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11.08.2017

Psychische Auswirkungen einer COPD auf die Lebensqualität

Welche Auswirkungen die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD auf Alltag, Psyche und Lebensqualität haben kann, wird Prof. Dr. med. Klaus Kenn, Chefarzt der Abteilung PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
, Allergologie, Schlafmedizin in der Schön Klinik Berchtesgadener Land in Schönau am Königsee und Professor für Pneumologische Rehabilitation an der Philipps Universität Marburg, in seinem Vortrag auf dem 10. Symposium Lunge am 2. September 2017 erläutern.

Vor allem Depressionen wurde in Studien als wesentliches psychisches Problem von COPD-Patienten beleuchtet. Neuere Daten rücken außerdem Angst- und Panikstörungen in den Fokus. Mit Blick auf die Bedrohlichkeit des Hauptsymptoms der COPD, der Atemnot, kann es nicht überraschen, dass sich ein gegenseitiges Bedingen bzw. Verstärken von körperlichem (Atemeinschränkung) und psychischem Befinden („Not beim Atmen“) manifestiert. Wir wissen, dass sich im Verlauf einer fortschreitenden COPD Atemnot, Angst und Depression im Sinne eines Teufelskreises verselbstständigen können. Bei COPD-Patientinnen treten Ängste allgemein häufiger, früher und in stärkerer Intensität auf, als in einer altersgleichen Normalbevölkerung.

Vor was fürchten sich Patienten? Wir selbst haben einen speziellen Fragebogen, den COPD-Angst-Fragebogen (CAF) mit 27 Items entwickelt, der es ermöglicht, die Inhalte der erlebten Ängste abzufragen. Dabei zeigen sich vier Hauptthemen: Angst vor dem Fortschreiten der COPD (Progredienzangst), Angst vor sozialer Ausgrenzung, Angst vor Atemnot (Dyspnoe) und Angst vor körperlicher Aktivität. Diese Ängste waren vom COPD-Schweregrad unabhängig. Weiterhin fand sich, dass speziell Ängste vor körperlicher Aktivität und vor Dyspnoe der körperlichen Aktivität im Wege stehen, so dass dadurch die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit erheblich eingeschränkt werden.

Angst und Depressionen manifestieren sich bereits in den frühen Stadien der COPD. Dies, obwohl die körperlichen Einschränkungen bei den Betroffenen im COPD-Stadium I und II nur wenig spürbar gewesen sein dürften. Möglicherweise ist bereits die erste Konfrontation mit der Diagnose COPD und insbesondere mit dem Begriff „Emphysem“ für die Patienten besonders schockierend. COPD-Patienten leiden zudem oft unter Ängsten, die sich auf die Endphase des Lebens (EoL aus dem Englischen „End of Life“-Fear) beziehen. Dabei scheint weniger der Tod selbst als vielmehr die Art des Sterbens für Patienten mit wiederkehrender Atemnot ein beängstigendes Problem darzustellen. Neben der unmittelbaren Befürchtung, qualvoll zu ersticken (91%) gaben erstaunlicherweise 78% der Untersuchten in unserer Klinik Angst vor Schmerzen für die EoL-Phase an.

Die meisten Patienten geben an, nie mit den behandelnden Ärzten über Ängste gesprochen zu haben. Zudem fühlten sie sich deutlich zu wenig über ihre Erkrankung informiert. Dabei scheint der COPD-Patient im klinischen Alltag eher eine stumme Rolle zu spielen. Somit wird auf ärztlicher Seite entsprechend keine psychische Problematik vermutet. Eine nie veröffentlichte Deutsche Untersuchung soll gezeigt haben, dass die COPD als Erkrankung sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten in sehr schlechtes „Image“ hat. Die Betroffenen rechnen erst gar nicht mit Mitgefühl. Vielleicht liegt es auch daran, dass insbesondere sauerstoffpflichtige COPD-Patienten ihre Erkrankung als peinlich und beschämend erleben.

Bereits geringe Maßnahmen in Form von zweimaliger Verhaltenstherapie können zu einer erheblichen Abnahme von Angst und Depression führen. Auch die Verordnung von angstlösenden Medikamenten in niedrigen Dosierungen kann in ausgewählten Fällen bereits zu einer spürbaren Besserung der psychischen Symptome führen. Im Falle unerträglicher Atemnot kann schon ein kurzes Gespräch mit einem Patienten mit der Zusage einer niedrig dosierten Morphintherapie eine perspektivische Entlastung bieten. Allein das Ansprechen solcher Themen, das Relativieren oft übersteigerter Zukunftsängste und insbesondere Behandlungszusagen für die Zukunft entlasten Patienten oft enorm. Man kann dies als eine Art „End of Life-Vertrag“ mit dem Arzt bezeichnen.

Der COPD-Deutschland e.V. hat in Zusammenarbeit mit der Patientenorganisation  Lungenemphysem- COPD Deutschland einen Patientenratgeber zum Thema: COPD - Auswirkungen auf Alltag, Psyche und Lebensqualität herausgegeben, die Sie im Ausstellungszelt 3 am Stand 1 kostenlos erhalten.

Quelle: Vortrag von Prof. Dr. med. Klaus Kenn, Chefarzt der Abteilung Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin in der Schön Klinik Berchtesgadener Land in Schönau am Königsee und Professor für Pneumologische Rehabilitation an der Philipps Universität Marburg, auf dem 10. Symposium Lunge am Samstag, den 2. September 2017 von 9:00-17:00 Uhr in Hattingen (NRW).

Anfragen bezüglich des Symposiums richten Sie bitte an:
Organisationsbüro Symposium-Lunge
Jens Lingemann
symposium-org@noSpam.copd-deutschland.de
Telefon: 02324 - 999 959

Alle Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier: Symposium-Lunge 2017
Ein kostenloses Programmheft können Sie ebenfalls bestellen.