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29.02.2012

Vorsicht vor Legionellen in weniger frequentierten Hotels

Die Legionärskrankheit (Legionellose) wird oft im Urlaub erworben, wie erst kürzlich in einem Hotel an der Costa Blanca: Dort sind 15 Touristen und drei Angestellte aufgrund von Bakterien (Legionellen) in der Wasserversorgung erkrankt, drei von ihnen starben sogar daran. Eine Infektionsgefahr besteht aber nicht nur an warmen Urlaubsorten. Ausschlaggebend für das Gedeihen der Bakterien ist nämlich nicht die Umgebungstemperatur, sondern die Temperatur im Wasserrohr. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) in Berlin aufmerksam.

Legionellen sind Bakterien der Art Legionella pneumophila, die sich gerne in Warmwasserleitungen, die wenig benutzt werden, tummeln und dort vermehren. Wenn sie dann z.B. nach dem Aufdrehen eines Wasserhahns eingeatmet werden, können sie eine mitunter tödlich verlaufende Lungenentzündung hervorrufen – die so genannte Legionärskrankheit bzw. Legionellose. Die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Berlin raten daher, in weniger frequentierten Hotels vor dem Benutzen einer Dusche oder Badewanne die Wasserhähne aufzudrehen, dabei nicht einzuatmen und dann das Wasser bei geschlossener Türe einige Minuten laufen zu lassen. „Auf diese Weise können die meisten Bakterien mit dem ersten Wasserschwall ausgespült werden“, erklärt Prof. Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der DGP und Ärztlicher Direktor der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft in Schmallenberg. „Anschließend sollte man vor Benutzung des Badezimmers den Raum aber noch gut durchlüften. Weitere Infektionsquellen können z.B. auch selten benutzte Klimaanlagen oder Whirlpools in wenig besuchten Hotels sein. Betroffen sind überwiegend Leitungen mit so genannten Stagnationen - in denen das Wasser also oft steht, weil es nicht benutzt wird, so dass sich leicht Biofilme bilden können.“

Aktuell 15 Menschen in einem Hotel an der Costa Blanca erkrankt, drei davon tödlich!

Viele Legionellosen werden im Urlaub erworben, wie erst kürzlich in einem Hotel an der Costa Blanca: Dort sind 15 Touristen und drei Angestellte aufgrund von Legionellen in der Wasserversorgung erkrankt, drei von ihnen starben sogar daran. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblattes scheint eine einfache Hyperchlorinierung des Wassers, wie sie angeblich Mitte Januar in dem Hotel durchgeführt wurde, häufig nicht ausreichend zu sein. So wurden in dem betroffenen Hotel wenige Tage später erneut Legionellen nachgewiesen. Daher soll das Hotel erst nach kompletter Desinfektion der sanitären Leitungen wieder eröffnet werden.

Infektionsgefahr nicht auf warme Urlaubsländer beschränkt

Die Legionärskrankheit wird von den European Centers for Disease Control and Prevention auch als reise-assoziierten Erkrankung (travel-associated Legionnaires’ disease= TALD) bezeichnet. „Allerdings besteht nicht nur an warmen Urlaubsorten eine Infektionsgefahr“, warnt Köhler. „Ausschlaggebend für das Gedeihen der Bakterien ist nämlich nicht die Umgebungstemperatur, sondern die Temperatur im Wasserrohr. Auch hierzulande dürfte es Gebäude mit zeitweise stagnierenden Warmwasserrohren geben.“

Erkrankung oft nicht oder zu spät erkannt

Gewöhnlich bricht die Legionärskrankheit zwischen zwei und zehn Tagen nach der bakteriellen Infektion aus und verläuft dann ähnlich wie eine Grippe mit Kopf- und Muskelschmerzen, trockenem Husten und Fieber. Am häufigsten sind Männer über fünfzig Jahren betroffen. „Auch wenn die Erkrankung vergleichsweise selten auftritt, endet sie doch gerade bei Älteren und Immungeschwächten aufgrund von Komplikationen, die mit einer Lungenentzündung verbunden sein können, in mehr als 10-15 Prozent tödlich“, betont Köhler. „Ein anderes Problem ist, dass Legionellosen oft nicht bzw. zu spät erkannt werden. Zur effektiven Behandlung müssen aber möglichst zeitnah hoch dosierte Antibiotika verabreicht werden.“