oft auch eine mangelhafte Ernährung. Gleichzeitig verringern bestimmte Medikamente (so genannte orale Kortikoide, die Patienten mit schwerer COPD über längere Zeit in Tablettenform einnehmen müssen), die Knochendichte.“

Knochenverlust bei Rauchern doppelt so groß wie bei Nicht-Rauchern

Rauchen führt zu einer mangelhaften Versorgung des Knochengewebes und schädigt so die Knochen. „Der jährliche Knochenverlust ist bei Rauchern etwa doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern“, betont Morr. „Auch Bewegungsmangel, zu dem viele COPD-Patienten aufgrund ihrer Atemnot bei körperlicher Belastung neigen, ist eine wesentliche Ursache für die Entwicklung der Osteoporose. Daher sollte unbedingt auf das Rauchen verzichtet werden und gleichzeitig ein regelmäßiges Bewegungsprogramm in den Alltag integriert werden. Geeignet sind alle Aktivitäten, die die Muskulatur beanspruchen und dadurch zu einem Aufbau von Knochenmasse beitragen. Das kann zum Beispiel ein gezieltes Krafttraining sein, aber auch regelmäßiges Spazierengehen fördert den Knochenaufbau.“

Mit bewusster Ernährung gegensteuern

Zur Vorbeugung einer Osteoporose sollte man auch bewusst auf die Ernährung achten. „Hier gilt es, sich Kalzium- und Vitamin-D-reich zu ernähren, aber Phosphate und Oxalsäure zu meiden“, erklärt Morr. „Empfehlenswert sind daher Milchprodukte wie Hartkäse und Joghurt sowie bestimmte Gemüsesorten wie Brokkoli, Grünkohl und Fenchel, die viel Kalzium enthalten. Vitamin DVitamin D
Vitamin D ist die Vorstufe (Provitamin) für eine Reihe von Hormonen, die den Kalziumhaushalt wesentlich mitbestimmen. Der menschliche Körper kann dieses Provitamin selbst aus Cholesterin herstellen. Voraussetzung dafür ist aber eine ausreichende Bestrahlung der Haut mit Sonnenlicht (UV-Licht). Ist diese nicht gegeben, muss Vitamin D über die Nahrung bzw. ergänzende Präparate aufgenommen werden.
Vitamin D3 = Calcitrol – d.h. diejenige Vitamin D-Form, die der Körper direkt nutzen kann. 
 
ist reichlich vorhanden in Fisch, Eiern, Milch und Butter. Außerdem wird es vom Körper mit Hilfe der UV-Strahlung selbst gebildet, daher sollte man täglich mindestens eine halbe Stunde draußen im Tageslicht verbringen. Phosphate vermindern die Verfügbarkeit von Kalzium für die Knochen. Daher sollte auf zu viel Fleisch und Wurst, Schmelzkäse und Softdrinks wie Coca-Cola verzichtet werden. Auch Oxalsäure ist ein Kalzium-Räuber, der sich vor allem in schwarzem Tee, Kakaopulver und Spinat findet.“

Spezielle Fraktur-Prophylaxe in schweren Fällen

Bei Patienten mit schwerer COPD, die länger als drei Monate ein orales Kortikoid einnehmen müssen, bekommen etwa 30 bis 50 Prozent der Betroffenen eine Osteoporose. „Dabei ist der Verlust an Knochenmasse in den ersten drei bis zwölf Monaten der Behandlung besonders hoch“, berichtet Morr. „Daher wird bei einer solchen langfristigen Kortikoidtherapie von Anfang an eine spezielle Fraktur-Prophylaxe verordnet, die den Patient ausreichend mit Calzium und Vitamin D versorgt. Sollte die Knochendichte bereits stark verringert sein, können zusätzlich spezielle Medikamente zur Osteoporose-Therapie (so genannte Bisphosphonate) verordnet werden.“