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27.01.2020

Soja kann für Birkenpollenallergiker gefährlich sein

Vegane Ersatzprodukte auf Sojabasis sollen gesund sein. Das trifft aber nicht für jeden zu – vor allem nicht für Menschen mit einer Birkenpollenallergie.

© Knut Wiarda - Fotolia.com

Sei es Tofu, Miso oder Soja­Drink: Vegane Ersatzprodukte auf Sojabasis werden immer beliebter. Dabei wird oft vergessen, dass die Sojabohne einige hochpotente AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
enthält. Bei bis zu einer von 200 Personen der Allgemeinbevölkerung können nach dem Verzehr von Sojaprodukten anaphylaktische Sofortreaktionen auftreten, erklären Christian Oesterlin von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der Technischen Universität München und Kollegen in einer Fachzeitschrift (siehe Aktuelle Dermatologie 2019, Band 45, Seite: 273-276).

Besonders gefährdet sind Birkenpollenallergiker, deren IgE-AntikörperIgE-Antikörper
Das sind Antikörper der Klasse E, die gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an bestimmte Antigene andocken können und dann durch eine Brückenbindung an so genannte Mastzellen zu einer Ausschüttung von Histamin führen (siehe auch Allergie vom Soforttyp, Allergietyp I). Dies verursacht eine Entzündungsreaktion. Erhöhte Ig E-Spiegel im Blut treten vor allem bei allergischen und parasitären Krankheiten auf. 
mit einem Protein aus der Sojabohne reagieren können (sog. Kreuzreaktion). Bei jedem Zehnten wurden allergische Reaktionen auf die Sojabohne nachgewiesen, zumeist in Form eines leichten oralen Allergiesyndroms (OAS).

Drei Proteine aus der Sojabohne sind besonders kritisch, wenn es um Allergien geht. Zwei davon - Gly m 5 und Gly m 6 - sind hitze- und säurestabil, können damit auch in industriell verarbeiteten Produkten enthalten sein und schwere primäre Sofortreaktionen verursachen. Hinzu kommt mit Gly m 4 ein weiteres Eiweiß, das in seinem Aufbau dem Birkenpollen-Majorprotein Bet v1 homolog ist und somit besonders Birkenpollenallergiker gefährdet. Es wird allerdings bei der Verarbeitung von Sojaprodukten zerstört und verliert damit seine allergene Potenz. Die Betroffenen vertragen also in der Regel verarbeitete oder stark erhitzte Produkte wie Sojaöl.

In ihrer Publikation (Aktuelle Dermatologie 2019, Band 45, Seite: 273-276) berichten die Münchner Kollegen über vier Patienten mit bekannter Birkenpollenallergie, die in relativ kurzer Zeit relativ große Mengen nur wenig verarbeiteter Sojadrinks zu sich genommen und daraufhin schwere allergische Symptome bis hin zum anaphylaktischen Schock (Anaphylaxie) entwickelt hatten. Bei einer Frau trat diese Reaktion nach dem Genuss eines veganen Eiweißshakes auf, bei einer anderen nach dem Verzehr eines Yokebe-Sojadrinks. Eine dritte reagierte im Rahmen eines Provokationstests, den die Ärzte bei Verdacht auf eine Hülsenfruchtallergie durchführten. Ein Mann zeigte schwere allergische Symptome nach mehreren Schlucken Sojamilch, wobei sportliche Aktivität womöglich als Triggerfaktor wirkte.

Bei allen vier Patienten fiel der Hautpricktest mit Sojaprodukten positiv aus. Die weiteren Untersuchungen ergaben, dass drei von ihnen nur gegen das birkenpollenhomologe Sojaprotein Gly m 4 spezifische IgE gebildet hatten, nicht aber gegen den Sojagesamtextrakt. Der enthält offenbar einen zu geringen Anteil an Gly m 4.

Bei Patienten mit Birkenpollenallergie und Verdacht auf allergische Kreuzreaktionen gegenüber Sojaprodukten reicht demnach der einfache Test auf IgE-AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
gegen Sojagesamtextrakt nicht aus, betonen die Experten. Sie empfehlen zusätzliche molekularbiologische Tests auf die einzelnen Sojaallergene.

Quelle: Medical Tribune vom 14.12.2019