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10.05.2021

Rauchen verschlechtert auch bei Folgegenerationen die Lungengesundheit

Rauchen schadet nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern gefährdet auch die Gesundheit nachfolgender Generationen – und zwar indirekt durch epigenetische Einflüsse und direkt durch die Belastung mit Passivrauch. Darauf weisen Experten der Deutschen Lungenstiftung anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai hin.

Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai weisen Experten der Deutschen Lungenstiftung darauf hin, dass Rauchen nicht nur der eigenen Gesundheit schadet, sondern auch die Gesundheit nachfolgender Generationen gefährdet – und zwar indirekt durch epigenetische Einflüsse und direkt durch die Belastung mit Passivrauch. Sie berufen sich dabei auf die Ergebnisse zweier aktueller Studien. Epigenetisch bedeutet, dass Tabakrauch zu genetischen Veränderungen führt, die an die nachfolgenden Generationen vererbt werden können.

Epigenetische Einflüsse wirken über drei Generationen hinweg

Wie eine internationale Studie im European Respiratory Journal belegt, können epigenetische Veränderungen durch das Rauchen sich sogar über mehrere Generationen hinweg auswirken (siehe European Respiratory Journal, Online-Vorabveröffentlichung am 1.4.2021): Erstens vom Vater zum Kind: Wer bereits vor der Pubertät raucht, kann später, wenn er Vater werden sollte, die Lungenfunktion seiner Kinder beeinträchtigen (durch Verringerung der Einsekundenkapazität FEV1 und forcierten Vitalkapazität FVC). Zweitens von der Großmutter väterlicherseits zum Kind: Frauen, die in der Schwangerschaft rauchen, können dadurch verursachen, dass sowohl ihre Söhne als auch ihre Enkel eine schlechtere LungenfunktionLungenfunktion
(FEV1FEV1
Das so genannte FEV1 (= forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde) - das ist die Luftmenge, die der Patient mit aller Kraft und möglichst schnell innerhalb einer Sekunde ausatmen kann.
 
 
/FVC) aufweisen.

Passivrauchen erhöht den Blutdruck bei Kindern

Direkte Einflüsse durch Passivrauchen auf die Gesundheit nichtrauchender Menschen sind bereits viele bekannt: Insbesondere mit Tabakrauch exponierte Kinder leiden häufiger unter chronischen Lungenerkrankungen wie chronische Bronchitis, Asthma und wiederkehrenden Lungenentzündungen. Eine US-Studie aus New York hat jetzt nachgewiesen, dass Kinder und Jugendliche, die Tabakrauch ausgesetzt sind, bereits erheblich höhere Blutdruckwerte haben (siehe JAMA Network Open, Online-Veröffentlichung am 23.2.2021). Die Entwicklung eines Bluthochdrucks sollte aber unbedingt vermieden werden, da er bekanntlich u.a. das Risiko für Herzinfarkte, SchlaganfälleSchlaganfälle
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
und Nierenerkrankungen stark erhöht.

Ein Rauchstopp verbessert auch die psychische Verfassung

„Ein Verzicht auf das Rauchen wird also nicht nur der eigenen Gesundheit zugutekommen, sondern kann auch Vorteile für die nachfolgenden Generationen bieten“, resumiert Prof. Dr. Stefan Andreas, Beiratsmitglied der Deutschen Lungenstiftung und Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen sowie des Bereiches PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
an der Universitätsmedizin Göttingen. Auch die Befürchtung, ein Rauchstopp könne negative Auswirkungen auf das eigene psychische Wohlbefinden und Sozialleben haben, lässt sich entkräften: Einer aktuellen Übersichtsstudie in der Cochrane Library zufolge haben Menschen bereits nach sechs Wochen Rauchverzicht weniger Depressionen, Ängste und Stress als Menschen, die weiter rauchen (siehe Cochrane Library, Online-Veröffentlichung am 9.3.2021). „Wer mit dem Rauchen aufhört, kann also auch seine psychische Gesundheit positiv beeinflussen und langfristig zu einem insgesamt besseren psychischen und physischen Wohlbefinden gelangen“, fasst Prof. Andreas zusammen.

Autor: äin-red

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·        https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33795316/


https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2776719

·    https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD013522.pub2/full/de