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08.09.2017

Stickoxid-Grenzwerte drinnen höher als draußen - warum?

An zahlreichen Messstationen hierzulande werden die EU-Grenzwerte für Stickoxide verletzt. Am Arbeitsplatz hingegen dürfen die Werte 24 Mal höher sein. Klingt unsinnig - ist es das aber auch?

© Photographee.eu - Fotolia.com

Stickoxide sind schlecht für Gesundheit und Natur - darum gibt es einen EU-weiten Grenzwert: Im Jahresmittel darf die Belastung im Freien nicht über 40 Mikrogramm pro Kubikmeter liegen. Stickstoffdioxid entsteht beispielsweise bei der Benutzung von Dieselmotoren, aber auch bei Schweißvorgängen, bei der Dynamit- und Nitrozelluloseherstellung. Stickstoffdioxid, Ozon und FeinstaubpartikelFeinstaubpartikel
Genauer gesagt geht es um lungengängigen Feinstaub mit einem Durchmesser von kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5).
können insbesondere bei Asthmatikern deren überempfindlichen Atemwege reizen und zu einer Verschlimmerung der asthmatischen Beschwerden führen. Immer wieder taucht die Frage auf, warum dann der Grenzwert für manche Arbeitsplätze in Deutschland bei 950 Mikrogramm liege, also um ein Vielfaches höher. Ist der Außen-Grenzwert übertrieben niedrig oder der Arbeitsplatz-Grenzwert viel zu hoch?

Das Umweltbundesamt erläutert dies auf seiner Homepage: Der Luft im Freien sind alle Menschen ausgesetzt - auch Kinder, Schwangere, Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma. Grundlage für die Außen-Grenzwerte seien über Jahrzehnte in Studien beobachtete Auswirkungen.

Arbeitsplatzgrenzwerte (Ableitung aus der Maximalen Arbeitsplatz-Konzentration, MAK) dagegen gelten nur für gesunde Arbeitende an Industriearbeitsplätzen und im Handwerk - acht Stunden täglich und für maximal 40 Stunden pro Woche. Die Arbeitnehmer, die berufsbedingt Schadstoffen ausgesetzt seien, würden zusätzlich arbeitsmedizinisch betreut.

Im Innenraum können hohe Stickstoffdioxid-Konzentrationen insbesondere durch Verbrennungsprozesse, beispielsweise bei der Nutzung von Kaminfeuern, Gasherden oder Holzöfen, entstehen. Fehlen jedoch solche Quellen in Innenräumen, so wird die Qualität der Innenraumluft unmittelbar von der Außenluftbelastung beeinflusst: Hohe Stickstoffdioxidkonzentrationen in der Außenluft, zum Beispiel in der Nähe stark befahrener Straßen, können also auch zu einer stärkeren Belastung in Innenräumen führen.

Für Büros und private Räume gelten laut UBA noch einmal andere Werte, nämlich der sogenannte „Richtwert II“ in der Innenraumluft von 60 Mikrogramm pro Kubikmeter im Wochenmittel, er kommt noch aus den 1990er Jahren. „Diese höhere Konzentration kann, besonders für empfindliche Personen bei Daueraufenthalt in den Räumen, eine gesundheitliche Gefährdung sein“, schreibt die Behörde. Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte AIR strebe daher die Aktualisierung der Bewertung für den Stickoxid-Wert im Innenraum an.

Quelle: dpa