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16.07.2018

Schimmelpilzbefall der Lunge schwerer zu bekämpfen

Da Schimmelpilze hierzulande immer häufiger ResistenzenResistenzen
Bakterien können eine Resistenz gegen bestimmte Arzneistoffe entwickeln - das heißt, sie werden unempfindlich gegenüber diesen Medikamente. Die Medikamente, vor allem Antibiotika, sind nicht mehr gegen diese Bakterien wirksam.
Resistente Erreger entwickeln sich - insbesondere bei großen Erregermengen - entweder durch spontane Genveränderungen (Mutationen) oder durch selektive Vermehrung (Selektion) von natürlich vorkommenden resistenten Bakterien-Subpopulationen, z.B. aufgrund einer unzureichenden oder zu früh abgebrochenen Therapie.
entwickeln, sollte bei Patienten mit MukoviszidoseMukoviszidose
Bei der Erbkrankheit Mukosviszidose, an der in Deutschland rund 8.000 Menschen leiden, führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass der Salz- und Wassertransport der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen verändert ist und dadurch ein abnormal zähflüssiger Schleim in Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gebildet wird, der die Bronchien und Verdauungswege verstopft. Atemnot, chronischer Husten, aber auch eine gestörte Verdauung und Infektanfälligkeit sind die Folgen. 
 
zur Therapiesteuerung eine Resistenztestung durchgeführt werden.

Die in der Luft schwebenden Sporen des Schimmelpilzes Aspergillus fumigatus können vom Menschen eingeatmet werden und aufgrund ihrer Größe bis in die tiefen Atemwege gelangen. So können sie auch die Lunge von Patienten mit Mukoviszidose (zystische Fibrose, Cystic Fibrosis, CF) besiedeln und in manchen Fällen zu einer allergischen-bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA) oder einer Aspergillus bronchitis führen. Bei der ABPA reagiert das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
des Patienten auf Aspergillus allergisch, d.h. es produziert Substanzen, die eine überschießende Entzündung der Lunge verursachen. Dadurch verengen sich die Atemwege und die Atmung kann bedrohlich eingeschränkt sein.

In den letzten Jahren wurde vor allem in Europa von einer zunehmenden Resistenz von Aspergillus fumigatus gegenüber Azol-Antimykotika berichtet. Jetzt hat eine multizentrische Studie erstmals das Vorkommen des Pilzes bei deutschen Patienten mit Mukoviszidose (CF) untersucht (siehe Journal of Antimicrobial Chemotherapy, Online-Veröffentlichung am 19.4.2018). In Deutschland geht man davon aus, dass bei etwa 30 Prozent der CF-Patienten die Lunge mit dem Schimmelpilz Aspergillus fumigatus besiedelt ist. Aufgrund einer Resistenzrate von bis zu mehr als neun Prozent raten die Autoren, eine Resistenztestung für diesen Schimmelpilz in das Standard-Diagnostik-Programm von CF-Patienten aufzunehmen.

Mukoviszidose ist eine angeborene Stoffwechselerkrankung, die zu den seltenen Erkrankungen gezählt wird. In Deutschland leben bis zu 8.000 Patienten mit Mukoviszidose. Viele Mukoviszidose-Betroffene erkranken im Lauf ihres Lebens an Infektionen der Lunge, da das Organ durch den zähen Schleim besonders anfällig für Bakterien, Viren oder Pilze ist. Wiederholte Infektionen können die Lungenfunktion bei Mukoviszidose erheblich verschlechtern, vor allem, wenn sie chronisch verlaufen.

Das Ziel der aktuellen Studie bestand darin, in mehreren deutschen Zentren zur Behandlung von Mukoviszidose (CF) die Häufigkeit einer Azol-Resistenz bei A. fumigatus zu untersuchen und die nachgewiesenen Isolate phänotypisch und molekularbiologisch zu charakterisieren. Insgesamt wurden 2888 A. fumigatus-Isolate von 961 Patienten aus 12 verschiedenen CF Zentren untersucht. Dabei wurden im Rahmen der Studie wurden 101 Azol-resistente-Isolate von 51 CF Patienten nachgewiesen. Die Prävalenz der Azol-Resistenz pro Patient beträgt somit 5,3 Prozent.

Die Resistenzrate variierte aber zwischen den einzelnen Zentren. Essen und München hatten mit 9,1 bzw. 7,8 Prozent die höchste Resistenzrate. Münster und Hannover folgten mit 6.0 und 5.2 Prozent. Es folgten Heidelberg (3,1), Frankfurt (2,8) und Köln (1,8). In Aachen, Dresden, Düsseldorf, Hamburg/Saarbrücken und Ulm wurde kein Azol-resistenter A. fumigatus-Stamm nachgewiesen.

Bei fast allen resistenten Isolaten wurde die Mutation TR34/L98H im cyp51A-Gen nachgewiesen (n=89). Isolate von CF-Patienten, die über mehrere Wochen bzw. Monate mit einem resistenten Isolat kolonisiert waren, zeigten überwiegend stabile Genotypen.

Die Ergebnisse der multizentrischen Studie zeigen also das Vorhandensein von Azol-resistenten Aspergillus fumigatus bei Patienten mit Mukoviszidose in Deutschland. Nach Ansicht der Studienautoren sollte deshalb bei Aspergillus fumigatus-Isolaten von CF-Patienten, die eine antimykotische Therapie im Rahmen einer Aspergillus-induzierten Erkrankung bzw. im Rahmen einer Lungentransplantation erhalten, eine Resistenztestung zur Therapiesteuerung durchgeführt werden.

Quelle: Medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie, Universitätsinstitut der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Klinikum Nürnberg