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16.08.2019

Strahlentherapie erzielt bei bestimmten Lungenkrebspatienten doppelte Überlebenszeit

Eine Strahlentherapie zusätzlich zur Chemotherapie kann die Überlebenszeit von Patienten mit wenig metastasiertem, nicht-kleinzelligen Lungenkrebs verdoppeln.

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Wenn das Wort „Metastasierung“ (d.h. die Bildung von Tochterzellen durch einen bösartigen Tumor) fällt, denken viele Patienten, dass die Krebserkrankung nicht heilbar ist oder sogar der baldige Tod zu erwarten ist. Heutzutage ist jedoch dank der modernen Medizin auch bei MetastasenMetastasen
Vom Krebs ausstreuende Tochter-Geschwülste
meistens eine deutliche Verlangsamung des Erkrankungsverlaufes möglich, manchmal sogar eine Heilung.

Bei sogenannter Oligo-Metastasierung (aus dem Griechischen oligo = wenige) sind zwar bereits einzelne Tumorabsiedlungen vorhanden, der Krebs hat sich aber noch nicht unkontrolliert im Körper ausgebreitet, so dass es sinnvoll sein kann, gezielt die Metastasen zu entfernen, um die Heilungsaussichten zu verbessern. Dies kann chirurgisch oder nicht-invasiv mit einer Hochpräzisions-Strahlentherapie erfolgen. Der sogenannte nicht-kleinzellige Lungenkrebs (non small cell lung carcinoma = NSCLC) ist eine Krebserkrankung, bei der es oftmals zur Oligo-Metastasierung kommt: Beim NSCLC ist bei bis zur Hälfte der Patienten die Metastasierung auf wenige Lokalisationen begrenzt.

Jetzt hat sich in einer aktuellen Studie zur Behandlung von Patienten mit nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit maximal drei Metastasen (oligometastasiert) eine Hochpräzisionsbestrahlung zusätzlich zur Chemotherapie als hocheffektiv erwiesen und das Gesamtüberleben der Patienten erheblich verlängert (siehe Journal of Clinical Oncology, Online-Veröffentlichung am 8.5.2019).

Das Gesamtüberleben beträgt zurzeit in der Bestrahlungsgruppe median 41,2 gegenüber 17,0 Monate in der Kontrollgruppe, die nur Chemotherapie erhielten. Von den Patienten, bei denen es im Verlauf zum Fortschreiten der Tumorerkrankung (Progression) gekommen war, hatten diejenigen aus der Bestrahlungsgruppe sogar eine viermal längere Überlebenszeit, als die der Kontrollgruppe (37,6 versus 9,4 Monate). Diese Patienten wurden individuell weiterbehandelt. Von den 20 Patienten der Kontrollgruppe, die eine Tumorprogression hatten, wurden neun daraufhin ebenfalls lokal bestrahlt, ihr Überleben liegt derzeit bei durchschnittlich 17 Monaten.

Inzwischen hat das Data and Safety Monitoring Board (DSMB), ein unabhängiges Gremium zur Beobachtung der Daten und Überwachung der Patientensicherheit, empfohlen, die Studie vorzeitig zu beenden, um keinem geeigneten Patienten die Option der Konsolidierungsbehandlung unnötig vorzuenthalten.

Nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) sollte dieses Studienergebnis Eingang in die Leitlinien finden: „Die Studie zeigt, dass Patienten mit einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom in einem metastasierten Stadium mit bis zu drei Metastasen von einer lokalen Behandlung zusätzlich zur Chemotherapie profitieren können. Dabei hat sich die lokale Bestrahlung sehr gut bewährt, die in dieser Studie bei ca. 85% der Patienten zum Einsatz kam. Dies sollte auch Eingang in die Leitlinien finden, sodass diesen Patienten mit ein NSCLC eine lokale Konsolidierungsbestrahlung angeboten wird“, erklärt Prof. Dr. Rainer Fietkau, Erlangen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.