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26.01.2011

Viele Lungenpatienten benötigen zusätzlichen Sauerstoff auf Flugreisen

COPD-Patienten erleiden auf Flugreisen sechs mal häufiger Atemnotanfälle als Gesunde. Das haben Norwegische Forscher festgestellt. Patienten mit chronischen Lungen- erkrankungen sollten daher vom Lungenarzt abklären lassen, ob sie im Flugzeug zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Dazu raten die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP).

Patienten mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung wie COPD (chronische Raucherbronchitis) sollten vor dem Antritt einer Flugreise abklären, ob sie im Flugzeug zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Dazu raten die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne. „Norwegische Forscher haben in einer aktuellen Studie (siehe Respiratory Medicine 2011, Band 105/1, Seite 50-56)) aufgezeigt, dass COPD-Patienten auf Flugreisen sechs mal häufiger Anfälle von Atemnot erleiden als Gesunde“, berichtet Prof. Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der DGP und Leiter der Lungenfachklinik Kloster Grafschaft im sauerländischen Schmallenberg.

Kabinendruck sinkt mit steigender Höhe

Langstreckenflugzeuge bewegen sich meist in einer Höhe von 9 bis 11 km, so dass während eines Fluges der Kabinendruck (das heißt: der Sauerstoffpartialdruck der eingeatmeten Luft) sinkt. „Dann herrschen in etwa die gleichen Bedingungen wie im Gebirge in 2000 bis 2500 Meter Höhe“, erklärt Prof. Köhler. „Infolgedessen sinkt auch der Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blut - und zwar von 70 mm Hg auf etwa 50-60 mm Hg, was einer Sauerstoffsättigung des Blut von 90% oder etwas weniger entspricht. Für einen gesunden Menschen ist das im Allgemeinen völlig unproblematisch, da der verminderte Sauerstoffdruck durch eine schnellere, tiefere Atmung ausgeglichen wird. Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD - oder auch LungenhochdruckLungenhochdruck
Typisch für das Fortschreiten dieser Erkrankung ist, dass die verschiedenen Zellarten in den Wänden der Lungengefäße zu wuchern beginnen und so die Blutgefäße verengen - ein Vorgang, den die Wissenschaftler Remodeling (struktureller Umbau) nennen. In der Folge muss die rechte Herzkammer das Blut gegen den zunehmenden Widerstand der enger werdenden Gefäße in die Lunge pumpen, was wiederum zu Umbauprozessen des Herzmuskels und schließlich zum Versagen des Herzens führt.
 
bzw. Lungenfibrose - können allerdings bereits unter normalen Bedingungen einen erniedrigten Sauerstoffpartialdruck von 60 mmHg haben. Damit benötigen sie zwar auf dem Boden meist noch keine Sauerstoffzufuhr. Wenn dann aber in der Flugzeugkabine ein weiterer Druckabfall erfolgt, kann die kritische Grenze von 50 mmHg schnell unterschritten werden. Auf Langstreckenflügen wird ein Mindestsauerstoffpartialdruck von 55 mmHg empfohlen.“

Rechtzeitig vor Flugreise vom Lungenfacharzt beraten lassen

Die Gabe von zusätzlichem Sauerstoff wird angeraten, wenn der Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blut des Patienten während des Fluges voraussichtlich unter 50 mmHg absinkt. „Das muss in Abhängigkeit vom Sauerstoff- und Kohlendioxidpartialdruck des Patienten unter Normalbedingungen, aber auch von der jeweiligen Flugdauer und vom Flugzeugtyp abgeschätzt werden, weil z.B. der Kabinendruck bei einer Boing 737 geringer ist als bei anderen Flugzeugtypen“, erläutert Prof. Köhler. „Betroffene Patienten sollten daher rechtzeitig vor einer beabsichtigten Flugreise unbedingt einen Kontrolltermin mit Ihrem Lungenfacharzt vereinbaren und sich vom ihm individuell beraten lassen. Sind sie auf dem Flug voraussichtlich auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesen, muss mit der betreffenden Fluggesellschaft im Vorfeld abgeklärt werden, ob ein tragbares Sauerstoffgerät zur Verfügung gestellt werden kann bzw. dessen Mitnahme erlaubt ist, welche Kosten damit verbunden sind und inwiefern die Versicherung diese übernimmt.“