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03.01.2018

Warum manche Menschen besonders anfällig für Allergien sind

Das Risiko für Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma wird meist gemeinsam vererbt. Dabei erhöht eine Vielzahl von Genorten das Risiko für alle drei Erkrankungen. Das zeigen Studienergebnisse des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin in internationaler Zusammenarbeit.

Was hat ein allergischer Hautausschlag mit Asthma und Heuschnupfen zu tun? Allergische Erkrankungen treten oft gleichzeitig oder hintereinander auf. Gibt es Gene, die das Risiko für alle Allergien erhöhen, oder bedingt eine allergische Erkrankung die andere? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die gegenwärtige Forschung.

Bislang befassten sich genetische Studien mit den einzelnen allergischen Erkrankungen. Für die sogenannte SHARE-Studie wurde jetzt ein neuer Ansatz gewählt, indem die drei häufigsten allergischen Erkrankungen - Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma - gemeinsam ins Visier genommen wurden. Dadurch konnte nachgewiesen werden, dass eine Vielzahl von Genorten das Risiko für alle drei Erkrankungen erhöht (siehe Nature Genetics, Online-Veröffentlichung am 30.10.2017). Insgesamt wurden 136 mit Allergien assoziierte Genregionen gefunden, von denen 73 zum ersten Mal in diesem Zusammenhang beschrieben werden.

„Um die genetischen Risikofaktoren für allergische Erkrankungen identifizieren zu können, müssen sehr große Datensätze untersucht werden“, erklärt Prof. Young-Ae Lee, Wissenschaftlerin am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin und Leiterin der ECRC-Hochschulambulanz für Pädiatrische Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin. Deshalb haben sich Allergie-Forscher aus aller Welt zum sogenannten SHARE-Konsortium zusammengeschlossen, in dem die Daten aller teilnehmenden Forschergruppen gemeinsam ausgewertet wurden. Im Gegensatz zu früheren Studien wurden alle Patienten eingeschlossen, die entweder an Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma oder einer Kombination dieser allergischen Erkrankungen litten. In der weltweit größten Studie zu genetischen Risiken allergischer Erkrankungen wurden die in den Genomen von 180.000 Patienten identifizierten Varianten mit denen von 180.000 Kontrollpersonen verglichen.

Den 136 identifizierten Genregionen, die das Risiko erhöhen, eine oder mehrere allergische Erkrankungen zu entwickeln, konnten 244 mögliche Krankheitsgene zugeordnet werden, von denen die meisten an der Regulation des Immunsystems beteiligt sind. Offenbar gibt es eine genetische Veranlagung (Prädisposition) für eine Überreaktion des Immunsystems, zu der es typischerweise bei allen allergischen Erkrankungen kommt. Ob dies letztendlich zu einer Allergie führt und zu welcher, hängt wahrscheinlich von weiteren genetischen Faktoren und von Umwelteinflüssen ab. Für 16 der identifizierten Gene sind Veränderungen der Erbsubstanz DNA durch chemische Veränderungen (Methylierungen) bekannt, die durch Umweltfaktoren ausgelöst werden und zur Genregulierung beitragen.

„Die Ergebnisse dieser Studie liefern eine Erklärung dafür, warum bestimmte Personen besonders anfällig für Allergien sind“, erklärt Prof. Lee. Meistens wird ein erhöhtes Risiko für alle drei Erkrankungen - Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma - vererbt. Neue gezielte therapeutische Ansätze sollten sich somit gegen alle drei Erkrankungen richten. Interessanterweise werden 34 der identifizierten Gene bereits als Zielmoleküle für Medikamente untersucht, im Zusammenhang mit neuen Therapien gegen Allergien, Autoimmunerkrankungen oder Krebs.

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft