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22.03.2019

Tuberkulose - eine der ältesten Krankheiten der Menschheit eliminieren

Um eine Elimination der Tuberkulose zu erreichen, wäre ein jährlicher Rückgang der TB-Erkrankungen in Deutschland um 10 Prozent erforderlich. Darauf weist das Robert Koch-Institut anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tags am 24. März hin.

Tuberkulose (abgekürzt: TB oder TBC) ist eine heilbare Krankheit. Aber bei ihrer Bekämpfung stehen Experten vor vielen Problemen. Die Zahl der Tuberkuloseerkrankungen in Europa ist rückläufig, doch Entwarnung wollen Gesundheitsexperten nicht geben. „Jede Stunde wird bei 30 Menschen in der europäischen Region die bakterielle Infektionskrankheit TBC diagnostiziert“, heißt es in einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU-Präventionsbehörde ECDC.

„Obwohl Tuberkulose eine uralte, vermeidbare und heilbare Krankheit ist, verursacht sie immer noch zu viel Leid und den Tod vieler Menschen in der EU und darüber hinaus“, betont Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Dem Bericht zufolge sind 2017 in den 53 Ländern der Region 275.000 neue Diagnosen und Rückfälle registriert worden. 77.000 Menschen litten an schwer zu behandelnder multiresistenter TBC. Dass die Medikamente nicht mehr anschlagen, sei eine zunehmende Herausforderung. Die meisten Länder hätten Probleme damit, ihre Patienten erfolgreich zu behandeln. In den 31 Ländern der EU und des Europäischen Wirtschaftsraumes (inklusive Norwegen, Liechtenstein, Island) gab es 55.337 TBC-Fälle. Dort wurden nur etwas mehr als 1000 Fälle von multiresistenter Tuberkulose registriert. „Da die Belastung in der Region sehr unterschiedlich ist, müssen die Ansätze von Land zu Land angepasst werden“, erklärt ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

Ziel sei es, die Krankheit bis 2030 in Europa auszurotten. Voraussetzung dafür sei jedoch eine korrekte und schnelle Diagnose. „Je früher ein Patient diagnostiziert wird, desto schneller kann er behandelt und eine Übertragung der Krankheit verhindert werden“, heißt es in dem Bericht.

Die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen in Deutschland war 2018 ähnlich hoch wie 2017, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tags am 24. März. Der Gedenktag wird jedes Jahr an diesem Datum begangen, da das Tuberkulose-Bakterium am 24. März 1882 entdeckt wurde.

Ein jährlicher Rückgang um 10 Prozent wäre aber erforderlich, um das Ziel der Weltgesundheitsorganisation zu erreichen, Tuberkulose bis 2050 zu eliminieren. „Daher sind in der Tuberkulosekontrolle auch in Deutschland zusätzliche Anstrengungen notwendig“, betont Lothar H. Wieler, Präsident des RKI im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung. Dem RKI wurden 2018 insgesamt 5.429 Fälle übermittelt (Datenstand 1.3.2019), 2017 waren es 5.486, 2016 betrug die Zahl der übermittelten Fälle 5.949.

In Deutschland gibt es modernste Diagnoseverfahren, wirksame Medikamente, nationale Leitlinien und ein gutes Überwachungssystem (Surveillance). Damit steht ein Großteil der für die Elimination erforderlichen Instrumente zur Verfügung. Dennoch werden Erkrankte häufig erst spät diagnostiziert. Von zentraler Bedeutung in der Tuberkulosekontrolle sind leistungsfähige Gesundheitsämter, um im Umfeld eines Tuberkulosepatienten infizierte oder bereits erkrankte Personen zu identifizieren und eine Verbreitung der Tuberkulose zu verhindern.

Bei TB-Symptomen wie länger bestehendem Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsabnahme sollte immer auch an Tuberkulose gedacht werden. Bedeutsam sind auch eine frühzeitige Resistenztestung und eine resistenzgerechte Behandlung. „Auch die molekulare Surveillance ist ein wichtiger Beitrag zur Elimination der Tuberkulose und sollte landesweit etabliert werden“, betont Lothar H. Wieler. Bei der Molekularen Surveillance wird die Erbsubstanz der Tuberkulose-Bakterien mit modernen Sequenzierverfahren entschlüsselt und der so gewonnene genetische Fingerabdruck mit Meldedaten verknüpft. So können Übertragungswege besser aufgeklärt und Ausbruchsgeschehen erkannt und gestoppt werden.

Quelle: dpa & Robert Koch-Institut (RKI)