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01.10.2007

Rauchen vor dem Stillen verkürzt Schlaf des Säuglings

Säuglinge, deren Mütter direkt vor dem Stillen rauchen, schlafen bis zu einem Drittel weniger als Babys von Müttern, die zuvor für eine Dauer von 12 Stunden auf Zigaretten verzichtet haben. Davor warnen die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) unter Berufung auf eine aktuelle wissenschaftliche Studie aus den USA.

Säuglinge, deren Mütter direkt vor dem Stillen rauchen, schlafen bis zu einem Drittel weniger als Babys von Müttern, die zuvor für eine Dauer von 12 Stunden auf Zigaretten verzichtet haben. Davor warnen die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) unter Berufung auf eine aktuelle wissenschaftliche Studie aus den USA, die das Schlafverhalten von fünfzehn zwei bis sieben Monate alten Kindern, deren Mütter rauchen und stillen, untersucht hat. „Wenn die Mütter direkt vor dem Stillen, geraucht hatten, schliefen ihre Babys im Schnitt nur 53 Minuten, nach einer zwölfstündigen Rauchpause der Mutter hingegen 85 Minuten – also eine halbe Stunde länger“, berichtet Dr. Michael Barczok, Vorstandsmitglied im BdP und praktizierender Pneumologe im Lungenzentrum Ulm, das u.a. auch schlafmedizinische Untersuchungen durchführt. „Das NikotinNikotin
Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
  * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
  * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
  * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
  * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
  * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
in der Muttermilch wirkt sich dabei sowohl auf den Tiefschlaf der Kinder aus als auch auf die aktiven Schlafphasen (Traumphasen oder REM-Schlaf, bei dem hochfrequente, kleine Hirnstromwellen, periodische Bewegungen der Augen sowie Zuckungen der Gesichtsmuskulatur und der Extremitäten auftreten). Am stärksten wurde diejenige Schlafphase, die normalerweise am längsten ausfällt, verkürzt. Immerhin tranken die betroffenen Babys beim Stillen nicht weniger Milch als die Kinder der abstinenten Raucherinnen – was verwundern mag, da der Geschmack von nikotinbelasteter Muttermilch nachweislich verändert ist.“

Schlafdefizit kann gesunde Entwicklung beeinträchtigen
Je mehr Nikotin die Muttermilch enthielt, umso stärker wurde das Schlafmuster der Kinder gestört, das heißt umso weniger Zeit verbrachten sie insbesondere in den aktiven Traumphasen. „Das ist bei einem sich entwickelnden Säugling natürlich besonders bedenklich, wenn man bedenkt, dass Schlafen dazu dient, neue Erlebnisse und Erfahrungen aus den Wachphasen in Form von Träumen zu verarbeiten“, erklärt Barczok. „Das Gehirn wird bei dieser Verarbeitung sozusagen von überflüssigen Informationen gereinigt. Außerdem dient Schlaf auch der Erholung der inneren Organe. Wenn man also Säuglinge in ihrem natürlichen Schlafverhalten beschneidet, das sie für eine gesunde Entwicklung benötigen und das insgesamt über den Tag verteilt bis zu 16 Stunden umfasst, kann das zu ernsthaften Entwicklungsstörungen führen. Auch wurde bei Säuglingen, die unter Ein- und Durchschlafstörungen leiden, bereits beobachtet, dass sie mehr schreien und quengeln und weniger spielen. Wir Lungenärzte raten Müttern daher dringend, auf das Rauchen nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch beim Stillen zu verzichten “, empfiehlt Barczok.

Quellen:

  • Pediatrics (2007), Band 120/3, Seite 497-502 (doi:10.1542/peds.2007-0488). Zusammenfassung (abstract)
  • Ein- und Durchschlafstörungen in den ersten zwei Lebensjahren. Dissertation von Ariadne Vogt (2004)