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03.02.2020

Trotz Lungenkrebs nach fünf Tagen wieder beschwerdefrei!

Anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar soll ein überraschend positiv verlaufender Fall von LungenkrebsLungenkrebs
Das ist der im Brustkorb gelegene Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, in dem die Brusteingeweide untergebracht sind - also das Herz, zugehörige Nerven, Gefäße und Lymphknoten. Die Pleuren (Rippen- und Lungenfell), welche die beiden Brustfellhöhlen mit den Lungenflügeln auskleiden, bilden eine Trennwand zwischen Mediastinum und Lunge. Nach vorne und hinten wird dieser Raum vom Brustbein und der Brustwirbelsäule begrenzt, von oben und unten erstreckt er sich etwa ab Höhe des Schlüsselbeins bis hinunter zum Zwerchfell. 
vorgestellt werden - dank der Durchführung eines molekularen Tumorgenomtests und einer individuell zugeschnittenen Therapie mit präzisionsonkologischen Medikamenten.

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Kerstin ist 30 Jahre alt, als sie die Diagnose Lungenkrebs bekommt. Sie hat nie geraucht. Da bricht eine Welt zusammen", berichtet sie. Ein Tumorgenomtest auf einen bestimmten krebsauslösenden Treiber ist positiv. Statt der üblichen Chemo- und Immuntherapie bekommt Kerstin nach einer Operation ein neues Medikament, das genau ihren krebsauslösenden Treiber ausschaltet. Fünf Tage später ist sie beschwerdefrei.

Die Entwicklung präzisionsonkologischer Arzneimittel ist ein weiterer Fortschritt in der Krebstherapie. Dabei wird nicht geschaut, wo der Tumor im Körper sitzt, sondern welche molekulargenetischen Eigenschaften er aufweist. Diese können mithilfe eines Tests ermittelt werden und danach, individuell auf den Patienten abgestimmt, behandelt werden. Tumorgenomtests sind jedoch noch nicht immer Bestandteil der Routineuntersuchung. Onkologen wollen daher zum

Weltkrebstag am 4. Februar mit Kerstins Geschichte darauf aufmerksam machen, wie molekulare Diagnostik die Krebstherapie verbessern kann.

Alles begann mit Schmerzen im linken Brustkorb, hinzu kamen Atemnot und Bluthusten. Kerstin verlor an Körpergewicht und fühlte sich von Tag zu Tag schlechter und schwächer - sie ging zum Arzt. „Plötzlich steht der Onkologe vor dir und erklärt dir, dass du einen 2 cm großen Tumor in der Lunge hast.“ Kerstins Diagnose lautet: nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom - die häufigste Form von Lungenkrebs. Das war im März 2017.

Die weiteren Untersuchungen zeigten, dass Kerstin bereits mehrere Tumore in der Lunge sowie MetastasenMetastasen
Vom Krebs ausstreuende Tochter-Geschwülste
im Becken, an der Wirbelsäule und im Hüftgelenk hatte. Eine erste molekulare Testung auf gängige Treibermutationen, die typischerweise das Wachstum von Lungentumoren

fördern, ergab keine Anhaltspunkte. Kerstin wurde zunächst operiert. Danach blieb dem behandelnden Oberarzt, Dr. Maximilian Hochmair, Leiter der pneumo-onkologischen Ambulanz und Tagesklinik am Krankenhaus Nord, Klinik Floridsdorf, Wien, nur die Chemotherapie, gefolgt von einer Immuntherapie, um Kerstin zu behandeln.

Doch damit gab sich der Onkologe nicht zufrieden. Lungenkrebs in diesem jungen Alter und ohne jemals geraucht zu haben, ist ungewöhnlich. Es musste eine andere Ursache geben. Schließlich fand die Pathologin mithilfe eines weiteren molekularen Tests eine sogenannte NTRK-Genfusion (NTRK = Neurotrophe Tyrosin-Rezeptor-Kinase). Diese genetische Veränderung gilt als stark krebsauslösend und fördert Signalwege, die das Wachstum von Tumoren anregen. Die daraus entstehenden Tumore können überall im Körper auftreten, da sie in verschiedensten Zellen und Geweben vorkommen. Exakt für diese genetische Veränderung gibt es inzwischen einen präzisionsonkologischen Wirkstoff.

„Als der Onkologe gesagt hat, dass es für mich etwas gibt, habe ich mich extrem gefreut. Dass man die Hoffnung wieder hat, dass man leben kann, dass man gesund wird! Bis dato hieß es nur, du bist unheilbar krank.“ Zu Beginn der Therapie war Kerstin in einem sehr schwachen Allgemeinzustand. Nur fünf Tage später hatte sie keine Beschwerden mehr. Eine Röntgenuntersuchung nach zehn Tagen zeigte: Der Krebs bildete sich zurück.  „Ich habe mich von Tag zu Tag besser gefühlt, am zweiten Tag war der Husten weg, am dritten Tag habe ich keinen Schleim und kein Blut mehr gehustet und am fünften Tag habe ich mich auf das Fahrrad gesetzt und bin eine große Runde mit meinen Kindern gefahren, ohne Atemnot, ohne irgendwelche Beschwerden. Das war Wahnsinn, wirklich schön.“ Die Patientin lebt seitdem ein komplett normales Leben.  „Ich kann wieder alles machen, was ich machen möchte. Ich bin einfach nur glücklich und dankbar, dass das alles so funktioniert hat.“

Präzisionsonkologische Medikamente sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur individuellen Krebstherapie mit dem Ziel der Chronifizierung - vollständig heilen können sie den Krebs jedoch wahrscheinlich nicht. Voraussetzung ist die molekulare Testung des Tumorgewebes. Hierbei wird das Erbgut des Tumors untersucht. Bei mehr als einem Drittel der Patienten, die einen Tumorgenomtest durchführen lassen, werden genomische Veränderungen gefunden, für die passende Therapien verfügbar sind.

Führende Fachgesellschaften auf dem Gebiet der Onkologie wie die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) empfehlen eine Tumorgenomtestung auf krebsauslösende Veränderungen, für die Therapien zur Verfügung stehen (siehe Positionspapier, Januar 2019). Zum jetzigen Zeitpunkt wird jedoch nur ein kleiner Teil der Krebspatienten molekulardiagnostisch getestet, da dies noch nicht zur Routineuntersuchung gehört. Die DGHO fordert daher eine flächendeckende Verfügbarkeit sowie die schnelle, qualitätsgesicherte molekulare Diagnostik in der Onkologie. Patienten oder Angehörige sollten den behandelnden Arzt darauf ansprechen, ob eine molekulare Diagnostik sinnvoll ist.