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09.12.2020

Spanische Grippe und Covid-19 - vergleichbar oder nicht?

Oft werden die Todesursachen von COVID-19 mit jenen einer saisonalen Grippe verglichen. Eine Studie vorliegender Autopsieberichte zeigt nun, dass dieser Vergleich hinkt.

In den Jahren 1918/1919 wütete die spanische Grippe und tötete weltweit rund 50 Millionen Menschen. Die aktuelle COVID-19-PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
hat bisher über 1.33 Millionen Menschenleben gefordert (Stand: 18.11.20). Oft werden die Todesursachen von COVID-19 mit jenen einer saisonalen Grippe verglichen. Eine Studie vorliegender Autopsieberichte zeigt nun, dass dieser Vergleich hinkt (siehe The Journal of Pathology, Online-Veröffentlichung am 13.11.2020).

Eine Forschergruppe um Prof. Dr. Holger Moch, Direktor des Instituts für Pathologie und Molekularpathologie am Universitätsspital Zürich, hat die Autopsiebefunde von 411 Patienten ausgewertet, die zwischen Mai 1918 und April 1919 an der „spanischen Grippe“ (Influenza A-Pandemie) im Universitätsspital Zürich verstorben sind und mit jenen der bisher veröffentlichen COVID-19 Autopsien verglichen.

Dabei zeigt sich ein frappanter Unterschied: In keinem einzigen der Autopsieberichte zur spanischen Grippe werden sichtbare Blutgerinnsel erwähnt. Dagegen wird in 36 % der 75 bisher publizierten COVID-19 Autopsien eine Lungenarterien-Thrombose, bzw. eine Lungenembolie angegeben. Und dies obschon diese Patienten eine für hospitalisierte Patienten normale Thrombose-Prophylaxe erhielten. Dieser Befund steht im Einklang mit der Erkenntnis aus früheren Studien, wonach COVID-19 zu einer generalisierten Entzündung des Gefäß-Endothels und damit zu vermehrter Blutgerinnselbildung führen kann. Dies würde die hohe Inzidenz von Lungenembolien erklären, auch bei Patienten ohne zugrundliegende tiefe Venenthrombose oder sonstiger Risikofaktoren für Thrombosen.

In den ersten Monaten des Ausbruchs gab es nur sehr wenige Autopsien von COVID-Opfern. Auch heute noch sind sie im Verhältnis zur Zahl der Todesfälle selten. Was sich aus der bisherigen Datenlage aber zweifelsfrei feststellen lässt: Bei COVID-19 Patienten werden sehr oft eine fortschreitende, lebensbedrohliche Lungenentzündung sowie thromboembolische Ereignisse beobachtet. Auch sogenannte kapillare Mikrothromben, also Blutgerinnsel in den feinsten Gefäßen werden bei CoronaCorona
-Patienten deutlich häufiger beobachtet als bei Patienten mit einer Grippe.

Die sogenannte OVID-Studie unter der Leitung von Prof. Nils Kucher, Direktor der Klinik für Angiologie, untersucht deshalb die Sicherheit und Wirksamkeit eines Blutverdünners zur Vermeidung von Blutgerinnseln bei ambulanten Patientinnen und Patienten mit Coronavirus-Infektion und sucht weiterhin Studienteilnehmer. Interessierte Personen ab 50 Jahren mit positivem Testresultat können sich unter der Telefonnummer 043 253 03 03 melden.

Quelle: Universitätsspital Zürich