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29.03.2021

Sinkende Tuberkulose-Fallzahlen in Zeiten von Corona

Der sich für Tuberkulose (TBC) abzeichnende Trend mit sinkenden TBC-Fallzahlen in Deutschland sollte zu einer dauerhaften Entwicklung werden. Darauf hat das RKI anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tags 24.3.2021 hingewiesen.

Tuberkulose ist eine in der Regel gut behandelbare Infektionskrankheit, an der weltweit dennoch jedes Jahr etwa 10 Millionen Menschen erkranken und etwa 1,4 Millionen sterben. Anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März greift das Epidemiologische Bulletin des RKI in seiner aktuellen Ausgabe 11/2021 das Thema Tuberkulose mit einer Reihe von Beiträgen auf und beleuchtet im Editorial den Stand der Tuberkulosekontrolle weltweit und in Deutschland.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in ihrer „End TB Strategy“ das Ziel formuliert, im Vergleich zu 2015 die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner (Inzidenz) bis zum Jahr 2035 weltweit um 90 Prozent und die Zahl der TB-Todesfälle um 95 Prozent zu senken. Angesichts der Herausforderungen durch die COVID-19-Pandemie ist in vielen Teilen der Welt die Erreichung dieser Ziele gefährdet. Von sogenannten Niedriginzidenzländern wie Deutschland wird erwartet, dass die Fallzahlen bis 2035 unter 1 Fall pro 100.000 Einwohner sinken. Für 2020 wurden dem RKI 4.127 Erkrankungen übermittelt (Stichtag: 01.03.2021), das sind 5 Fälle pro 100.000 Einwohner und im Vergleich zu 2019 (4.812 Erkrankungen) ein deutlicher Rückgang um rund 14%. Um das Ziel der Weltgesundheitsorganisation zu erreichen, ist jedoch weiterhin eine jährliche Abnahme um mindestens 10% erforderlich.

Welch wichtigen Beitrag die Genomsequenzierung leisten kann, zeigt sich aktuell an SARS-CoV-2. Wichtig ist vor allem auch die integrierte molekulare Surveillance, also die Verknüpfung der Genomdaten mit Meldedaten. Die Tuberkulose ist hier Vorreiter. Das RKI hatte bereits vor der PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
mit dem Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien (Forschungszentrum Borstel/FZB) das Projekt „Public-Health-Beitrag einer integrierten molekularen Surveillance am Beispiel der Tuberkulose (PHIMS-TB)“ vorbereitet. Mit einer integrierten molekularen Surveillance können Tuberkulose-Ausbrüche und Übertragungsketten besser erkannt und gestoppt werden. Zudem lassen sich wichtige Erregereigenschaften wie AntibiotikaresistenzenAntibiotikaresistenzen
Bakterien können eine Resistenz gegen bestimmte Arzneistoffe entwickeln, das heißt, sie werden unempfindlich gegenüber diesen Medikamente. Die Medikamente, vor allem Antibiotika, sind nicht mehr gegen diese Bakterien wirksam. 
systematisch erfassen.

Entscheidend für eine erfolgreiche Tuberkulosekontrolle sind aber auch die Aufmerksamkeit in der Ärzteschaft – bei klassischen Symptomen wie länger bestehendem Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust sollte auch an Tuberkulose gedacht werden – und das Engagement im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Der ÖGD trägt entscheidend dazu bei, dass Erkrankte früh diagnostiziert, leitliniengerecht behandelt und infektionsgefährdete Personen im engen Patientenumfeld untersucht, aufgeklärt und bei Bedarf vorbeugend behandelt werden.

Quelle: Robert Koch-Institut