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12.03.2021

Vorhersage anhaltender COVID-19-Symptome noch nicht möglich

Anhaltende Symptome nach einer Covid-19-Erkrankung (sog. Long Covid) scheinen nicht mit der Schwere der ursprünglichen Infektion oder einzelner Parameter, die bei ambulanten Nachsorgeterminen gemessen wurden, in Zusammenhang zu stehen.

Ob bei Patienten, die an Covid-19 erkrankt waren, spätere Symptome von Long Covid – also Atemprobleme, Müdigkeit und ein schlechter Allgemeinzustand - mit der anfänglichen Schwere der Covid-19-Erkrankung zusammenhängen, war bisher wenig bekannt. In einer neuen Studie hat eine Arbeitsgruppe aus Irland die Wiederherstellung der Lungenfunktion und des allgemeinen Gesundheitszustandes bei Personen mit unterschiedlichen Schweregraden einer COVID-19-Erkrankung untersucht (siehe Annals of the American Thoracic Society, Online-Veröffentlichung am 6.1.2021). Dr. Liam Townsend und seine Koautoren analysierten eine Reihe von Parametern, die zur Beurteilung einer Genesung von 153 Patienten herangezogen wurde. Diese waren in einer ambulanten Klinik für einen medianen Zeitraum von 75 Tagen nach ihrer COVID-19-Diagnose nachbeobachtet worden.

„Wir fanden heraus, dass Müdigkeit, ein schlechter Allgemeinzustand und Atemnot nach COVID-19 häufig waren“, berichtet Townsend, der an der Abteilung für Infektionskrankheiten des St. James’s Hospital und der Abteilung für klinische Medizin des Trinity Translational Medicine Institute des Trinity College in Dublin (Irland) arbeitet. „Diese Symptome schienen jedoch nicht mit der Schwere der ursprünglichen Infektion oder eines einzelnen Parameters, der bei einem ambulanten Nachsorgetermin gemessen wurde, in Zusammenhang zu stehen.“

Townsend und Kollegen stuften den Schweregrad der initialen Infektion danach ein, ob eine Hospitalisierung erforderlich oder nicht erforderlich beziehungsweise ein Intensivversorgung notwendig war. Fast die Hälfte der in der Studie betrachteten Patienten (n=74) mussten in der Phase der akuten Infektion stationär aufgenommen werden.

Die Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen der COVID-19-Erkrankung von Patienten bei Erstvorstellung einerseits sowie Anomalien beim Röntgen-Thorax, der 6-Minuten-Gehstrecke und dem Empfinden der Patienten bei maximaler körperlicher Anstrengung während der Nachsorgetermine andererseits. Zudem machten die Probanden Angaben dazu, ob sie sich müde fühlten und ob sie glaubten, wieder gesund zu sein. Ihre Antworten wurden anhand validierter Skalen bewertet.

Das Studienteam untersuchte auch die Röntgenbilder der Teilnehmer, um eine anhaltende Infektion oder eine signifikante Fibrose festzustellen, und führte bei Patienten mit einem anomalen Röntgen-Thorax eine Computertomographie durch. Zudem wurde das Blut untersucht, um Krankheitsindikatoren wie C-reaktives Protein zu messen.

„Wir waren von unseren Ergebnissen überrascht. Wir erwarteten eine größere Anzahl von Anomalien beim Röntgen-Thorax. Wir erwarteten außerdem, dass die Indikatoren für eine anhaltende Erkrankung und anomale Befunde mit der Schwere der Erstinfektion zusammenhängen, was nicht der Fall war“, erklärte Townsend.

Die Ergebnisse der Autoren legen nahe, dass COVID-19 keine signifikante Fibrose verursacht, da eine Narbenbildung in der Lunge laut den CT-Scans bei nur 4 Prozent der Studienteilnehmer auftrat, nachdem in einer größeren Gruppe Röntgenaufnahmen frühere Anomalien gezeigt hatten.

Das Empfinden, dass ihre Gesundheit nicht vollständig wiederhergestellt sei, hatten 62 Prozent der Patienten, während bei 47 Prozent eine Fatigue beobachtet wurde. Patienten, die das Gefühl hatten, sich bei mittelschwerer körperlicher Betätigung übermäßig anstrengen zu müssen, berichteten auch, dass sie sich müde und nicht gesund fühlten. Die Dauer der stationären Krankenhausaufenthalte und die Gebrechlichkeit der Patienten waren mit einer kürzeren Sechs-Minuten-Gehstrecke verbunden.

„Diese Ergebnisse haben Auswirkungen auf die klinische Versorgung, da sie zeigen, wie wichtig es ist, alle Patienten, bei denen COVID-19 diagnostiziert wurde, unabhängig von der Schwere der Erstinfektion zu überwachen. Es ist nicht möglich vorherzusagen, wer anhaltende Symptome haben wird“, fasst Townsend zusammen.

Quelle: Biermann Medizin am 13.1.2021