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02.12.2019

Sind Allergiker stressanfälliger, weil sie ihre Emotionen unterdrücken?

Unterscheiden sich Gesunde und Allergiker hinsichtlich ihrer Reaktion auf akuten Stress und ihres Umgangs mit Emotionen? Ein Forschungsteam in Wien ging diesen Fragen in einer soeben veröffentlichten wissenschaftlichen Studie nach und kam zu erstaunlichen Ergebnissen.

© Sandor Jackal_Fotolia.com

Allergien sind weltweit auf dem Vormarsch, vor allem aber in hochentwickelten Ländern mit einem hohen Hygienestandard. Etwa jeder Vierte leidet an Asthma, Heuschnupfen & Co., wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Stress kann das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
aktivieren oder hemmen, seine vielfältige Wirkung in Zusammenhang mit Allergien ist allerdings noch nicht vollständig aufgeklärt.

Frühere Untersuchungen hatten bereits darauf hingewiesen, dass Allergiker ängstlicher und stressanfälliger sind als Menschen ohne Allergie. Nun hat ein Forschungsteam um Lisa Maria Glenk vom Messerli Forschungsinstitut in Wien Gesunde und allergische Personen in einem Stresstest untersucht (siehe Stress, Online-Veröffentlichung am 26.10.19). Den Studienteilnehmern wurden vor und nach der Stressprovokation ein Fragebogen zu ihrem Umgang mit Emotionen sowie ihrem aktuellen Befinden vorgelegt. Zudem bestimmten die Wissenschaftler die Konzentrationen der Hormone Kortisol und Oxytocin.

Nach dem Stresstest fühlten sich sowohl Allergiker als auch Gesunde ängstlicher und gestresster. Allerdings verzeichneten Allergiker einen stärkeren Anstieg des Stresshormons Kortisol und brauchten zudem länger, um sich wieder davon zu erholen. Auch in der Ausschüttung von Oxytocin, welches auch als Kuschel- oder Bindungshormon bekannt ist, unterschieden sich die allergischen von den gesunden Probanden. Zwar hatten Allergiker höhere Ausgangwerte im Blut, ihr Oxytocinspiegel sank aber infolge der Stresserfahrung. Bei den Gesunden verhielt es sich umgekehrt.

Interessanterweise unterdrückten Allergiker eher als Gesunde ihre Emotionen. Dazu Studienleiterin Erika Jensen-Jarolim: „Wir sehen immer wieder, dass Allergiepatienten die Schwere ihrer chronischen Symptome negieren.“ Allergische Personen, die zu einer emotionalen Neubewertung der Situation fähig waren, erholten sich deutlich schneller vom Stress. Co-Autor Oswald D. Kothgassner von der Medizinischen Universität Wien ergänzt dazu: „Durch diese Ergebnisse kann angenommen werden, dass Mechanismen der Stressregulation eine entscheidende Rolle für das häufig gemeinsame Auftreten von Allergien und Depressionen spielen“. Die aktuelle Studie legt den Forschern zufolge nahe, dass Allergiker und Gesunde einen unterschiedlichen Umgang mit Emotionen pflegen, was wiederum ihre Stresstoleranz beeinflusst.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien