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08.04.2015

Übergangsformen zwischen bekannten Lungenerkrankungen

Über spezielle Überlappungssyndrome zwischen Asthma und COPD, bzw. Lungenfibrose und Emphysem sowie Möglichkeiten ihrer Erkennung und Behandlung wird Prof. Dr. Helmut Teschler, Ärztlicher Direktor des Westdeutschen Lungenzentrums am Universitätsklinikum Essen einen Vortrag auf dem 8. Symposium Lunge am 12. September 2015 halten.

Nicht immer ist eine eindeutige Unterscheidung (Differenzierung) von Asthma bronchiale und COPD möglich. Für diese Mischform wurde von Experten der GINAGINA
Die Abkürzung GINA stammt aus dem Englischen: „Global Initiative for Asthma“.
- und der GOLD-Initiative 2014 erstmals der Begriff Asthma-COPD-Overlap-Syndrom (kurz ACOS) geprägt. Als unabdingbare Voraussetzung für ein ACOS wird das Vorliegen einer dauerhaften Atemwegsverengung (irreversible Obstruktion) gefordert. Damit kommt ein ACOS nicht infrage, wenn die Verengung durch Einsatz von Bronchien erweiternden Medikamenten komplett umkehrbar (reversibel) ist.

Typischerweise sind ACOS-Patienten älter als 40 Jahre, da eine COPD bei jüngeren Patienten normalerweise nicht vorkommt. Erste Publikationen zeigen, dass ACOS-Patienten relativ viele Medikamente benötigen, da sie unter mehr Beschwerden leiden und Verschlechterungen (Exazerbationen) noch häufiger als bei COPD allein auftreten. Als Klassiker gilt ein Patient, der als Kind oder Jugendlicher bereits unter Asthma bronchiale litt und später auch angefangen hat zu rauchen sodass sich ein Mischbild entwickeln konnte. Ein weiteres Erscheinungsbild ist z. B. bei Patienten zu finden, die nie an Asthma bronchiale erkrankt sind, aber unter einer allergischen Rhinokonjunktivits (z.B. Heuschnupfen) leiden. Kommt auch hier der Faktor Rauchen oder eine andere – oft berufliche – chronische Schadstoffeinwirkung (Noxe) hinzu, kann ein ACOS entstehen. Es ist zu vermuten, dass zirka 15-20% aller Patienten mit Asthma bronchiale oder COPD die Kriterien für ein ACOS erfüllen.

Die ACOS-Diagnose sollte nur nach ausführlicher Diagnostik (LungenfunktionLungenfunktion
, Computertomographie des Thorax, Hauttest, Eosinophile im Blut, etc.) gestellt werden. Die Behandlung erfolgt überwiegend wie bei Asthma bronchiale, d.h. inhalierbare Steroide stehen definitiv an erster Stelle, und zwar in Kombination mit einem Betamimetikum. Haben die Patienten weitere Beschwerden, kann man – wie neuerdings auch bei Asthma bronchiale - ein langwirksames Anticholinergikum (Tiotropium) hinzugeben.

Die Kombination aus Lungenfibrose und Lungenemphysem - engl.: Combined Pulmonary Fibrosis and Emphysema (CPFE) - ist ein neu definiertes Syndrom, bei dem ein Emphysem in den oberen Lungenabschnitten mit einer Lungenfibrose in den unteren Lungenarealen vergesellschaftet ist. Diese Patienten sind gekennzeichnet durch eine Lungenfunktion mit oft erstaunlich guten Werten (gering verminderte dynamische und statische Lungenvolumina). Im Gegensatz dazu findet sich oft eine überraschend stark ausgeprägte Gasaustauschstörung mit schwerer Hypoxämie – also ein zu geringer Sauerstoffgehalt im arteriellen Blut und damit eine verringerte Sauerstoffsättigung des Blutfarbstoffes HämoglobinHämoglobin
Ein eisenhaltiges Transportprotein, an das 4 molekulare Sauerstoffteilchen (O2) binden können.
 
. Bei Patienten mit CPFE findet sich überzufällig häufig ein LungenhochdruckLungenhochdruck
Typisch für das Fortschreiten dieser Erkrankung ist, dass die verschiedenen Zellarten in den Wänden der Lungengefäße zu wuchern beginnen und so die Blutgefäße verengen - ein Vorgang, den die Wissenschaftler Remodeling (struktureller Umbau) nennen. In der Folge muss die rechte Herzkammer das Blut gegen den zunehmenden Widerstand der enger werdenden Gefäße in die Lunge pumpen, was wiederum zu Umbauprozessen des Herzmuskels und schließlich zum Versagen des Herzens führt.
 
der die Prognose der Betroffenen ungünstig beeinflusst. Rauchen wurde als der wichtigste Faktor für die Entstehung dieser Erkrankung vorgeschlagen, obwohl die genaue Pathophysiologie noch nicht abschließend erforscht ist. Die hochauflösende Computertomographie des Thorax ist der Goldstandard in der Diagnostik dieser seltenen Erkrankung mit schlechter Prognose. Ein Rauchstopp ist die wichtigste therapeutische Maßnahme.

Auf dem Symposium Lunge 2015 in Hattingen werden die hier vorgestellten Krankheitsbilder und deren Überlappungssyndrome als Fallvorstellungen präsentiert. Dabei wird der Versuch einer Differenzierung einerseits und der Darstellung von Gemeinsamkeiten dieser Krankheitsbilder andererseits anhand charakteristischer Befunde unternommen.

Quelle: Vortrag von Prof. Helmut Teschler, Ärztlicher Direktor des Westdeutschen Lungenzentrums am Universitätsklinikum Essen, auf dem 8. Symposium Lunge am Samstag, den 12. September 2015 von 9:00-17:00 Uhr in Hattingen (NRW).
Anfragen bezüglich des Symposiums richten Sie bitte an:

Organisationsbüro Symposium-Lunge
Jens Lingemann
symposium-org@copd-deutschland.de
Telefon: 02324 - 999 959
Alle Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier: Symposium Lunge 2015
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