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22.04.2020

Warum Raucher besonders gefährdet sind für einen schweren Verlauf von Covid-19

Einer aktuellen Studie von kanadischen Forschern zufolge haben Raucher ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung hin und erklären, woran das liegt.

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Rauchen ist ein erheblicher Risikofaktor für eine Coronavirus-Infektion und einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19. Eine aktuelle Studie von kanadischen Forschern (siehe European Respiratory Journal, Online-Veröffentlichung am 8.4.2020) kann erklären, warum Raucher ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 aufweisen. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung hin. „Das liegt nicht nur daran, dass Raucherlungen durch den Tabakkonsum vorgeschädigt sind. Die Forscher haben herausgefunden, dass Raucher ein bestimmtes Enzym stärker produzieren als Nichtraucher – das so genannte ACE2 (Angiotensin converting enzymeenzyme
Das sind (für den Stoffwechsel aller Lebewesen) unentbehrliche Eiweißkörper, die als Biokatalysatoren biochemische Vorgänge ermöglichen, sie beschleunigen und in eine gewünschte Richtung ablaufen lassen, ohne selbst dabei verändert zu werden. Es gibt eine große Anzahl verschiedener Enzyme, jedes ist für einen bestimmten Vorgang zuständig. Enzyme funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, das heißt jedes Enzym hat eine spezielle Eiweißstruktur, die es befähigt, den Stoff, dessen Reaktion es steuern soll, gezielt zu erkennen (Substratspezifität). So sind im Organismus gleichzeitig eine Vielfalt von unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen möglich. 
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). Dieses Enzym befindet sich auf der Zelloberfläche in den unteren Atemwegen und wird von Coronaviren wie SARS-CoV-2 als Eingangspforte genutzt, um in die Zellen einzudringen und sich dort zu vervielfältigen“, erklärt Prof. Dr. Stefan Andreas, Beiratsmitglied der Deutschen Lungenstiftung, Facharzt für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
, Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin und Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen (Kreis Kassel) sowie des Bereiches Pneumologie (F&L) an der Universitätsmedizin Göttingen. Theoretisch könnte die chronische Unterversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) durch das Rauchen dazu führen, dass vermehrt ACE2 gebildet wird - das ist aber noch nicht wissenschaftlich belegt.

Das Risiko von Rauchern setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen

Je mehr Eintrittspforten die SARS-CoV-2-Viren vorfinden, umso leichter und schneller kann es zu einer Coronavirus-Infektion mit schwerem Verlauf kommen. Dabei kommt bei Rauchern noch hinzu, dass ihre Selbstreinigungsfunktion der Atemwege herabgesetzt ist, weil die Flimmerhärchen in der Atemwegsschleimhaut nach jeder Zigarette über Stunden außer Kraft gesetzt werden. Wenn Partikel und Viren, die in die Atemwege eingedrungen sind, nicht von den Flimmerhärchen beseitigt werden, können sie von dort in die unteren Atemwege vordringen und dort eine Lungenentzündung verursachen, die dann einen schweren Verlauf nehmen kann, vor allem wenn das lokale ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
- wie bei Rauchern infolge der inhalierten Schadstoffe häufig – geschwächt ist. Außerdem ist die Infektionsgefahr bei Rauchern dadurch erhöht, da sie beim Tabakkonsum immer wieder die Zigarette zum Mund führen, wobei mögliche Viren von der Hand dann besonders leicht auf die Schleimhaut von Mund und - bei unbewusster Berührung - auch von Nase oder Auge übertragen werden können.

Am besten mit dem Rauchen aufhören

Der genannten Studie zufolge geht auch eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) mit erhöhten ACE2-Leveln einher. Insofern sind COPD-Patienten, die zusätzlich rauchen, doppelt gefährdet. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Wer mit dem Rauchen aufhört, kann seine ACE2-Werte senken. Exraucher ohne COPD und Nichtraucher weisen der Studie zufolge vergleichbare Mengen an ACE2 auf und hätten damit kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19. Nach einem Rauchstopp können sich neben vielen weiteren gesundheitlichen Aspekten auch die Abwehrkräfte und die LungenfunktionLungenfunktion
wieder verbessern. „Bei den Milliardenausgaben, die zur Eindämmung der Corona-EpidemieEpidemie
Tritt eine Erkrankung örtlich und zeitlich stark gehäuft auf, spricht man von einer Epidemie. Trifft beispielsweise eine neue Variante des wandelbaren Influenza-Virus auf eine Bevölkerungsgruppe, die noch keine Abwehr gegen diesen bestimmten Erreger aufgebaut hat, kann diese Virus-Variante sich schnell verbreiten. Die Ausbreitung stoppt erst, wenn der Erreger Menschen befällt, die z.B. aufgrund einer Grippe-Schutzimpfung Antikörper dagegen gebildet haben.
Das amerikanische Center for Disease Control spricht von einer Grippe-Epidemie, wenn die Todesrate durch Influenza und Lungenentzündung (die so genannte Übersterblichkeit) um mehr als 7,5% höher liegt als in einem durchschnittlichen Winter.
Eine Epidemie bleibt im Gegensatz zur Pandemie auf eine bestimmte Region begrenzt.
zur Verfügung gestellt werden, sollten wir diskutieren, ob die medikamentöse Tabakentwöhnung zumindest für die Dauer der Epidemie von den Krankenkassen bezahlt wird“, schlägt Prof. Dr. Andreas vor. Dies würde schwere Verläufe reduzieren und damit das Gesundheitssystem entlasten. In anderen europäischen Ländern werden Medikamente zur Tabakentwöhnung kostenlos angeboten.

Autor: äin-red

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