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04.07.2007

Tabak stärker verstrahlt als Blätter aus Tschernobyl

Griechische Forscher haben festgestellt, dass Tabakrauch bis zu tausend Mal stärker mit radioaktiven Substanzen wie Polonium und Radium belastet ist, als Pflanzenblätter mit Caesium-137, die aus der Gegend von Tschernobyl stammen. Diese Erkenntnis betrifft auch Passivraucher.

Bei der Vielzahl der im Tabakrauch vorkommenden Schadstoffe wird häufig eine Klasse übersehen – nämlich die radioaktiven Substanzen. Dabei wurde bereits 1965 nachgewiesen, dass in Tabakblättern das radioaktive Isotop Polonium 210Polonium 210
Polonium verflüchtigt sich in der brennenden Zigarette bei 600 bis 800 Grad Celsius. 30 bis 50 Prozent des Stoffes gelangen so in den inhalierten Rauch. Die strahlenden Teilchen setzen sich hauptsächlich in den äußeren Gewebsschichten der Lunge und den Schleimhäuten der Bronchien fest. Bei Rauchern ist die dort gemessene Radioaktivität bis zu hundertmal höher als im Rest der Lunge. 
 
 
enthalten ist, welches sowohl über Phosphatdünger als auch über die Luft in die Pflanzen gelangt. Etwa 25 Jahre später entdeckten finnische Forscher dann auch Plutonium im Tabak. Jetzt haben griechische Wissenschaftler um Constantin Papastefanou von der Aristoteles Universität in Thessaloniki festgestellt, dass Zigarettentabak sogar stärker radioaktiv belastet ist, als Pflanzenblätter, die in der Umgebung des verstrahlten Kernkraftwerkgebietes in Tschernobyl wachsen. Insgesamt sei die natürliche, radioaktive Belastung von Tabak mit Polonium und Radium bis zu tausend Mal höher als jene durch Caesium-137 in Pflanzen rundum Tschernobyl, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Papastefanou und seine Kollegen analysierten, wie viel Radioaktivität ein Raucher, der 30 Zigaretten pro Tag raucht, zu sich nimmt. Daraus errechneten sie eine Dosis von 251 Micro-Sieverts pro Jahr, verglichen mit 0,199 aus Pflanzenblättern, die aus der Gegend um Tschernobyl stammen, wie sie in der Fachzeitschrift Radiation Protection Dosimetry berichten. Zwar mache die Radioaktivitätsmenge infolge von Tabakgenuss nur etwa zehn Prozent der Strahlung aus, der ein Mensch aus natürlichen Quellen ausgesetzt ist. Dennoch seien die Auswirkungen keinesfalls zu unterschätzen. So seien viele Wissenschaftler davon überzeugt, dass bereits eine Strahlendosis von 80 Millirem, die ein durchschnittlicher Raucher in zehn Jahren aufnimmt, zum Wuchern von bösartigen Tumoren führen kann. Einige gehen sogar davon aus, dass so mancher Krebstod bei Rauchern durch eben diese Radioaktivität hervorgerufen sein könnte – und nicht allein durch NikotinNikotin
Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
  * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
  * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
  * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
  * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
  * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
und Teer. „Ein starker Raucher verpasst seinen Bronchien die gleiche Strahlenmenge, die bei 250 Röntgenaufnahmen in der Lunge entstehen würde“, kommentiert Matthias Risch, Professor für Umwelttechnik und Physik von der Fachhochschule Augsburg, die Untersuchungsergebnisse. „Dabei sollte auch nicht übersehen werden, dass Passivraucher ebenfalls betroffen sind: Denn die meiste Radioaktivität - etwa 30 Prozent - geht in den Nebenstromrauch über, und rund 20 Prozent gelangt in die Asche“, erklärt Risch. „Für uns Wissenschaftler sind diese Befunde eigentlich ein alter Hut, da sie schon seit Jahrzehnten bekannt sind. Aber es kann sicherlich nichts schaden, darüber erneut zu berichten, damit mehr Menschen Bescheid wissen“, kommentiert Prof. Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP). Lesen Sie hier weitere Meldungen zum Thema "Rauchen".

Quelle:
Radiation Protection Dosimetry (2007), Band 123, Seite 68.
Zusammenfassung (abstract)